Während sich Europa Gedanken über die Notwendigkeit einer verbesserten internationalen Kooperation gegen den islamistischen Terror machen, sind gerade mit diesem Extremismus auch gravierende Formen der Gewalt gegen Frauen verbunden.
Amnesty International versuchte während der letzten Tage, auf die Versklavung kleiner Mädchen und junger Frauen der Yezidi-Minorität im Irak aufmerksam zu machen, die entführt werden und den IS-Kämpfern als sexuelle Sklaven zur Verfügung stehen sollen. Innerhalb der sozialen Netzwerke zirkulieren mittlerweile Bilder von Sklavenmärkten, auf denen Mädchen verkauft werden, was dann auch sehr viel über den Status der Frauen bei den so genannten IS-Kämpfern aussagt. Das alles ist ein Angriff auf die menschliche Würde, die uns alle interpellieren sollte, auch wenn wir als Europäer im Moment unsere eigenen Sorgen mit dem Terrorismus haben. Nigeria ist zum traurigen Schauplatz der Terrorgruppe Boko Haram geworden, die sich ebenfalls gezielt an Schülerinnen und jungen Frauen vergreift. Der Boko-Haram-Terror führt derzeit zur Zerstörung ganzer Städte und Dörfer, zum Massaker zahlreicher Zivilisten, aber auch zur Entführung und Versklavung von Frauen. In Nigeria werden kleine Mädchen als Selbstmordattentäter benutzt, sie werden in Menschenmengen geschickt um sich selbst zu töten, Schülerinnen werden gekidnappt und tauchen nicht mehr auf.
Die sexuelle Versklavung kleiner Mädchen und auch Jungs zieht sich wie ein Leitfaden durch viele krisengeschüttelten Regionen der Welt, und ist auch ein Merkmal der Zwangsrekrutierung von Kindern und Jugendlichen in Armeen und Rebellenbewegungen. In einer globalisierten Welt, in der die Bilder versklavter Frauen sehr schnell über soziale Netzwerke verbreitet werden, wirkt die Diskrepanz zwischen dem, was die einzelnen Kulturen - und damit sind die abend- und die morgenländische gemeint- sein wollen oder vorgeben zu sein, und wie Glaube, Werte und Kultur ausarten können, wenn politische Krisen oder kriegerische Auseinandersetzungen ausbrechen.
Während der Westen die letzten Wochen stolz auf seine Werte pochte, offenbaren Recherchen über die Pariser Attentäter die sozialen Probleme in Frankreich, die aus der „Verlierern“ unserer Gesellschaft Terroristen machten (siehe „Der Spiegel“). Während Muslime ihrerseits stolz auf ihre kulturellen Werte und ihren Glauben sind, zeigen extremistische Islamisten, dass sie die Frauenbildung abgrundtief hassen und durchaus dazu fähig sind, kleine Mädchen zu ihren Sexsklaven machen. Hierfür waren auch die Taliban ein Beispiel. Hinter den kulturellen Fassaden gründen die Probleme des Dialogs tief, und Bildung und wirtschaftliche Stabilität in allen Kulturen sind und bleiben die wichtigste Antwort auf den Terror. Die Schlagzeilen der letzten Tage und Wochen offenbaren darüber hinaus, dass religiöse Gefühle tief verletzt werden können, und dass trotz einer globalisierten und allgegenwärtigen Kommunikation die sozialen Probleme in allen Kulturen unüberwindliche Gräben schaffen und dazu führen, dass kulturelle Gemeinschaften oder auch Subkulturen sich nur schwer verständlich machen können.


