LUXEMBURGSIMONE MOLITOR

Als Hobby-Astronom weiß Nicolas Feierstein, was es mit der Lichtverschmutzung auf sich hat

Der nächtliche Blick gen Himmel ist längst nicht mehr der gleiche wie noch vor Jahren. „Lichtverschmutzung“, ein noch relativ junger Begriff, ist Schuld daran. Absolute Dunkelheit ist zu einem Fremdwort geworden. Die großen Bürogebäude und Geschäfte sind die ganze Nacht hindurch hell erleuchtet. Leuchtreklamen tun ihr Übriges. Kirchen, historische Gebäude und sogar Bäume werden mit einer speziellen Beleuchtung besonders in Szene gesetzt. Die Nacht wird zum Tag... Blickt man in den Himmel, blickt man nicht selten ins Nichts. Trotzdem geht Hobby-Astronom Nicolas Feierstein seiner Leidenschaft immer noch gerne nach. Als Präsident der Luxemburger Amateurastronomen (AAL) versucht er aktiv gegen das Übel „Lichtverschmutzung“ vorzugehen.

Wie steht es um den Sternenhimmel über Luxemburg?

Nicolas Feierstein Fern ab von den Straßen und Dörfern kann man den Sternenhimmel noch relativ gut beobachten. Einmal monatlich, an jedem ersten Samstag, treffen wir uns am Dippacher Bahnhof und fahren dann gemeinsam hoch aufs Feld. In einer sternenklaren Nacht sieht man dann meistens doch noch ein wenig. Tiefer unten und näher an den Dörfern hat sich dies dramatisch verändert. Ich weiß, wovon ich rede. Immerhin ist Astronomie seit 20 Jahren mein liebstes Hobby.

Was genau hat sich denn verändert?

Feierstein Heute sieht man leider oft nur noch die ganz hellen Sterne oder gar nichts, zu viel Licht strahlt von den Straßen und aus den Dörfern in den Himmel. Absolute Dunkelheit findet man hierzulande nur noch selten. In den vergangenen Jahren hat sich die Situation wirklich katastrophal verändert, vor allem durch die so genannten riesigen Sky-Beamer. Die müssten sofort verboten werden. Vielerorts sind Scheinwerfer, die Kirchen beleuchten sollen, auch falsch eingestellt, sodass sie geradewegs in den Himmel leuchten. Und warum müssen Bäume nachts bestrahlt werden? Was soll das? Ich bin bestimmt nicht dagegen, dass schöne Gebäude durch Beleuchtung besser zur Geltung gebracht werden, aber dann doch bitte etwas diskreter und vor allem naturgerecht.

Welche anderen Auswirkungen hat die Lichtverschmutzung?

Feierstein Auch die nachtaktive Tierwelt ist in Gefahr. Nachtfalter oder Insekten, die in einen solchen Lichtkegel geraten, kommen nicht mehr heraus und sterben schließlich aus Erschöpfung. Diesbezüglich müsste unbedingt sofort gehandelt werden. Leider ist jedoch das Gegenteil der Fall. Moderne Straßenbeleuchtung strahlt nämlich öfter nicht nur nach unten sondern auch nach oben. Warum das gut sein soll, ist mir ein Rätsel. Es geht doch eigentlich darum, aus Sicherheitsgründen den Bürgersteig zu beleuchten und nicht den Himmel. Es gibt Gemeinden, die in Richtung Energiesparen gehen, es gibt aber auch solche, die das Problem noch gar nicht verstanden haben. Energiesparmaßnahmen sollten zudem nicht der alleinige Grund für eine andere Beleuchtung sein, sondern auch die negativen Auswirkungen auf die Natur. Wir haben ein Recht darauf, in den Himmel zu blicken, und dort auch etwas zu sehen.

Was fordern Sie also genau?

Feierstein Auch in Luxemburg sollten endlich Gesetze auf den Weg gebracht werden, mit denen erstens in Richtung Energieeinsparung gegangen wird, die uns zweitens den Himmel zurückbringen und drittens die Tierwelt schützen. Wenn keine Tiere mehr da sind, ist irgendwann auch sonst nichts mehr da. Einige mögen sagen, es sind ja „nur“ um Nachtfalter, vergessen aber, dass es eine konkrete Vernetzung gibt. Irgendwann sterben die Fliegen aus, dann die Bienen und schließlich gibt es auch keine Bestäubung der Pflanzen mehr. Jedes noch so kleinste Insekt erfüllt einen gewissen Zweck in der Natur. Leider ist das noch nicht in den Köpfen vieler Menschen angekommen. In Luxemburg findet man kaum einen Ansprechpartner zu diesem Thema. Bei den Entscheidungsträgern stößt man auf taube Ohren. Es gibt einfach augenblicklich noch zu viele Negativ-Beispiele.

Kann man auch als normaler Bürger etwas machen?

Feierstein Ja, zum Beispiel, wenn es um die Hausbeleuchtung geht. Eigentlich kann jeder von uns wichtige Grundsätze befolgen: auf überflüssige Beleuchtung verzichten; nur das Objekt beleuchten, das beleuchtet werden soll; nur so lange wie nötig beleuchten. Jeder Einzelne kann seinen Beitrag leisten, doch vor allem Gemeinde- und Staatsverantwortliche müssen handeln.

Interessieren sich die Menschen überhaupt noch für Astronomie?

Feierstein Diese Frage kann ich mit einem ganz klaren Ja beantworten. Das Interesse ist durchaus da, auch bei den Kindern. Das merke ich immer wieder, wenn ich Vorträge in Grundschulen halte und den Schülern die astronomischen Grundkenntnisse vermittele. Auch unsere sonstigen Veranstaltungen oder Beobachtungsabende sind gut besucht. Uns fehlt es jedoch an Infrastrukturen. In Luxemburg gibt es weder ein Planetarium noch ein Observatorium. Dabei könnte man so leicht etwas machen. Ich habe bereits viele Vorschläge unterbreitet. Geschehen ist bisher aber nichts.
Veranstaltungskalender und weitere Infos: www.aal.lu