MERSCH/LUXEMBURG
INGO ZWANK

Schwere Bedingungen, gute Qualität: Traditionelle Erntebilanz-Konferenz im Agrocenter

Das Fazit vorweg: „Wenn die Witterungsextreme in dieser Art zuschlagen, hat der Landwirt keine Möglichkeit, mit pflanzenbaulichen Maßnahmen entgegenzuwirken“, sagte Steve Turmes, Direktor von der Luxemburger Saatbau-Genossenschaft, eingangs der traditionellen Ernte-Pressekonferenz am Dienstag.

Die Getreideernte ist so gut wie abgeschlossen, „ein einheitliches Fazit lässt sich aber noch nicht ziehen“, sagte Turmes. Zu groß seien die Ertragsunterschiede in Abhängigkeit der Niederschlagssituation und der Bodenverhältnisse. „Doch die Qualität ist überwiegend gut und liegt deutlich über der des Vorjahres“, so die Bilanz.

Anfangs gute Bedingungen

Während die Bestellarbeiten beim Getreide bei guten Bedingungen im September und Oktober 2016 durchgeführt werden konnten, machte der Raps schon bei der Aussaat Ende August Probleme, sagte VERSIS-Direktor Serge Turmes. „Entweder ließ er sich wegen der Trockenheit überhaupt nicht säen oder es lief schwach oder gar nicht.“

Die Kulturen entwickelten sich trotz eines späten Vegetationsbeginns im Frühjahr 2017 recht gut. Noch bis Mitte Mai versprachen die Getreide- und Rapsbestände eine gute Ernte, „doch nach und nach machte sich Ernüchterung breit“, sagte Serge Turmes.

Die im April einsetzende Trockenheit hielt auch im Mai und Juni an und hemmte die Entwicklung des Getreides enorm. Die Hitzetage im Mai und Juni gaben einigen Getreidebestände „dann den Rest“, so die nüchterne Erkenntnis. Die Kombination aus geringem Niederschlag und schlechten Bodenverhältnissen führten anschließend zu sehr schlechten Erträgen. Regionen, die zu richtigen Zeitpunkt einen Regenschauer bekamen, seien mit einem blauen Auge davongekommen. Mit der Gersteernte wurde so bereits am 5. Juli begonnen, am 25. Juli war der Abschluss. Weizen und Triticale waren auch knapp zwei Wochen früher reif. Ein Plus: Die Krankheitsbelastung war trockenheitsbedingt deutlich geringer als im Vorjahr. Die früh abgereifte Wintergerste konnte bessere Erträge erzielen als der Weizen.Die Rapsernte war durchschnittlich, die Sommergerste enttäuscht aber im Ertrag und auch Qualität. Die Preislage sieht so aus, dass ein erheblicher Druck besteht. „Denn es gibt gute Erträge in den wichtigen Getreideregionen“, sagte Serge Turmes, das Angebot an guten Kerne sei sehr gut. „Auch Russland hat eine gute Ernte gehabt und drückt auf den Markt.“ Der Raps sei sehr unter Druck, da eine EU-weit höhere Ernte verbucht wurde. „Und das niedrige Sojapreisniveau wirkt sich ebenfalls entsprechend aus.“

Somit war die schlechte Ernte eine Frage der Niederschlagssituation, sodass die Erträge sehr heterogen waren. „Zum heutigen Zeitpunkt besteht keine Aussicht, dass die Getreidepreise sich deutlich positiv entwickelt werden, wenn es so weiter geht, sehen wir keinen rosigen Zeiten entgegen“, sagte Serge Turmes.

Ernteversicherung

Minister Fernand Etgen lobte den Einsatz der Landwirte und bilanzierte ebenfalls, dass „man noch keine gesicherten Aussagen über die Ernteerträge machen kann.“ Dies sei erst Ende des Jahres möglich. Gut sei gewesen, dass die Pilzkrankheiten sich nicht so schädigend präsentieren konnten. „Und doch werden wir von keinem guten Kerne-Jahr sprechen können.“ So appellierte Etgen an die Landwirte, sich entsprechende Gedanken über eine Ernteversicherung zu machen, da auch der Staat hier einen Zuschuss beigeben kann. Ein Großteil der Schäden sei bereits von den Versicherungen ausgezahlt worden, „einige 1.000 Hektar wurden bereits abgedeckt“, sagt Etgen. Eine pauschale staatliche Entschädigung sei nicht der richtige Weg, daher die Bezuschussung der Versicherung.