LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Staatsanwaltschaft fordert drei Monate Haft für Unfallfahrer

Eine Frau starb, nachdem sie auf einem Zebrastreifen von einem Auto erfasst wurde. Nun stand der 82-jährige Fahrer vor Gericht, der am 22. November 2016 gegen 17.00 die Frau auf dem Zebrastreifen vor der Kontrollstation in Sandweiler anfuhr.

Der damals 79-jährige Autofahrer Roger F. übersah die 72-jährige Frau, die den Fußgängerstreifen überqueren wollte. Es herrschte viel Verkehr. Der 79-jährige Pkw-Fahrer sei vor dem Unfall gegen 17.00 geradeaus über die Straße gefahren und wollte von Sandweiler nach Luxemburg-Stadt.

Beim Versuch, die stark belebte Straße zu überqueren, erwischte das Auto die Frau mit dem linken Kotflügel. Die 72-Jährige wurde dabei so schwer verletzt, dass sie drei Tage später an ihren Verletzungen starb.

Staatsanwaltschaft: Unfall war vermeidbar

Eine Zeugin gab zu Protokoll, dass sie die Frau am Tag des Unfalls kurz vorher von weitem gesehen hatte. Die Frau hätte versucht, schnell über den Zebrastreifen zu laufen, um dem Fahrer zu entweichen. Der Unglücksfahrer sei ziemlich schnell gefahren. Eine zweite Zeugin berichtete, dass der Senior mit 50 bis 55 Stundenkilometer unterwegs gewesen sein müsse.

Der Angeklagte gab zu Protokoll, er sei höchstens mit 50 km/h gefahren. Da es regnete habe, sei sein Wagen nach dem Aufprall weggerutscht; die Frau sei über den Wagen geflogen. Er wäre aus dem Wagen gestiegen und hätte eine Decke über die Frau gelegt. Für den Verteidiger ist klar: „Mein Mandant konnte die Frau nicht sehen“. Dafür gebe es mehrere Gründe, sagte Me Philippe Stroesser. Erstens die mangelnde Beleuchtung, es hatte geregnet und es war dunkel. Auch sei die Frau schwarz angezogen gewesen. In der Nebenklage soll der Fahrer einen Schadenersatz von 13.600 Euro an die Familie des Opfers zahlen.

Da die ersten medizinischen Untersuchungen (vor der Obduktion) keine Klarheit brachten, woran die Frau genau verstarb, wurde der Todesfall als unklar und verdächtig eingestuft. Später, bei der Obduktion der Leiche, wurden jedoch keine Anzeichen auf ein Gewaltverbrechen festgestellt.

Die definitive Diagnose ergab, dass keine Anzeichen auf einen verdächtigen Tod vorliegen. Die gerichtliche Obduktion, bei der sämtliche Fakten im Zusammenhang mit diesen tragischen Umständen gewürdigt wurden, ergab eindeutig, dass beim Tod der Frau nichts Rätselhaftes im Spiel war. Laut Staatsanwaltschaft ist der Unglücksfahrer nicht vorbestraft und er hat auch keine aktenkundigen Verkehrsverstöße vorzuweisen. Keine Strafe gegen den Fahrer könne das Leid der Familie mindern. Der Unfall sei auch klar vermeidbar gewesen, sagte der Anklagevertreter, der drei Monate Haft und ein Fahrverbot von 30 Monaten forderte.

Das Urteil fällt am 28. Juni.