LUXEMBURG
LJ

Rolle und Geschichte der „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“

Die SNHBM ist neben dem „Fonds du Logement“ einer der beiden öffentlichen Promotoren. Auf der Webseite steht die Zahl von mehr als 9.000 Wohnungen, die die Gesellschaft - eine „Société Anonyme“ - seit ihrer Gründung 1919 als „Société anonyme pour la construction d’habitations à bon marché“ gebaut haben soll. Direktor Guy Entringer relativiert die Angabe im Interview mit dem „Journal“ allerdings: es sei schwierig, aufgrund der bisweilen dürftigen Dokumentation über ein Jahrhundert eine genaue Zahl zu nennen.

Fakt ist, dass die ersten von der SNHBM realisierten Häuser ab 1921 in der Hauptstadt entstanden, unter anderem in der Rue Michel Lentz. Wobei das Unternehmen bereits beim ersten Projekt das Vorkaufsrecht anwendete. Die SNHBM war laut eigenen Angaben auch der erste Bauträger, der den Erbpachtvertrag nutzte. Das Prinzip: der Käufer einer Wohnung wird wohl deren Eigner, aber nicht der des Grundstücks, auf dem die Wohnung steht. Dafür zahlt er jährlich eine Mietabgabe, die per großherzoglicher Bestimmung festgelegt wird. Die Erbpachtverträge, die es ermöglichen, Wohnungen günstiger anzubieten, haben heute eine Dauer von 99 Jahren. Früher gab es auch welche mit einer Laufzeit von 21, 19 und 25 Jahren.

Zwischen ihrer Gründung und dem Zweiten Weltkrieg wurden 520 SNHBM-Wohnungen gezählt, davon 450 Einfamilienhäuser und 70 Apartments. Nach dem Überfall auf Luxemburg im Mai 1940 wandelten die Nazis die SNHBM in die „Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft Moselfranken“ um. Ihre Aufgabe: Mietwohnungen für die deutschen Beamten in Luxemburg, Esch-Alzette, Diekirch und Grevenmacher bauen. Nach dem Ende des Weltkriegs übernahm der vormalige Verwaltungsrat wieder die Geschäfte der Gesellschaft, die im März 1955 als „Société Nationale des Habitations à Bon Marché“ umfirmierte.

Die Gesellschaft hat in zahlreichen Ortschaften Wohnungsbauprojekte in eigenem Namen oder im Namen von Gemeinden durchgeführt. Es gibt auch Kooperationen mit anderen Akteuren, etwa mit dem Fonds Kirchberg. In den Vierteln Grünewald und „Réimerwee“ entstehen gerade 440 Wohnungen. Über das letzte Jahrzehnt gesehen hat die SNHBM den Bau von mehr als 1.550 Wohnungen angestoßen. Die meisten wurden verkauft, an die 200 Wohnungen werden aber auch vermietet. Letzterer Anteil soll weiter gesteigert werden.

Kriterien für Kauf und Miete

Die Mietwohnungen - erschwinglicher Wohnraum oder Sozialwohnungen - sind ausschließlich Personen vorbehalten, die nicht Eigentümer sind und eine Reihe von Kriterien erfüllen. Auch für den Verkauf gelten strikte Auswahlkriterien. Die Kandidaten dürfen so nicht Eigentümer einer anderen Wohnung sein, müssen eine staatliche Bauprämie erhalten und die SNHBM-Wohnung auch tatsächlich bewohnen. Die Vermietung ist untersagt. Ist man an einer solchen Wohnung interessiert, muss man sich auf eine Liste einschreiben und gleichzeitig die Lohnzettel vorlegen.

Wer zuerst einen Antrag für eine Wohnung in einem SNHBM-Projekt einreicht, wird in der Regel auch zuerst behandelt. So kann es schon vorkommen, insbesondere bei Projekten rund um die Hauptstadt, dass Kandidaten an Tagen mit Informationsversammlungen bereits zu früher Stunde Schlange stehen... Aber für die Auswahl gelten natürlich noch andere Kriterien. So sind Einfamilienhäuser prioritär für junge Familien oder Alleinerziehende mit mindestens zwei Kindern gedacht.

Große Vorhaben

Ein Dutzend neue Projekte

Hier verkauft die SNHBM derzeit: Bettendorf „Hannert dem Schlass“ (9 Einfamilienhäuser, 10 Wohnungen), Beles „Geessewee“ (93 Häuser, 90 Wohnungen), Contern „An de Steng“ (34 Häuser, 121 Wohnungen), Alzingen „Rothweit II (14 Häuser, 38 Wohnungen), Grevenmacher „Réngmauer“ (3 Häuser), Niederkorn „Rue de Pétange“ (34 Häuser, 21 Wohnungen), Olm (400 Häuser, 400 Wohnungen). Mehr als 400 Wohnungen entstehen derzeit in Kirchberg („Kiem“ und „Réimerwee“). Die künftigen Projekte zum Verkauf: Sassenheim - Viertel Belval-Nord (68 Wohnungen), Niederanven, Bissen „Steekräitz II“ (8 Häuser, 24 Wohnungen), Heiderscheid „Schmitzgaart“ (noch keine Angaben), Harlingen „Bierg“ (43 Häuser, 24 Wohnungen), Diekirch „Cité Militaire“ (185 Wohnungen), Grosbous „Laangfelder“ (60 Häuser, 25 Wohnungen), Bourscheid „Bourgbierg“ (31 Häuser, 16 Wohnungen), Monnerich „Treisch“ (18 Häuser, 15 Wohnungen), Bonneweg „Itzigerknupp“ & „Anatole France“ (350 bis 400 Wohnungen), Sandweiler „Rue d‘Oetrange“ (14 Häuser), Betzdorf-Berg (22 Häuser, 6 Wohnungen).