LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Kein anderer Autotyp läuft so gut wie die kastigen Wagen - Rekorde in mehreren Ländern

Sie sind groß, passen oft kaum in eine Parklücke und wirken als Geländewagen in der Stadt deplatziert. Und dennoch: Kein anderer Autotyp läuft so gut wie SUVs. Das gilt nicht nur für Luxemburg, wo vor allem die Luxusversionen als Range Rover oder BMW X5 gern gestohlen werden, sondern seit Jahren auch für das Nachbarland Deutschland.

Über 30 Prozent Marktanteil

Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen bestätigt das. „Keine Fahrzeugkategorie wächst so stürmisch wie SUV und keine Kategorie polarisiert so stark wie SUV. Die Diskussion läuft zwischen Hass und Begeisterung.“ Laut ihm werden allein in Deutschland erstmalig in diesem Jahr mehr als eine Millionen SUV neu zugelassen werden. Es ist ein doppelter Rekord, der den Deutschen ins Haus steht. Einerseits wird die Millionengrenze gerissen und zum Zweiten hat der Marktanteil der SUV die 30-Prozent-Marke überschritten. Ein Zurück scheint es nicht mehr zu geben. Die Entwicklung läuft eher auf 35 Prozent zu, statt bei 30 Prozent zu stagnieren. Dabei hatten sie 1995 gerade einmal einen Marktanteil von zwei Prozent. Das entsprach knapp 68.000 Exemplaren. Damals waren SUV etwas für Oberförster oder Daktaris, meint der Automobil-Experte.

Dudenhöffer will mit dem Vorurteil aufräumen, dass SUV gleich dick und breit bedeutet. Er rechnet vor: „Der Porsche Panamera hat eine Länge in seiner größten Ausführung von 5.199 mm. Der VW-Golf von 4.470 mm. 52 Prozent aller in den ersten vier Monaten neu zugelassenen SUV in Deutschland hatten Golf-Länge oder weniger.“ Natürlich gebe es auch die größeren SUV im Vergleich zu den Fließheck Autos. „Bei denen waren 94 Prozent aller Fließhecks so lang oder kürzer wie ein Golf.“

Die SUV sind breiter als die anderen Karosserieformen. Der VW-Golf hat eine Breite von 1.799 mm, rechnet der Automobilexperte vor. Und das die Fließhecklimousinen überwiegend von der Golf-Klasse geprägt werden, haben 89 Prozent der Neuzulassungen aller Fließhecklimousinen in Deutschland in den ersten vier Monaten des Jahres VW-Golf Breite oder lagen darunter. Aber immerhin waren 25 Prozent der neuen SUV in diesem Jahr auf Golf-Breite oder darunter. „Also die SUV sind in der Regel breiter und etwas länger als vergleichbare Limousinen, aber die Vorstellung, dass SUV mit Riesenmonstern gleichzusetzen sind, ist einfach falsch“, stellt Prof. Dudenhöffer richtig. Das Ende der Fahnenstange ist bei den SUV noch lange nicht erreicht. Das zeigt etwa der US-Automarkt. Die Amerikaner unterschieden gerne zwischen der Kategorie „car“, also Pkw und dem Rest, sprich SUV, Pick-Up und Vans. Die Pkw sind eine aussterbende Gattung in USA. So waren in den ersten Monaten in den USA gerade noch 30 Prozent der Neuwagenverkäufe „cars“ und 70 Prozent „light trucks“. Das spricht Bände.

Schweiz mit 44 Prozent SUV-Anteil

Nicht nur USA oder China zeigen, dass am SUV kein Weg vorbeigeht. In der Schweiz betrug der SUV-Anteil in den ersten fünf Monaten des Jahres 44 Prozent. Von 128.000 Neuwagen waren mehr als 56.000 SUV. Luxemburg steht also nicht alleine da mit seiner Vorliebe.