LUXEMBURG
SVEN WOHL

In einem Monat einen ganzen Roman schreiben: Das nehmen sich die Teilnehmer des „National Novel Writing Month“ vor

Romane schreiben ist harte Arbeit. Man braucht einen sinnvollen Plot, in sich schlüssige Figuren und natürlich eine gehörige Portion Talent und Fleiß. Die Zeit, die man für das Schreiben braucht, wird gerne unterschätzt. Oft verbringen Autoren Jahre damit, eine erste Version aufs Blatt zu kriegen, nur um es dann noch stark zu überarbeiten. Umso überraschender ist es dann, von einer Initiative zu hören, bei der es darum geht, einen Roman innerhalb eines einzigen Monats zu schreiben.

Magische 1.667 Wörter

Das Ziel: 50.000 Wörter in 30 Tagen. Der „National Novel Writing Month“ (NaNoWriMo) feiert mit diesem einfachen Konzept bereits seinen 15. Geburtstag. Das bedeutet für die Teilnehmer: 1.667 Wörter am Tag schreiben! Vom „National“-Teil des Titels sollte man sich jedoch nicht beirren lassen: Mittlerweile ist die Aktion international. Selbst in Luxemburg lassen sich Teilnehmer finden. Sie organisieren sich über Facebook und über die offizielle Seite der Organisation. Die Leiter der Facebook-Gruppe, Stéphanie Jonsson und Suzanne Vanweddingen, arbeiten auch fleißig an ihren Werken. Dabei schwankt die Zahl der Teilnehmer in Luxemburg. Zwischen 30 und 40 Schriftsteller sind normalerweise dabei, doch es zeichnet sich eine positive Entwicklung ab: „Es sind in den letzten paar Jahren relativ viele neue Teilnehmer hinzugekommen, besonders auch junge Talente“, bestätigt Suzanne Vanweddingen.

Einfach so vor sich hinschreiben ist keine Methode, die jedem liegt. Für viele Schriftsteller ist eine konkrete Vorbereitung auf den NaNoWriMo ein Muss. „Manche verbringen Stunden und Stunden damit, die Charaktere auszuarbeiten, einen genauen Kapitelplan aufzusetzen. Andere setzen sich auch nur kurz vor Start hin und überlegen sich worüber sie denn dieses Mal schreiben möchten und lassen es dann einfach drauf ankommen, wo die Geschichte sie hinleitet“, erzählt Suzanne Vanweddingen. Die Vorbereitung kann die Arbeit schon erleichtern, auch wenn die Figuren schon mal ein unvorhergesehenes Eigenleben entwickeln können, meint die Schriftstellerin. Hinzu kommt, dass nicht jeder beim Schreiben gleich schnell vorankommt: „Um die tägliche Wortzahl von 1.667 Wörtern zu erreichen kann das zwischen 45 Minuten, über zwei Stunden bis hin zu vier Stunden dauern, abhängig davon wie schnell und wie konzentriert man ist“, erläutert Suzanne Vanweddingen.

Ein Erfolgsmodell

Allein gelassen werden die Autoren beim Schreiben allerdings nicht. Es werden regelmäßig so genannte „Write-Ins“ organisiert. Bei diesen wöchentlichen Treffen kommt man in Cafés, Bistros, Bäckereien oder bei einem der Teilnehmer zu Hause zusammen, um gemeinsam zu schreiben. Auch online per Chat treffen sich die Schreiber. „Während dieser Treffen reden wir über unsere jeweiligen Romane und eventuelle Probleme, damit gemeinsam Lösungen gefunden werden können, um die Geschichte wieder ins Rollen zu bringen oder in eine andere Richtung zu leiten“, erzählt dazu Suzanne Vanweddingen und vertraut uns an, dass selbstgebackene Leckereien natürlich auch der Motivation auf die Sprünge helfen. Während „Word Wars“ („Wörterkriege“) reichlich martialisch klingen, spornen sich die Teilnehmer dabei an, mehr zu schreiben. Da kann man schon mal mit mehr als den üblichen 1.667 Wörtern nach Hause gehen.

Für das Konzept des NaNoWriMo spricht die schiere Menge an veröffentlichten Werken, die einen Verlag fanden. „Water for Elephants“ von Sara Gruen etwa wurde ursprünglich im Rahmen dieser Aktion geschrieben und fand 2006 ein Verlagshaus. Der Roman wurde 2011 verfilmt. Auch luxemburgische Teilnehmer konnten bereits Erfolge feiern, wurden zwei Romane, die dort entstanden sind, später auch publiziert. Suzanne Vanweddingen etwa arbeitet bereits an ihrem zweiten Buch. Stéphanie Jonsson wurde noch nicht publiziert, doch sie gibt nicht auf: „Vielleicht werde ich irgendwann mal publiziert?“.

Mehr zum NaNoWriMo finden Sie auf: www.nanowrimo.org