DAUN/LUXEMBURG
INGO ZWANK

Heinz-Josef Weis aus der Eifel haucht alten Weinkisten neues Leben ein

Er ist Weinliebhaber und sagt von sich selbst, dass er „eigentlich nichts wegwerfen kann“ - und das begründete seine Passion. So kam es, dass Heinz-Josef Weis aus dem Eifelstädtchen Daun ausrangierten Weinkisten eine neue Bestimmung in Form von hochwertigem Mobiliar verleiht. Im Jahr 2014 nahm seine Firma „formitable GmbH“ den Betrieb auf. Seither hat er unzähligen Kunden in der Großregion und weit darüber hinaus ihre individuellen Wünsche, was Tische, Schreibtische, Stühle, Barhocker, Bänke, Regale, Kommoden oder Garderoben anbelangt, mit den Dekors der Weinkisten erfüllt.

Herr Dr. Weis, Sie waren über 30 Jahre als praktizierender Arzt in der Eifel tätig – und sind nun „Möbelgestalter“. Wie ist es dazu gekommen?

Heinz-Josef Weis Ich war 37 Jahre als Arzt tätig. Mein Problem ist, dass ich, im Gegensatz zu meiner Frau, nichts wegwerfen kann. So haben sich in der Zeit einige Weinkisten bei uns im Keller angesammelt. Und die musste ich vor dem Wegwerfen retten. Da fand ich eine alte Tischplatte und habe begonnen - dies mit meinen beschränkten Möglichkeiten - die Tischplatte mit den bedruckten Seiten der Weinkiste zu gestalten. Heraus kam etwas, was den Leuten wohl gut gefallen hat.

Mir kam dann zugute, dass ein Patient von mir, Gerhard Göden, ein damals 84-jähriger Schreinermeister aus Daun, wesentliche Tipps in Wort und Tat beisteuern konnte. So entstanden in der Garage die ersten Prototypen unserer Möbel. Zeitgleich mit der Firmengründung kam dann mein Freund Winfried Schüller hinzu, der als erfahrener Schreiner ebenfalls von Anfang an in die Entwicklung und Produktion der Möbel eingebunden war und inzwischen hier Betriebsleiter ist. Auch Gerhard Göden kommt immer noch vorbei und schaut, was der Betrieb macht.

2014 wurde also „formitable GmbH“ gegründet.

Weis Ja, mit dem Ziel der Fertigung von Möbeln mit individuellem Charakter. Wir integrieren in unsere Produkte die Frontbretter von Weinkisten, auf denen individuelle Motive gedruckt, geprägt oder eingebrannt sind. Diese Gestaltungselemente unterstreichen unser Ziel, nur Unikate zu fertigen. Die Weinbretter prägen das Erscheinungsbild unserer Produkte genauso wie andere Utensilien, die bei Reifung, Lagerung und beim Genuss des Weines eine Rolle spielen. Außer den Frontbrettern der Kisten mit ihren beeindruckenden Motiven, eben „moebel mit (w)eindruck“, verwenden wir Fassdauben, Weinfässer, Weinkisten, Flaschen, Korken, Kapseln und vieles mehr. Statt dass alles achtlos weggeworfen wird, erfüllen diese Gegenstände so neue Aufgaben rund um unsere Möbel. Sie tragen zu deren besonderem Charakter maßgeblich bei und erfahren ein „Upcycling“. Das Holz der Weinkisten als lebendiges Material in verschiedene Möbelformen zu integrieren und mit anderen Werkstoffen zu kombinieren ist dabei die Herausforderung. Bei uns lag von Anfang an der Fokus auf der Qualität des Holzes. Es wird vorwiegend Eiche aus der Eifel verwendet. Aber auch Edelstahl und Glas kommen zum Einsatz. Allen diesen Materialien ist gemeinsam, dass sie eine Rolle im Leben des Weines spielen.

Wie kommen Sie an Ihre Weinkisten?

Weis Ganz unterschiedlich. Natürlich beziehen wir selbst, wir kaufen Kisten auf – anfangs über eBay. Wenn es geht, beziehen wir natürlich größere Mengen. Aber die Kunden können auch mit ihren eigenen Kisten kommen – zur Anprobe, wie wir es nennen. Da können sie sich dann alles anschauen und auswählen, wie sie es gerne hätten. Wir haben auch einen Showroom, der oft von Luxemburgern aufgesucht wird, wenn sie in der Region unterwegs sind.

Es gibt also nicht nur Kommoden oder Tische aus Ihrer Produktion…

Weis Oh nein. Als Grundlage für unsere Flaschentische beispielsweise verwenden wir eine Wein- oder Champagner-Flasche, Magnum, Doppel-Magnum oder größer. Nach Montage einer durchsichtigen Tischplatte aus Sicherheitsglas oder Plexiglas erfüllt das Objekt seine Funktion als praktischer Beistelltisch. Die Standfestigkeit wird durch eine Verlagerung des Schwerpunktes nach unten gefördert. Hier sind die Varianten frei wähl- und austauschbar: Art der Tischplatte, Aufbau mit einer Öse zum leichteren Transport oder mit einer glatten Plattenoberfläche. Es gibt eine große Vielfalt an Formen sowie verschiedene Höhen der Tische. Es kann eben alles für Individualisten individuell hergestellt werden; wie unser Faßtisch, der vielseitig einsetzbar ist. Unbenutzt macht er als Skulptur eine gute Figur und ist sehr dekorativ. Durch Abnehmen des oberen Teils ergibt sich eine große runde Tischplatte. Wir achten so immer auch auf Form und Funktion.

Gibt es Favoriten bezüglich der Weinkisten, die Sie bereits verarbeitet haben?

Weis Highlights gibt es sicher, Favoriten weniger. Wir haben einmal für einen Hamburger Sommelier dessen Kisten komplett zu einer großen Tischplatte verarbeitet. Das war schon etwas Besonderes. Ansonsten muss man sagen, dass es in Deutschland wenige solche Holzweinkisten gibt. Da muss ich sagen, dass es in Frankreich schon sehr schöne Drucke gibt. Pétrus beispielsweise, auch wenn die Ausbeute hier teils sehr gering für uns ist, da oftmals nur eine Seite bedruckt ist. Aber oft hat die Kiste ja auch durch den Inhalt bereits einen gewissen Wert. Die Ausbeute für uns ist bei Kisten aus Italien höher. Da sind es oft mehrere Seiten plus Deckel.

Aktuell arbeiten wir mit „Winzer-Schwenkkisten“, die wir umarbeiten und in die Möbel integrieren. Die alten Kisten stammen aus einer Zeit, zu der es noch Pfand auf Weinflaschen gab. Die Flaschen wurden in den Schwenkkisten gesammelt und dann von den Winzerkindern hierin gewaschen. Oft war es dann so, dass die Kinder, wenn sie den Betrieb übernommen haben, aufgrund ihrer Erfahrungen die Kisten kurz und klein geschlagen haben, daher gibt es nicht mehr so viele Originale...


www.formitable.de