LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Heute beginnt der „Bommeleeër“-Prozess - Eine Übersicht

Heute um 15 Uhr fällt am Bezirksgericht Luxemburg der Startschuss für den Prozess des Jahres. Die Verhandlungen in der Affäre um die 20 „Bommeleeër“-Attentate, die das Land zwischen dem 30. Mai 1984 und dem 25. April 1986 erschütterten, werden sich über vier Monate hinziehen. Die Sitzungen finden jeweils zwischen 15.00 und 18.00 im Saal TL 1.10 im 1. Stock des „Tribunal d‘Arrondissement“. Nachfolgend ein Kurzüberblick über die wichtigsten Fragen.

Was wird den Angeklagten zur Last gelegt?

Die Polizisten und ehemaligen Mitglieder der Gendarmerie-Spezialeinheit „Brigade Mobile“ Marc Scheer und Jos Wilmes müssen sich wegen versuchten Mordes, Brandstiftung, Versuchen, ein Delikt zu begehen, sowie die Zerstörung von Strom- und Gasinfrastrukturen und des Verstoßes gegen das Waffen- und Munitionsgesetz verantworten. Die Attentate haben erheblichen Schaden eingerichtet.

Welche ist die höchste Strafe, die sie riskieren?

Das Strafgesetzbuch ist am unerbittlichsten, wenn es um Brandstiftung geht. Mehrmals hatten die Bombenleger nachts Sprengsätze an Gebäuden gezündet, in denen sich Menschen befanden. Darauf steht lebenslänglich.

Wer sind die Ankläger, wer die Verteidiger, wer die Richter?

Die Anklage wird durch den beigeordneten Staatsanwalt Georges Oswald vertreten sowie durch den Substituten Robert Welter. Me Gaston Vogel ist der Anwalt des Angeklagten Marc Scheer, Me Lydie Lorang verteidigt Jos Wilmes. Die Affäre wird von der 9. Strafkammers des Bezirksgerichts Luxemburg behandelt: Sylvie Conter (Vizepräsidentin), Claudine de la Hamette (Vizepräsidentin), Paul Vouel (erster Richter), Jean-Luc Pütz (Richter).

Wer sind die Zivilparteien?

Der Strom-Infrastrukturbetreiber Creos (die Gesellschaft ging aus der Cegedel hervor, deren Eigentum bei den Attentaten schwer beschädigt worden war), die Saint-Paul-Gruppe (am 27. Juli 1985 wurde eine Bombe vor dem Hauptgebäude gezündet), der Luxemburger Staat, die Hauptstadt und die Gesundheitskasse (sie fordert die Gelder zurück, die sie für die Behandlung der Verletzten bei den Attentaten zahlen musste).

Welche Zeugen hat die Staatsanwaltschaft geladen?

Insgesamt sind 85 Zeugen geladen. Auf der Liste der Staatsanwaltschaft stehen die Ermittler, ehemalige Mitglieder der Gendarmerie und der „Brigade Mobile“, des Geheimdiensts, ehemalige und aktive Magistraten, der ehemalige Minister der „Force Publique“, Marc Fischbach, sowie die Augenzeugen. Die Staatsanwaltschaft hat ebenfalls vier Experten geladen: Eine Sprachwissenschaftlerin, einen „Fallanalyse“-Spezialisten, einen Experten für DNA-Analysen sowie einen Sprengstoffexperten.

Welche Zeugen wurden auf Antrag der Verteidigung vorgeladen?

Auch sie hat natürlich die BMG-Leute, Geheimdienstagenten, Augenzeugen und ehemalige Magistraten vorgeladen. Dazu den ehemaligen Staatsminister Jacques Santer, den jetzigen, Jean-Claude Juncker, aber auch zwei Mitglieder der großherzoglichen Familie: Prinz Jean und dessen Bruder Guillaume.

Was müssen Interessierte beachten, wenn sie bei den Verhandlungendabei sein möchten?

-Es gibt 50 Plätze im Verhandlungssaal TL 1.10 und 70 im „Bâtiment Central“ (BC 1.38), wohin die Verhandlung übertragen wird. Die Säle sind ab 14 Uhr zugänglich. Die Verhandlungen laufen zwischen 15.00 und 18.00 Uhr. Man kann keine Plätze reservieren.

-Rein kommt man nur mit einem Abzeichen, das am Eingang der Säle gegen Abgabe des Personalausweises oder Passes ausgehändigt wird.

Durch diese Prozedur soll auch verhindert werden, dass Zeugen, die noch nicht angehört wurden, in die Säle gelangen. Sie dürfen nämlich erst anwesend sein, nachdem sie ausgesagt haben.

- Es ist verboten, in den Sälen zu fotografieren, zu filmen oder Ton aufzunehmen.

- Den Bürgern, die einen Auszug aus dem „casier judiciaire“ abholen möchten, empfiehlt die Justiz, sich morgens an die zuständige Stelle zu wenden. Nachmittags könnte es wegen des „Bommeleeër“-Prozesses zu Schwierigkeiten kommen.