LUXEMBURG
LUC SPADA

Es gab vor einigen Tagen diesen Tornado in Luxemburg. Es gab Verletzte, und zahlreiche Häuser wurden so schwer beschädigt, dass sie unbewohnbar wurden. Das ist fürchterlich. Viele von meinen Freunden und meiner Familie wohnen dort in Nähe. Ich erhielt Nachrichten mit Fotos. Ich las ein paar Kommentare im Internet. Immer wieder begegnete ich Aussagen, die kriegsähnliche Zustände feststellen wollten. Vielleicht ist es etwas überspitzt, einen Tornado mit einem Krieg gleichzustellen.

Aber heftige Situationen provozieren oft heftige Reaktionen. An anderen Orten in der Welt sind diese Szenarien öfters zu erleben. Die Menschen sind sich der Wucht und der Macht der Natur viel bewusster. Wenn man sich natürlich auch nie wirklich komplett daran gewöhnen kann, dass regelmäßig ein Erdbeben ein paar Straßen komplett zerstört oder ein Tsunami ganze Dörfer wegfegt.

Luxemburg ist ein Land, das im Allgemeinen von derartigen Wetterkatastrophen und Katastrophen verschont blieb. Auch ist es selten im Großherzogtum, dass Menschen ihr Zuhause verlieren, gezwungen werden, ihr Zuhause hinter sich zu lassen. Wenn auch nur übergangsweise. Das ist untypisch in einem reichen Land, mit üblicherweise entspannten Wetterbedingungen. Jetzt mussten Menschen in Notunterkünften platziert werden. Und der Staat sicherte unkomplizierte Hilfe zu. Selbst die Versicherungen machten sich gleich am Folgetag des Tornados ein Bild der Situation. Die Armee hilft beim Aufräumen. Wie schön ist es, dass jeder nun jedem hilft. Solidarität von allen Seiten. Niemand wird im Stich gelassen. Und jeder ist dankbar über Hilfe.

Und genau zur gleichen Zeit, ein paar Tausend Kilometer weiter im Mittelmeer, haben Rettungsschiffe geflüchtete Menschen aufgenommen, um sie vor dem Ertrinken zu bewahren. Nachdem sie auch ihr Zuhause verlassen mussten. Das Problem: Kein Hafen aus Europa will die Schiffe aufnehmen. Kein Land will die Menschen aufnehmen, ihnen ein Zuhause bieten. Und genau diese schnelle Hilfe, die Menschen in Verzweiflung, nach einem Sturm in Luxemburg, zukam und zukommt, kriegen Menschen woanders nicht.

Ist es also nur eine Sache von Glück, Herkunft und Reichtum, ob dir Hilfe gewährt wird oder nicht?
Als Europäer oder Luxemburgerin erleben wir so selten Momente, die uns in existentielle Not bringen, heißt wortwörtlich kein Dach über dem Kopf zu haben, und nun haben wir erlebt, dass es manchmal ganz schnell gehen kann. Man plötzlich dringend auf Hilfe angewiesen ist. Und viele waren froh, dass sie diese Hilfe bekamen und weiter bekommen. Menschen in Not sind Menschen in Not. Wer Hilfe braucht, soll Hilfe bekommen. Und das ist es, was wir aus Krisensituationen lernen können. So schrecklich sie auch sein mögen. Es kann uns alle treffen, das Unglück.