YVES PIRON

2.447 Asylanträge gab es 2015 in Luxemburg - mehr als das Doppelte im Vergleich zu 2014 - , dieses Jahr dürften es um die 2.000 sein. Yves Piron übernahm vor knapp zwei Jahren die Leitung des „Office Luxembourgeois pour l’Accueil et l’Intégration“. Für diesen „Kloertext“ fragten wir ihn nach den derzeitigen Herausforderungen für das OLAI, das unter der Verantwortung von Familien- und Integrationsministerin Corinne Cahen (DP) funktioniert.

„Derzeit stellen wir fest, dass der Andrang aus Syrien ein wenig nachlässt, was sich nicht zuletzt durch das Abkommen mit der Türkei und der Abriegelung der Flüchtlingsrouten auf dem Balkan erklären lassen dürfte. Aber damit sind natürlich weder die Probleme gelöst, die Menschen dazu verleiten, aus ihrer Heimat zu fliehen, noch dass dieser Rückgang anhalten wird. Das alles hängt von vielen Faktoren ab und wir müssen gerüstet sein, um die Menschen aufzunehmen, die bei uns Schutz suchen.

Das setzt zunächst einmal voraus, dass wir über genügend Infrastrukturen für deren Unterbringung verfügen. Die derzeitigen Kapazitäten in den 80 Einrichtungen, die wir verwalten, stoßen derzeit bereits an ihre Grenzen. Ich gebe zu bedenken, dass wir im Juli 2015 rund 2.000 Menschen unterbringen mussten - heute sind es 4.550. Und es kommen im Durchschnitt jeden Monat etwa 200 neue Asylbewerber hinzu. Geht das so weiter, werden wir es spätestens im Frühsommer mit einer noch zugespitzteren Situation zu tun haben.

Es ist klar, dass der Staat diese Situation nicht alleine meistern kann und auf die Unterstützung der Gemeinden angewiesen ist, sowohl was die Unterbringung der Asylbewerber betrifft wie auch die Schaffung von bezahlbarem Wohnraum für anerkannte Flüchtlinge. Aktuell wohnen auch rund 600 Personen in unseren Auffangstrukturen, denen das Statut des Flüchtlings zuerkannt wurde und die auf dem normalen Wohnungsmarkt keine Wohnung finden können. Die Konsequenz: Sie bleiben bis auf Weiteres in den Strukturen wohnen, die eigentlich für die Erstaufnahme gedacht sind.

Auch wenn seit Beginn der Flüchtlingswelle im Sommer 2015 viel Zeit und Arbeit in Krisen-Management investiert wurde, so konnte das OLAI seine eigenen Effektive steigern und sich intern reorganisieren, um sich gestärkt für die Zukunft aufzustellen. Heute arbeiten mehr als 100 Leute für das OLAI, im kommenden Jahr sollen noch etwa 35 hinzukommen. Dann wird sich die Mitarbeiterzahl in kurzer Zeit verdreifacht haben.

Auch arbeiten wir verstärkt an der Vernetzung mit den Diensten anderer Ministerien - dem Gesundheitsministerium oder dem Bildungsministerium etwa -, um deren Experten mit heranzuziehen, um diese riesige Aufgabe zu bewältigen. Denn dafür brauchen wir nicht nur Sozialarbeiter, wir brauchen auch Mediziner, Psychologen und Psychiater für die oftmals traumatisierten Schutzsuchenden, wir brauchen auch etwa Lehrer und Übersetzer.

Wir sind auch sehr dankbar für die Unterstützung der unzähligen Freiwilligen, die sich seit Beginn des Massenzustroms für die Flüchtlinge eingesetzt haben und eng mit dem OLAI zusammengearbeitet haben. Wir hoffen, auch weiterhin auf sie zählen zu dürfen.“