LUXEMBURG
MARCO MENG

Schutzprojekte sollen Orang-Utans retten

Unser nächster Verwandter im Tierreich, gerne auch „Denker des Dschungels“ genannt, sieht sich einem drastischen Rückgang seines Lebensraums ausgesetzt. Seltene Regenwaldhölzer wurden abgeholzt, die ihm als Heimat dienten, Flächen werden gerodet, um die Palmölproduktion zu forcieren. Vom „Waldmenschen“ mit dem roten Zottelfell und dem Fachnamen „Pongo pygmaeus“ gibt es immer weniger – und das, obwohl sie soviel Ähnlichkeit mit uns Menschen haben.

Nach einer Studie der der Universitäten von Tasmanien, Papua Neuguinea und der „Carnegie Institution for Science“ können bald dem Raubbau und Rodung der Wälder, wo Asiens letzte Menschenaffen leben, weitere 80 Prozent der heutigen Fläche zum Opfer fallen. „Das Ausmaß der Abholzung in Sabah und Sarawak ist erschreckend“, sagt der Co-Autor der Studie, Phil Shearman. „Die Holzindustrie ist bereits in das Herz von Borneo vorgedrungen und es existiert nur noch eine geringe Fläche, die unberührt und intakt ist.“

Diese gefährdeten Regenwälder sind nicht nur Heimat des Orang-Utan, sondern auch von Zwergelefanten, Nebelparder, Nasenaffen und dem Sumatra-Nashorn. All diese Tierarten stehen vor dem Aussterben. In der Studie wird darum untersucht, wie es um den Schutz der Regenwälder bestellt ist. Zwar wächst auch bei den örtlichen Regierungen allmählich das Bewusstsein, dass einmal abgeholzte, tausende Jahre alte Regenwälder samt Fauna nicht einfach wiederkommen werden, doch die meisten Flächen sind noch immer nicht geschützt. Die Studie zeigt dabei klar am Beispiel Bruneis, dass das Verbot der Abholzung von Primärwäldern die bessere Strategie ist statt zu versuchen, die Abholzung alter Baumbestände mithilfe von gezielten Rodungen zu kontrollieren.

Rettungsversuche

Gingen Lebensraum wie Population der zwei Orang-Utan-Arten – dem Borneo-Orang-Utan und dem Sumatra-Orang-Utan - in den letzten Jahrzehnten massiv zurück, so gibt es mittlerweile verstärkt Versuche, den Menschenaffen zu schützen. Die Zoologische Gesellschaft Frankfurt beispielsweise wildert erfolgreich Orang-Utans in Zentralsumatra aus; der Handel und jede Art der privaten Haltung des Affen, der in Südostasien gerne als Haustier ja sogar zur Prostitution missbraucht wird, ist inzwischen verboten.

Der WWF engagiert sich seit 2003 verstärkt für den Schutz des Orang-Utans auf Borneo. „Gemeinsam mit unseren internationalen und lokalen Partnerorganisationen arbeiten wir dafür, die verbleibenden Wälder dieser Region und ihre charismatischen Baumbewohner langfristig zu erhalten und die Wilderei zu unterbinden“, teilt die Tierschutzorganisation mit.

Im 932.000 Hektar großen „Betung Kerihun-Danau Sentarum“-Nationalpark setzt sich der WWF für einen effektiven Schutz des Nationalparks ein. „Dazu gehört auch, gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung, legale, nachhaltige Einkommensmöglichkeiten zu entwickeln“, schreibt die Tierschutzorganisation. Im „Leboyan-Korridor“ forstet der WWF 1.000 Hektar Wälder an unterschiedlichen Standorten wieder auf, um Mosaikteile verbliebener Wälder miteinander zu verbinden. Um den Schutz der Orang-Utans bemüht sich auch die indonesische „Borneo Orangutan Survival Foundation“ (BOS). Obwohl Indonesien große Gebiete unter Schutz gestellt hat und die Abholzung intakter Wälder unter Strafe stellt, gehe der illegale Holzhandel und die Umwandlung von Flächen in Palmölplantagen weiter, unterstreicht BOS.

„Trotz mehrerer Tausend geretteten Tiere und erfolgreicher Auswilderungen bleibt die Situation sehr ernst“, meint Philippe Schockweiler von Greenpeace Luxembourg. „Mehr als die Hälfte ihres Lebensraums wurde zerstört, und die Menschenaffen, die nur auf Sumatra und Borneo vorkommen sind vom Aussterben bedroht. Mehr als jemals zuvor.“

www.orangutan.or.id

ANALYSE - WO STEHEN WIR?

Lebensgefahr

Rückgang des Regenwalds gefährdet den Orang-Utan

Orang-Utan gelten als die klügsten Menschenaffen und sind auch wahrlich putzige Tierchen. Um daran zu erinnern, dass ihre Art bedroht ist, wurde am Samstag wieder der „Welttag des Orang-Utan“ begangen. Der „Waldmensch“, so die Bedeutung des malaiischen Namens, lebt heute nur noch auf den Inseln Sumatra (Indonesien) und Borneo (Malaysia und Indonesien). Dabei hatte er einst einen viel größeren Lebensraum, der sich von Java bis Südchina erstreckte. Und immer mehr Regenwald wird gerodet, um das exotische Holz zu verkaufen, oder abgebrannt, um Flächen für die Palmölproduktion zu gewinnen. Jedes Jahr, wenn in Luxemburg die Firma Socfin ihre Aktionärsversammlung veranstaltet, protestieren Umweltschutzorganisationen, die dem Unternehmen vorwerfen, durch ihre Palmölproduktion an der Abholzung des Regenwaldes Mitschuld zu haben.

Philippe Schockweiler von Greenpeace Luxembourg sagt dazu: „Die wenigen noch intakten Rückzugsgebiete des Orang-Utan sind in Gefahr.“ Als Haupttreiber der Abholzung des indonesischen Regenwaldes zwischen 2009 und 2011 sieht er den Palmöl-Sektor. „Über ein Viertel des Waldverlustes in dieser Zeit ist allein auf ihn zurückzuführen“, sagt Schockweiler. Inzwischen sei weniger als die Hälfte Indonesiens mit Wald bedeckt, jährlich verschwinden weitere 620.000 Hektar. „Für den Anbau von Ölpalmen, deren Fett in den meisten Gebrauchsartikeln wie Schokolade, Waschpulver und Cremes steckt, oder aus denen Agrokraftstoffe hergestellt werden, werden riesige Regenwaldgebiete zerstört und in Ölpalmplantagen umgewandelt.“ Diese Monokulturen von mehreren tausend Hektar vernichten den Lebensraum der Orang-Utans und lassen den Druck auf die verbleibenden Wälder und ihre Bewohner immer weiter steigen.

Auf der drittgrößten Insel der Welt Borneo - etwa doppelt so groß wie Deutschland - sind von 1985 bis 2007 jedes Jahr etwa 8.600 Quadratkilometer Regenwald verlorengegangen. Von den ursprünglichen Waldgebieten Borneos, die einst 95 Prozent der Insel bedeckten, sind nur noch 50 Prozent übrig geblieben. Auch das benachbarte Sumatra verlor rund die Hälfte ihrer Waldflächen; vom tropischen Tieflandwald sind nur noch 20 Prozent übrig. Fast die Hälfte des Lebensraums des Orang-Utan ist so binnen 30 Jahren verschwunden.

Die Palmölproduktion hat sich in diesem Zeitraum um das Zehnfache erhöht: Hauptproduzenten sind Indonesien und Malaysia. Ein weiteres Problem: Laut dem Washingtoner Artenschutzabkommen dürfen Orang-Utan zwar nicht zu kommerziellen Zwecken gehandelt werden, nach Angaben von WWF ist es aber nach wie vor in begüterten Familien Indonesiens üblich, Orang-Utans als Haustiere zu halten.

„Den freilebenden Orang-Utans geht es schlechter denn je“, so die Tierschutzoragnisation WWF. Wenn die Zerstörung des Regenwaldes andauere, werde der Orang-Utan in freier Natur aussterben. Laut den Tierschützern müsse die Nachfrage nach Palmöl und Papier sinken. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen und Projekte zu starten, die dem Waldmenschen Lebensraum sichern und neuen schaffen, hatte sich in Luxemburg die „Orang Utan Help Lëtzebuerg asbl“ gegründet. Allerdings ist das Interesse zuletzt geschwunden. Der Verein teilte darum Mitte August auf seiner Facebook-Seite mit: „Wir suchen motivierte Leute, die uns bei administrativen Vorgängen und/oder auf den Ständen unterstützen wollen.“ Wer sich für den Fortbestand des Vereins und der Orang Utans einzusetzen, solle sich melden. Marco Meng

Menschenaffe mit wenigen Nachkommen

EXISTENZBEDROHT

Der Orang-Utan ist das größte in Bäumen lebende Säugetier und der einzige Menschenaffe in Asien. Männchen werden bis zu 1,40 Meter groß und 85 Kilogramm schwer, Weibchen erreichen bei 1,15 Meter Körpergröße ein Gewicht von 40 Kilogramm. Im Gegensatz zu afrikanischen Menschenaffen leben Orang-Utans nicht in Horden, sondern als Einzelgänger. Nur selten gibt es mehr als ein Tier pro Quadratkilometer, hinzu kommt, dass die Tiere ein Streifgebiet von bis zu mehreren Tausend Hektar haben. Der schwindende Lebensraum ist darum akut bestandsgefährdend, zumal die Tiere erst mit sieben bis zehn Jahren geschlechtsreif werden und Einzelgeburten üblich sind: Ein Weibchen zieht in ihrem bis zu 40 Jahren dauerndem Leben nicht mehr als vier bis fünf Junge auf.  Jeden Abend bauen sie sich ein Nest in den Bäumen. Dazu biegen sie sich Äste zusammen als Matratze und brechen kleine Äste mit vielen Blättern dran ab, um sie sich als Kopfkissen und Decke zurechtzulegen. Obwohl Einzelgänger sind es dennoch gesellige Tiere, die sich friedlich treffen, wenn es genügend Nahrung gibt.