LUXEMBURG
LJ

Ein Tag nach tödlicher Explosion im Armee-Munitionslager: Verletzter weiter in kritischem Zustand

Einen Tag nach der Explosion einer Artilleriegranate aus dem Zweiten Weltkrieg im Munitionsdepot der Armee beim „Waldhaff“, bei der zwei Kampfmittelräumspezialisten ums Leben kamen und zwei weitere Soldaten verletzt worden, davon einer schwer, saß der Schock tief und dürfte so bald nicht weichen.

Während die Führungen von Polizei und Rettungsdienst die Fahnen vor allen Einsatzzentralen auf Halbmast setzen ließen, verneigten sich die Minister gestern Morgen während einer Gedenkminute vor den getöteten Unteroffizieren. Die Armee, die bislang noch nie Tote bei Kampfmittelräumdienst zu beklagen hatte, wie uns ihre Pressestelle versicherte, wird in den kommenden Tagen im Militärzentrum auf Herrenberg eine Abschiedszeremonie für die Soldaten veranstalten, die anschließend mit militärischen Ehren in ihren Wohngemeinden beigesetzt werden.

Großherzog Henri am Krankenbett

Für die Opfer vom Waldhof und alle anderen Armeeangehörigen, die bei Missionen umkamen, soll zu einem späteren Zeitpunkt eine Erinnerungsplakette auf Herrenberg enthüllt werden.

Großherzog Henri empfing gestern Verteidigungsminister François Bausch und General Alain Duschène um sich über den Gesundheitszustand der beiden Verletzten zu informieren, sowie über den Hergang des tragischen Vorfalls im Munitionsdepot.

Der Staatschef und Oberbefehlshaber der Armee hat am späten Nachmittag gemeinsam mit der Großherzogin, dem Verteidigungsminister und dem Stabschef der Armee dem leichter verletzten Soldaten einen Besuch abgestattet. Der Zustand seines schwer verletzten Kameraden, der am Donnerstag lange operiert wurde, befindet sich weiterhin in einem sehr kritischen Zustand, wie uns die Pressestelle der Justiz auf Nachfrage hin mitteilte. Dem leichter verletzten Opfer gehe es den Umständen entsprechend gut. Über die Ermittlungen wurde derweil wenig bekannt. Minister Bausch sagte nach einer Sitzung des parlamentarischen Ausschusses, die Ermittler hätten die ganze Nacht durch gearbeitet, um den Hergang des Vorfalls zu rekonstruieren und das sei sehr kompliziert. Wie konnte es dazu kommen, dass die 48 Kilo schwere Artilleriegranate aus dem Zweiten Weltkrieg, die offenbar keinen Zünder hatte, explodieren konnte? RTL Radio zitierte gestern Experten, laut denen äußere Umstände die chemische Zusammensetzung des Sprengstoffs so verändert haben könnten, dass er bei der kleinsten Bewegung hoch ging. Die Munition lag wohl jahrzehntelang in feuchter Umgebung. Drei bis vier solcher zurück gelassenen Granaten werden jährlich geborgen.

Minister Bausch, General Duschène und der beigeordnete Staatsanwalt Georges Oswald erläuterten mit dem Mitgliedern des zuständigen Parlamentsausschusses auch den Transport und die Aufbewahrung solcher Munition. Man müsse den Experten Zeit geben, um den Vorfall komplett zu rekonstruieren. Den Familien der Opfer sichert die Regierung unbedingte Hilfestellung zu.