LUXEMBURGCORDELIA CHATON

Exklusiv-Interview mit dem neuen CDCL-Chef über Hamilius, Arbeitsbedingungen und Hausbau

Seit Februar dieses Jahres ist Georges Thill Direktor für Betriebsabläufe und Mitglied des Vorstandes des luxemburgischen Bauunternehmens CDCL. Dem „Journal“ erzählt er, wie er den Traditionsbetrieb im operationellen Bereich zu führen gedenkt. Er hat es nicht einfach in einem Bereich, in dem gerade erst zwei Unternehmen Insolvenz angemeldet haben.

Herr Thill, warum sind Sie als Ingenieur zu CDCL gewechselt?

Georges Thill Ich bin eigentlich ein Quereinsteiger. Meine Karriere habe ich bei Paul Wurth begonnen. Dort habe ich mich um Hochofenbau und Projektmanagement gekümmert. Ab 2007 war ich dann in der Baubranche tätig; zunächst sechs Jahre in dem Familienunternehmen Poeckes sàrl, in dem ich mich hauptsächlich um Bauvorhaben gekümmert habe, um dann die letzten zwei Jahren eigenständig Immobilien und Bauprojekte zu leiten. CDCL war mir schon als Big Player bekannt, welcher in allen Bereichen des Bauwesens tätig ist. Für mich bedeutet dieser neue Job eine große Herausforderung, der ich mich gerne stelle.

Was wollen Sie verändern?

Thill Wir sind dabei, unsere Organisation zu überdenken und Ablaufprozesse anzupassen. Der Markt ändert sich und es gibt viele neue Herausforderungen, Umweltauflagen, eine hohe Alterspyramide unserer Mitarbeiter, sinkende Margen, Kundenzufriedenheit, Qualität...

Es ist ein Problem, junge Mitarbeiter zu gewinnen, und dies auf allen Niveaus. Dabei brauchen wir junge Talente. Wir bewegen uns gerade von der traditionellen hierarchischen Organisation zum Profit einer Neuaufstellung mit zunehmender Verantwortung nach unten. Unsere Mitarbeiter sind schließlich unser größter Erfolgsfaktor!

Wie wollen Sie führen?

Thill Ich bin ein Teamplayer und glaube an diesen Managementstil. Meine Stärke ist es Leute einzubinden. Mein Ziel ist es, damit Leute zu motivieren.

Dadurch können die Mitarbeiter sich mit dem Unternehmen und dem Namen CDCL identifizieren. Ich sehe mich eher als einen Orchesterchef. Die Partitur wird größtenteils vom Markt geschrieben. Natürlich werde ich meine persönliche Note mit einbeziehen.

Wollen Sie neue Geschäftsfelder angehen?

Thill Heute werden Gebäude für eine Lebenszeit von rund 30 Jahren gebaut, während früher für Generationen errichtet wurde. Heutzutage gibt es neue Materialien und Gesetze. Wir arbeiten deshalb auch mit Neobuild zusammen sowie mit dem IFSB.

Für das Thema circular economy, also die neue Kreislaufwirtschaft, überlegen wir, ob wir uns nicht einen geeigneten Partner suchen.

Unsere Tätigkeit beschränkt sich auf Luxemburg, hier sind wir Planer, Architekt, Ingenieur und Bauträger.

Im Bausektor gab es viele Pleiten, gerade erst haben wieder zwei Unternehmen Insolvenz angemeldet. Was machen Sie anders als die Konkurrenz?

Thill Diese zwei Insolvenzen sind besorgniserregend. Wir selbst stützen uns auf Geschichte, Erfahrung und eine Kostenübersicht.

Für kleinere Unternehmen ist es schwierig, wenn eine oder zwei Baustellen wegfallen oder die Kunden zahlungsunfähig werden, was oft den Genickbruch bedeutet.

Leider ist dies vielen Gläubigern nicht bewusst. Gerade kleinere Unternehmen machen die Kostenrechnung noch nach dem alten Muster, aber irgendwann wird man von der Preisspirale nach unten gezogen.

Spezialisieren Sie sich?

Thill Historisch gesehen stammen wir aus dem Rohbau. Dies macht 30 bis 40 Prozent unseres Geschäftes aus. Wir spezialisieren uns allerdings immer mehr auf Schlüsselfertigbau.

Dazu brauchen wir Planer, mit Zuverlässigkeit und Erfahrung. Dies ist keine einfache Aufgabe, da wir Qualität an erste Stelle setzen. Seit 2007 sind wir auch als Bauträger tätig.

Seit 2012 ist dies Aufgabe einer separaten Tochterfirma. Die Analysen sind ein langjähriger aber überlebensnotwendiger Prozess. Eigene Märkte schaffen, da wollen wir hin.

Es gab jetzt immer wieder Ärger um die Ausnutzung von Mitarbeitern auf Baustellen. Könnte Ihnen das passieren?

Thill Wir arbeiten, wie das in diesem Sektor üblich ist, auch mit Zeitarbeitskräften zusammen. Natürlich müssen wir uns da auf Partnerunternehmen verlassen können.

Alle unsere Mitarbeiter tragen den vorgeschriebenen Sozialversicherungsausweis mit sich auf der Baustelle, da darf so etwas eigentlich nicht vorkommen.

Sie konnten kürzlich den Auftrag der Baustelle Royal Hamilius für sich entscheiden. Wie läuft es da?

Thill Die Baustelle - wegen ihrer Lage im Stadtherzen - steht natürlich derzeit im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit und stellt eine große Herausforderung in organisatorischer, technischer und zeitlicher Hinsicht dar.

Dieser stellen wir uns gerne.
www.cdcl.lu