CHRISTIAN BLOCK

Wenn es darum geht, die Früchte der Globalisierung zu ernten (oder vielmehr ernten zu lassen), gehören wir bekanntlich zur weltweiten Spitzenklasse. Dicke Autos, viel Wohnfläche, das ganze Jahr überfrische Lebensmittel, regelmäßiger Urlaub und im Zweifelsfall schlürfen wir auch noch Trinkwasser, das wir uns irrsinnigerweise von Inseln im Südpazifik haben herbeischaffen lassen.

Zwar gibt es ein wachsendes Bewusstsein dafür, dass wir deutlich über unseren Verhältnissen leben, wie etwa anhand des ökologischen Fußabdrucks des Landes im weltweiten Vergleich deutlich wird, doch Konsumgewohnheiten ändern nun einmal nur sehr langsam und nicht immer freiwillig. Die innere Stimme, die uns hinterfragen lässt, wo und unter welchen Umständen die Ressourcen gewonnen wurden, die das Innenleben unseres neuen Smartphones oder eines beliebig anderen elektronischen Spielzeugs ausmachen, unterliegt meistens doch dem Drang zum
Haben-Wollen. Der Schritt vom Bewusstsein für ein Problem zum Handeln ist bekanntlich ein schwieriger.

Hinterfragt wird allerdings auch immer mehr und insbesondere seit Ausbruch der Finanzkrise vor rund zehn Jahren, wo der Wohlstand, von dem wir zehren, herkommt, beziehungsweise was der Preis der Globalisierung ist. In diesem Sinne waren die 2011 vom UN-Menschenrechtsrat - ein Gremium, in dem bekanntlich auch Luxemburg in den kommenden Jahren Verantwortung übernehmen will - verabschiedeten Leitprinzipien für Wirtschaft und Menschenrechte überfällig. Denn damit werden sowohl die Staaten wie auch die Konzerne selbst in die Pflicht genommen, ihr oft schwer zu überblickendes Unternehmensgeflecht und ihre Lieferketten nach den drei Prinzipien „Protect, Respect, Remedy“ auf mögliche oder tatsächliche Menschenrechtsverletzungen hin zu überprüfen. Für Luxemburg, wo bekanntlich viele große Unternehmen ihren Sitz haben und Investmentgesellschaften angesiedelt sind, ein Thema von besonderem Interesse. Man darf deshalb gespannt sein, wie der vom Außenministerium in Ausarbeitung befindliche Aktionsplan, mit dem diese Richtlinien auf luxemburgische Verhältnisse umgemünzt werden, aussehen - und ob er noch vor den Wahlen erscheinen wird. Denn es besteht durchaus die Gefahr, dass es darin am Ende an den notwendigen Verpflichtungen fehlen könnte. In Deutschland kritisieren beispielsweise Nichtregierungsorganisationen die mangelnde Verbindlichkeit des Aktionsplans des Landes. Andere Staaten haben die Messlatte höher gelegt oder wie Frankreich 2017 eine gesetzliche Sorgfaltspflicht eingeführt.

Klar ist jedenfalls, dass die „Corporate Responsibility“-Strategien vieler Unternehmen darauf abzielen, sich selbst in ein positives Licht zu rücken. Mit der Übernahme von gesellschaftlicher Verantwortung haben diese Marketing-Aktionen allerdings oft nur sehr wenig zu tun. Den jetzigen Vorstoß von 13 Organisationen, eine gesetzliche Sorgfaltspflicht für transnationale Unternehmen mit Sitz im Großherzogtum einzufordern, ist jedenfalls begrüßenswert. Auch wenn, wie so oft, der Teufel im Detail stecken wird.