LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Ein 26-jähriger Luxemburger erklärt seine außergewöhnliche Karriere im Finanzbereich

Es ist schwierig, sein Alter zu schätzen. Laurent Hengesch ist groß, kräftig und hat einen Bart. Er trägt Anzüge mit passender Krawatte und versteht es, ganz zwanglos mit seinem Gegenüber zu plaudern. Zwischendurch bestellt er routiniert und unterstreicht seine Worte mit Gesten. Dabei ist Hengesch gerade einmal 26 Jahre alt - und hat soeben eine neue Stufe seiner Karriereleiter erklommen. Er leitet das Team „Business Development“ der M.M.Warburg & CO Luxembourg S.A., einer Tochter der angesehenen hanseatischen Privatbank M.M.Warburg & CO. Wie kommt er so jung zu diesem Job mit Personalverantwortung? Liegt es am LinkedIn-Account mit mehr als 2.000 Kontakten? Oder der eigenen Webseite, die schon so manchen Headhunter angelockt hat? Wir haben ihn gefragt.

Herr Hengesch, wie kommen Sie so jung zu diesem Job?

Laurent Hengesch Ich bin hier geboren und habe mich nach der Schule etwas umgeschaut und diverse Praktika gemacht, unter anderem im „Kempinski“ in Berlin. Die Hotellerie war nichts für mich, daher habe ich damals kurzfristig entschieden, doch noch zu studieren. Während meines Studiums habe ich dann meine eigene Firma gegründet. Ich habe vor allem Investoren begleitet, die ihre Firmen in Luxemburg ansiedeln wollten. Zunächst habe ich in Berlin und Moskau für Finanzdienstleister gearbeitet, bevor ich für Privatbanken und Family Offices in der Schweiz, in Liechtenstein und in Luxemburg weitere Erfahrungen gesammelt habe. 2014 habe ich mich von meinen Anteilen getrennt.

Ich habe anschließend eine längere Zeit den luxemburgischen Finanzmarkt analysiert und bin zu dem Entschluss gekommen, in der regulierten Finanzbranche, sprich Investmentfonds, arbeiten zu wollen. Ich sehe meine Zukunft mehr im regulierten als im unregulierten Bereich, von dem ich ursprünglich komme. Ich wurde dann letztes Jahr gefragt, ob ich den Bereich Business Development der Firma Carey Group aufbauen könnte. Das habe ich anderthalb Jahre gemacht, bevor ich zur Warburg Bank nach Luxemburg kam.

Warum will die Bank jemanden wie Sie?

Hengesch Ich habe mir während der Arbeit und über die Jahre ein gutes Netzwerk in der Finanzwelt und Politik aufgebaut. Als Luxemburger verfüge ich über ein gutes lokales Netzwerk. Das ist ein echter Vorteil für meine jetzige Arbeit. Denn unser Business-Development-Team bei der Warburg Bank ist vor allem dafür zuständig, neue Kunden zu akquirieren, Geschäftsbeziehungen aufzubauen und alle Maßnahmen zu ergreifen, die die Bank geschäftlich nach vorne bringen. Anders als ich entschließen sich die meisten jungen Luxemburger dazu, für den Staat zu arbeiten und nicht in der spannenden Privatwirtschaft, wo es meist bessere Aufstiegschancen gibt. Mit den Einstiegsgehältern der Staatsbeamten kann die Privatwirtschaft aber leider nicht mithalten.

Zudem ist der Standort Luxemburg international in der Finanzbranche für viele Arbeitnehmer offenbar nicht so attraktiv wie zum Beispiel London, Frankfurt oder New York. Hier tut sich allerdings einiges und ich bin froh, dass Luxemburg ein immer besseres Image im Ausland als Arbeitsplatz und Lebensmittelpunkt erhält.

Welche Probleme bringt der Job mit sich?

Hengesch Ich denke, ein entscheidender Punkt ist, dass das Business Development, das heißt die Geschäftsfeldentwicklung, viele Reisen erfordert. Ich hatte letzte Woche meinen hundertsten Flug in diesem Jahr. Da ich überall auf der Welt zuhause bin, vor allem aber in Luxemburg und Berlin, ist das für mich kein Problem. Das kann unter Umständen körperlich anstrengend sein. Man ist ständig unterwegs und hat keine geregelten Arbeitszeiten. Dazu sind Arbeitnehmer mit Kindern und Familie oft nicht bereit.

Ihre Eltern waren beide Lehrer. Sie gehen in die Wirtschaft. Wie kommt’s?

Hengesch (lacht) Wären meine Eltern Banker gewesen, wäre ich wahrscheinlich Lehrer geworden. Ich war nie ein Einserschüler und sehe das Luxemburger Bildungssystem eher kritisch. Leider werden in unserer passiven Lernkultur Fertigkeiten wie Allgemeinwissen und Softskills nicht genügend berücksichtigt. Im Beruf konnte ich damit punkten. Bislang hat mich aber alles, was ich gemacht habe, weitergebracht, sowohl das Putzen von Hotelzimmern in Berlin als auch das Luxemburger Bildungssystem. Die Privatwirtschaft liegt mir, Empathie ist hier sehr gefragt, ich komme viel rum, arbeite an spannenden Projekten und lerne interessante Menschen kennen. Zudem habe ich als Luxemburger über meine umfangreichen Sprachkenntnisse einen guten Zugang zu den Leuten weltweit. Wenn ich reise, so habe ich nicht nur die Dienstleistungen der Warburg Bank im Gepäck, sondern immer auch ein Stück Heimat.