COLETTE MART

Die Friedensnobelpreisträger des Jahres 2018, Denis Mukwege und Nadia Murad, gingen beide durch die Hölle. Murad war Sexsklavin des IS-Staates, was sicherlich zu den schlimmsten Frauenschicksalen der Aktualität zählt, und Mukwege versucht seit Jahrzehnten, der Hölle im Ostkongo etwas entgegen zu setzen.

Der Friedensnobelpreis für beide rückt gravierendste Formen der Gewalt gegen Frauen in den Mittelpunkt, und zeigt, dass die Zivilisation nicht alle Menschen einschließt, dass die Weltgemeinschaft trotz zahlreicher Absichtserklärungen Menschen allein lässt, dass sie Frauen regelrecht hängen lässt, und nicht die notwendigen Mittel zur Verfügung stellt, um sie vor den schlimmsten Menschenrechtsverletzungen zu bewahren.

Im Kongo ist die Vergewaltigung, die Folter, sowie die grausame Verstümmelung der Sexualorgane der Frauen eine Facette der Bürgerkriegsführung, und in Afrika eine effiziente Art und Weise, die Familienbande als Grundlage der Gesellschaft zu zerstören. Wenn Männer und Kinder mit ansehen müssen, wie ihre Frauen und Mütter vergewaltigt und verstümmelt werden, wird der Zusammenhalt der Familien untergraben. Darüber hinaus werden vergewaltigte Frauen und Mädchen oft von der Familie verstoßen, so dass ihr Leben in der Gemeinschaft zerstört wird. Der Einsatz Denis Mukweges gilt nicht nur der gynäkologischen Hilfe für gefolterte Frauen, sondern auch der psychologischen Unterstützung der Opfer und ihrer Familien; die Opfer von Vergewaltigung sollen wieder Selbstvertrauen bekommen. Im Kongo wird eine Spirale der Gewalt unterhalten, die schlussendlich um die Profite der Gold-und Kobaltminen kreist, die der lokalen Bevölkerung nicht zugutekommen, die aber Bevölkerungsgruppen gegen einander aufhetzt und schlussendlich jene Misere provoziert, die nun durch den Friedensnobelpreis eine größere Sichtbarkeit erhält.

Der Preis für Nadia Murad rührt seinerseits an die Geschichte der Jeziden, die Opfer eines Völkermordes seitens des IS-Staates geworden sind. Männer werden tausendfach getötet, während junge Frauen und Mädchen verschleppt und zu Sexsklavinnen der IS-Kämpfer werden. Murad gelang die Flucht aus der Hölle, sie bekam Hilfe von einer muslimischen Familie, und die ist wiederum das Positive an ihrer Geschichte.

Sie konnte sich durch die Hilfe anderer Menschen befreien und hatte die Stärke, ihr Schicksal verständlich zu machen.

Die Fragen, die sich jetzt der Weltöffentlichkeit stellen, sind folgende: Was geschieht mit all den anderen, tausenden Jezidinnen, die immer noch gefangen und ausgebeutet werden? Was können wir tun, um weitere Vergewaltigungsopfer im Kongo zu verhindern? Wo haben wir als Weltgemeinschaft versagt?

Das grundsätzliche Problem bleibt im Endeffekt, dass Frauenverachtung in den Mentalitäten vieler Männer und vieler Bevölkerungsgruppen weiterbesteht, dass wir in diesem Punkt nirgendwo in der Welt grundsätzlich weitergekommen sind, dass es in allen Ländern der Welt noch zahlreiche Formen der Gewalt gegen Frauen gibt, und dass dies lediglich durch die Förderung der Chancengleichheit in der Erziehung, durch eine konsequente Unterstützung der Familien, sowie durch strenge Gesetze gegen Gewalt an Frauen zu bekämpfen ist.