PATRICK WELTER

Der Bürgermeistertag in Mondorf ist zunächst Anlass für Schöffenrat und Gemeindesekretär, einen fröhlichen Ausflug an die Mosel zu machen. Nach zwei Stunden Polit- oder Expertenkauderwelsch dient der anschließende Umtrunk zum regen Gedankenaustausch, dann wartet ein feines Restaurant…

Auch wenn mancher unter den hunderten Zuhörern heftig gähnte, so ist der Bürgermeistertag doch mehr als eine verbrämte Sauftour. Nur hier treffen sich große und kleine Kommunen „einfach so“.

Der Bürgermeistertag mag zunächst rituell erscheinen. Der Mondorfer Bürgermeister begrüßt seine Kollegen, ein Fachmann referiert danach mehr oder minder unterhaltsam über ein kommunalpolitisches Problem und zum Schluss ergreifen der SYVICOL-Präsident und der Innenminister das Wort.

Für den Beobachter ist der Bürgermeistertag aber noch etwas anderes. Er ist ein Seismograph für die Stimmung im Verhältnis der beiden politischen Ebenen Luxemburgs. Es gibt nur Kommunen und Staat. Sie müssen miteinander leben, ob sie wollen oder nicht.

Die Rückschau auf mindestens zwölf Bürgermeistertage lässt auch einen Blick auf drei Innenminister und ihren Stil zu. Da war zunächst einer, der meinte, die Gemeinden mit dem dicken Knüppel zu ihrem Glück zwingen zu müssen. Die gegenseitige Rhetorik war von Härte geprägt, irgendwann kam der Minister dann gar nicht mehr. Die Stimmung zwischen dem Innenministerium und den Kommunen war auf Jahre hinaus verdorben. Heute ist Mischi selbst Bürgermeister.

Auf dem nächsten Innenminister ruhten gewisse Hoffnungen, denn immerhin war er vor Amtsantritt Bürgermeister und saß in der Führungsspitze des Städte- und Gemeindebundes SYVICOL. Umgangsstil und Sprache änderten sich. Jean-Marie Halsdorf war ein Minister der guten Absichten, dessen Standardspruch von den „Gemeinden als Serviceprovider für die Bürger“ richtig war. Dennoch hat sich in zwei Amtszeiten fast nichts getan. Nach der ersten war er die Landesplanung los, die im neuen Superministerium aufging - und dort auch nicht in die Gänge kam. In der zweiten Amtszeit hat Halsdorf immerhin die Reform des Rettungswesens auf den Weg gebracht. Alles andere ist versandet. Ein Innenminister voll des guten Willens, den seine leitenden Beamten aber am ausgestreckten Arm verhungern ließen. Im Ministerbüro gab es Begeisterung für Neues. Auf der administrativen Führungsebene des Ministeriums galten die alten Beamtengrundsätze: „Das haben wir schon immer so gemacht.“ „Das haben wir noch nie so gemacht.“ „Da könnte ja jeder kommen!“

Mit dem Innenminister Dan Kersch wurden nicht nur in der Beaumontsgasse die Fenster weit aufgerissen, auch in Mondorf herrschte eine ganz andere Stimmung. Weit entfernt von der Wolterschen Konfrontation und dem Halsdorfschen Lavieren. Geradezu kollegial. Dennoch ist Kersch härter als man glaubt. Wuseligen Versuchen, aus der Reform des Rettungswesens herauszukommen, wie sie Marc Lies gestern gestartet hat - was ist, wenn große Gemeinden nicht mitmachen? - kontert Kersch mit einem Lächeln und der knallharten Ansage „Sie müssen mitmachen!“ Punkt.