LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Grundsteinlegung für den „Tramsschapp“ - Die Trambahn wird konkret

Was als erstes beeindruckt, ist die schiere Größe der Baustelle. Wer von der Trierer Autobahn kommend Richtung Kirchberg abbiegt, registriert zwar, dass sich rechts irgendetwas mit vielen Baumaschinen tut, aber angesichts der Tatsache, dass man sich rund um den Kreisel „Serra“ im Moment sehr auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren muss, entgeht dem vorbeifahrenden Autofahrer einiges. Wer die Baustelle des zukünftigen Straßenbahndepots gestern für die Grundsteinlegung betrat oder befuhr, musste einige hundert Meter zurücklegen, um zum Ort des Geschehens zu kommen. Auf dem Gelände sind die Erdbewegungen zurzeit gewaltig, da man auch eine größere Zahl von Versorgungsleitungen neu verlegt.

Betriebshof mit vier Kilometer Schienen

Das Depot, das schon jetzt wie sein historischer Vorgängerbau im Stadtteil Limpertsberg „Tramsschapp“ genannt wird, steht schon alleine für außergewöhnliche Dimensionen. Die längste der beiden Wagenhallen wird in der Länge 192 und in der Breite 45 Meter messen. In den Hallen sollen die bestellten 35 Trambahneinheiten abgestellt und gewartet werden. In einem weiteren Gebäude soll die Leitstelle des Straßenbahnnetzes und die Verwaltung der Betreibergesellschaft Luxtram SA untergebracht werden. Beeindruckend ist auch eine andere Zahl, die Luxtram-Präsident René Biwer während der Grundsteinlegung nannte: Auf dem Gelände des Straßenbahnbetriebshofes werden vier Kilometer Schienen verlegt.

Federführend beim Bau des Depots ist die „Werkgemeinschaft Karlsruhe“, die den ausgeschriebenen Architektenwettbewerb gewonnen hatte. Der neue Gebäudekomplex und auch die Umgebung zeichnen sich durch eine konsequente Begrünung, inklusive der Dächer, und die Anwendung aktuellster ökologischer Standards aus.

Speziell für Luxemburg gestalteteWagengarnituren

Infrastrukturminister François Bausch enthüllte gemeinsam mit Hauptstadtbürgermeisterin Lydie Polfer ein Modell der zukünftigen Trambahn in einem extra für Luxemburg entworfenen Design. Die europaweite Ausschreibung hatte der spanische Hersteller CAF, der weltweit Straßenbahnen liefert, für sich entschieden. Die Luxemburger Variante gehört zur Modellreihe Urbos, die auf der Strecke im Europaviertel über eine herkömmliche Oberleitung versorgt wird. Im Bereich der Innenstadt, konkret zwischen der „Roten Brücke“ und dem Hauptbahnhof, können die Triebwagen auf ein Schnellladesystem umschalten, das die Tram an jeder Haltestelle von unten mit Energie versorgt. So kommt die Tram auf dieser Strecke ohne Oberleitung aus.

Jede Straßenbahn ist 45 Meter lang und kann bei einer Breite von 2,65 Metern bis zu 450 Personen transportieren. Alle Eingänge sind behindertengerecht gestaltet. Der Zeitplan sieht vor, dass Anfang 2017 die ersten Züge geliefert werden und die Trambahn ihren regulären Dienst auf dem Kirchberg-Plateau in der zweiten Jahreshälfte 2017 aufnimmt.

Niederanven hofft auf schnellen Anschluss

Große Teile des Depots liegen nicht mehr innerhalb der Hauptstadt, sondern auf dem Gebiet der Gemeinde Niederanven. Deren Schöffe Jean Schiltz formulierte währen der Feier die dringende Bitte, dass der ebenfalls in seiner Gemeinde, in der Gemarkung „Heienhaff“ geplante Pendlerparkplatz für 4.000 Autos schnellstens, am besten mit seiner Fertigstellung, an das entstehende Straßenbahnnetz angeschlossen wird.