LUXEMBURG
MARC NICKTS

Am heutigen Donnerstag, dem 26. April, wird der Welttag des Geistigen Eigentums begangen. Das geistige Eigentum ist auch weiterhin wesentlicher Existenzgrundlage unzähliger Künstler, zum Beispiel in der Musikindustrie. Nachdem die Möglichkeit, EU-weit auf seine digitalen Streaming-Inhalte zugreifen zu können, vergangenen Monat fest verankert wurde, mehren sich die Forderungen nach einem gemeinsamen, EU-weiten Angebot, das aber allem Anschein nach stets am fehlenden Urheberrecht scheitert. Warum die Sache nicht so einfach ist, erklärt Marc Nickts, Geschäftsführer der Rechteverwertungsgesellschaft „SACEM Luxembourg“. 

„Die Rechteinhaber oder Rechteverwertungsgesellschaften wie die ‚SACEM‘, oder Partner im Ausland wie die ‚GEMA‘ in Deutschland, verwehren sich nicht gegen ein gemeinsames, breit verfügbares Angebot. Im Gegenteil: Die ‚SACEM‘ ist beispielsweise Teil des größten europäischen Musiklizenzen-Hubs ‚Armonia Online‘, was es uns erlaubt, Online-Musik und ihre Lizensierung fairer, einfacher und verfügbarer zu machen. Zudem begrüßen wir das erst eine Woche junge Gesetz, das ein pan-europäisches Lizensieren von Musikinhalten möglich macht. 

Dabei vertreten wir natürlich stets die Interessen unserer Mitglieder, von denen wir als Verwertungsgesellschaft getragen werden. Uns ist deshalb stets eine faire Bezahlung der Komponisten, Texter und Verlage das Wichtigste, denn es ist unsere Aufgabe, die Urheber- und Autorenrechte von Musikern zu schützen. Im Internet wird aber nicht nur territorial, sondern auch europa- oder weltweit verhandelt. Im Zuge von mehreren Prozessen und einer damit verbundenen Rechtsunsicherheit für einige Rechteinhaber haben diese die Mandate für die Nutzung im Internet exklusiv an eine Verwertungsgesellschaft ihres Vertrauens gegeben. Mit der ‚SACEM‘ können wir beispielsweise den ‚UNIVERSAL‘-Katalog neben dem von unseren Mitgliedern für den Gebrauch im Internet lizenzieren. Die Grenzen selbst sind keine Hürde bei der Umsetzung eines gemeinsamen Musikangebots, das europaweit gleichermaßen zur Verfügung steht. Vielmehr ist es die geregelte, allgemeingültige Autorisierung dieses Angebots und den Willen der Anbieter auch in jedem Land ein größtmögliches musikalisches Angebot zu schalten. 

Als Verwertungsgesellschaft für Komponisten, Texter und Verlage haben wir prinzipiell jedes Interesse daran, das Angebot möglichst breit zu streuen, um unseren Mitgliedern die besten Chancen zu bieten. Wenn man von einem Problem im Umgang mit der Verbreitung durch Internet sprechen kann, dann ist dies der Preisverfall oder Unterlizenzierung von geschützten Werken. Wir geben die Rechte nicht zu egal welchem Preis heraus. Der Endverbraucher muss verstehen, dass hinter jedem Werk ein Kunstschaffender steht, der Anrecht auf eine Vergütung beim Gebrauch seiner Werke hat. Beim geistigen Eigentum wird das leider allzu oft vergessen. 

Deshalb sind wir auch starke Befürworter der ‚Make internet fair‘-Petition. Diese Petition der Kreativschaffenden ruft die Gesetzgeber der EU dazu auf, bei ihrer Reform der Kopierschutzregelung auch die großen IT-Plattformen in die Verantwortung zu ziehen. Plattformen wie ‚YouTube‘ oder ‚Soundcloud‘ profitieren derzeit von Inhalten, die von Dritten hochgeladen werden, wollen aber nicht für diese verantwortlich sein. Sie sehen sich als Serviceanbieter im Rahmen der E-Commerce-Direktive der EU und daher nicht verantwortlich für die Inhalte, die von den Nutzern hochgeladen werden. So ist eine gerechte Verwertung nicht möglich.“

www.makeinternetfair.eu