BARTRINGEN
CORDELIA CHATON

Elisa da Silva machte sich mit einer Compliance-Firma selbständig

Mit 40 Jahren machte sich Elisa da Silva mit ihrer eigenen Compliance-Boutique selbständig. Seither kontrolliert die Juristin, ob ihre Kunden sich an die Regeln und Richtlinien für gute Geschäftsführung halten. Seit 2014 ist sie die Geschäftsführerin von DS Compliance in Bartringen. Zu ihren Kunden gehören Banken, Fonds, Rechtsanwälte, Finanzdienstleister mit PSF-Status und Wirtschaftsprüfer.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, sich mit dem Thema Compliance selbständig zu machen?

Elisa da Silva Kurz nach meinem Jurastudium in Frankreich bin ich 1998 für ein Praktikum beim Europäischen Parlament nach Luxemburg gekommen. Damals hatte ich EU-Recht studiert und über internationale Organisationen in der Schweiz als Arbeitgeber nachgedacht. Ganz früher hat mich auch mal Journalismus interessiert. Während des Praktikums wohnte ich in der Jugendherberge im Pfaffenthal und fand das sehr pittoresk und schön, auch wenn mich das Konzept mit der Ober- und Unterstadt erst überrascht hat. Nach dem Praktikum zog mich das Expat-Milieu in Luxemburg an, die vielen Sprachen, die Offenheit. Ich stamme aus einer portugiesischen Familie und bin daher mit zwei Sprachen aufgewachsen. Aber angefangen habe ich erstmal im Finanzbereich. Da gab es Jobs.

Wie ging es von dort aus weiter?

Da Silva Ich hatte in den vergangenen 18 Jahren verschiedene Arbeitgeber: Eine italienische Fiduciaire mit Domizilierung, JP Morgan Chase, wo ich im Fondsbereich gearbeitet habe, die Winterthur-Versicherung, in der ich mich erstmals um Compliance gekümmert habe und noch viele andere. Aber seit 2002 konzentriere ich mich auf das Thema Compliance und bin auch in einem Berufsfachverband. Auch bei Deloitte und einer portugiesischen Bank habe ich mich um das Thema gekümmert. Und überall waren andere Sprachen gefragt.

Wann kam der Gedanke an die Selbständigkeit?

Da Silva Ersmals darüber nachgedacht habe ich 2012, aber damals wollte ich noch mehr Erfahrung sammeln. Das war kurz nach der Finanzkrise. 2014 war ich dann soweit. Es war ein inneres Gefühl. Ich war bereit dazu. Ende 2014 war ich auf einem speed dating der „Femmes Cheffes d´Entreprise du Luxembourg“, bei denen ich jetzt Mitglied bin. Ich war angenehm überrascht von den verschiedenen Berufserfahrungen. Die Frauen waren alle sehr klar, sehr entschieden. Das hat mir gefallen. Es war ein Image, das meinen Vorstellungen entsprach.

War der Schritt kompliziert?

Da Silva Nein, es war alles sehr einfach. Der Zugang zur Information ist da. Was die finanziellen Mittel angeht, braucht man eine Grundlage. Ich hatte gespart, um mir einen Lohn auszahlen zu können, meine Webseite zu gestalten und Gebühren zu bezahlen. Man redet zwar von Subventionen und Business Angels. Aber letztlich ist man auf sich gestellt. Ich habe einen Business Plan gemacht und mich gefragt: Was kann ich als Extra anbieten? Meine Preise und meine Verfügbarkeit sind anders als bei den Big 4.

Wie haben Sie Kunden gefunden?

Da Silva Ich habe zunächst eine Bank über LinkedIn angesprochen, die KBL. Viele andere Kunden kamen über Netzwerke und manchmal auch Zufälle hinzu. Anfang diesen Jahres habe ich dann so viel umgesetzt, dass es gut läuft. Jetzt werde ich weiterempfohlen wegen meiner Kompetenzen. Das ist ein kleiner Sieg und eine große Genugtuung.

Wollen Sie wachsen?

Da Silva Bei mir hängt das Geschäft an meiner Kompetenz und meinem Wissen. Ich kann mir eher eine unterstützende Kraft vorstellen. Aber ich würde gern in einem Co-working-Bereich arbeiten, allerdings wegen der Vertraulichkeit nicht als open space.

Wann ist der richtige Zeitpunkt für die Selbständigkeit gekommen?

Da Silva Das ist sicher bei jedem anders. Bei mir war es genau der richtige Moment. Ich habe die Hälfte des Lebens hinter mir und die Hälfte vor mir. So habe ich viel Energie, aber auch viel Erfahrung. Mit 50 Jahren wäre es vielleicht zu spät.

www.dscompliance.lu