LUXEMBURG
MARCO MENG

Chinas Währung als Stimulus für die Luxemburger Fondsbranche

In dieser Woche fanden in Hong Kong, Peking und Shanghai zahlreiche Finanzforen statt, unter anderem organisiert von der Luxemburger Interessenvereinigung „Luxembourg for Finance“.

Marc Saluzzi, Präsident des luxemburgischen Investmentfondsverbands ALFI, erklärt dazu, dass die chinesische Währung zum einen immer wichtiger wird, und zum zweiten die Behörden Hong Kongs derzeit mit China im Gespräch seien - es geht um die Vertriebszulassung der Hong-Kong-Fonds in China und umgekehrt. Von den rund 1.800 Fonds in Hong Kong sind rund 1.000 Luxemburger Fonds. Eine Vertriebszulassung in China böte da „enorme Möglichkeiten“ für Luxemburg, so Saluzzi.

2010 hat die ALFI in Hong Kong eine Niederlassung gegründet, um so den Luxemburg Fondsstandort zu vermarkten.

Chinas interessante Währung

Reformen und Liberalisierung für Chinas Finanzsystem standen bei den Seminaren diese Woche genauso auf der Tagesordnung wie der RMB. Brasilien, Chile, Nigeria, Kuweit, Russland, Japan, Philippinen, Thailand und Malaysia nutzen entweder den Renminbi bereits als Währungsreserve oder wollen das demnächst tun. Interessant, so Branchenkenner, ist der vor allem auch die chinesische Währung Renminbi (RMB), weil er unterbewertet sei und sicherlich in Zukunft gegenüber dem US-Dollar enorm aufwerten wird. Inzwischen hat der RMB bei den meistgehandelten Währungen auf der Welt Platz 15 inne. Ein Problem derzeit ist, dass momentan die chinesische Währung nicht voll konvertibel ist und „politisch“ festgesetzt wird. Auch in Luxemburg werden immer mehr auf RMB lautende festverzinsliche Wertpapier-Fonds aufgelegt sein, die außerhalb Festlandchinas die Wertpapiere asiatischer Emittenten, seien diese Regierungen, staatliche Stellen oder auch Unternehmen, dem Anleger offeriert werden. Hier könnte Luxemburg eine ähnliche Rolle spielen wie in den 1960er Jahren, als mit dem Eurodollar-Handel der Grundstein für die Entwicklung des Finanzplatzes gelegt wurde. Da der RMB nicht voll konvertibel ist, werden Unterfonds in dieser Währung gegründet, 18 solcher gibt es in Luxemburg. Auch die DWS Investments trägt der Bedeutungsgewinn der chinesischen Währung dadurch Rechnung, dass man demnächst Anteilsklassen in Renminbi anbieten wird. 2011 hat DWS Investments ihren China Bonds-Fonds aufgelegt, der inzwischen 700 Millionen Dollar umfasst.

Finanzmarkt China

Der 18. Nationalkongress der Kommunistischen Partei Chinas hatte im November die Bildung eines modernen Finanzsystems in den kommenden fünf Jahren beschlossen; bei der Liberalisierung beim internationalen Handel des RMB wurde 2009 eine erste Phase eingeleitet. Heute werden rund 9% von Chinas weltweitem Handel in RMB abgewickelt, und die Zahl nimmt zu. Vor diesem Hintergrund entwickelt sich Hong Kong immer mehr zum „Offshore“-Zentrum für den RMB. Luxemburg als zweitgrößter Investmentsfondsstandort soll sich nach Finanzminister Frieden zum zweiten RMB-Offshore-Standort entwickeln. Da mehr und mehr chinesische Firmen in Europa Fuß fassen wie auch umgekehrt europäische Firmen nach China expandieren, verlangt die Internationalisierung des Renminbi auch nach mehr Zentren außerhalb Chinas, in denen diese Währung etabliert ist.

Man hofft, dass Luxemburg so zum Vertriebskanal für chinesische Finanzprodukte wird, wie auch umgekehrt die Zulassung hiesiger Fonds in China der luxemburgischen Fondsbranche satte Zuflüsse bescheren würde. Noch aber ist die Investmentfondsindustrie - abgesehen von Hong Kong - in China nicht entwickelt.