Jeden Tag hofft man auf eine Lösung, aber das Drama um Griechenland geht weiter. Auch gestern, beim vierten hochrangigen Treffen diese Woche zum Thema, das die Schlagzeilen nun seit mindestens sechs Monaten beherrscht, kam es wiederum zu keiner Einigung zwischen den Geldgebern und Athen, dem gerade noch vier Tage bleiben, um die 1,6 Milliarden Euro aufzutreiben, die es braucht, um einen Teil seiner Schulden beim IWF zu begleichen.

Es werden in diesem Jahr auch noch eine Menge anderer Rückzahlungen fällig für die bisher geleisteten Hilfen für Athen.

Am kommenden Dienstag läuft auch das bereits zweimal verlängerte aktuelle Hilfsprogramm der EU für Griechenland aus.

Seit 2010 haben IWF, Euroländer und Europäische Zentralbank Griechenland mit 220 Milliarden Euro unterstützt damit es Luft für die Reformen bekommt, die es benötigt, um irgendwann wieder auf eigenen Beinen stehen zu können und dafür gesorgt werden kann, dass die griechische Wirtschaft wieder wächst und sich den Hellenen nach Jahren des Leidens wieder echte langfristige Zukunftsperspektiven eröffnen. Dass das in der gegenwärtigen Situation - die, das wird oft vergessen, sicher vermieden hätte werden können, wenn die Machthaber der Eurozone bereits Anfang der 2000er ihre Arbeit gründlich gemacht hätten - noch Jahre dauern wird, ist klar.

Auch wenn es doch noch zu einer Einigung mit den Geldgebern kommt, was zu hoffen ist. Denn sollte Griechenland bankrott gehen und sogar aus der Eurozone fliegen, wird die Durststrecke noch viel länger und könnte gar zu einer Endlostragödie werden. Eine Tragödie wäre das auch für das große europäische Gemeinschaftsprojekt, das nicht nur durch die Griechenland-Krise sondern auch durch an Terrain gewinnende europafeindliche Kräfte schon extrem strapaziert ist, denn der Beweis läge vor, dass die Mitgliedschaft im Euro doch umkehrbar ist.

Aber egal, wer das Land regiert, die Sache mit den Perspektiven muss das Ziel einer jeden politischen Führung sein. Sie muss am Ende die Akzente dafür setzen, um es auch zu erreichen. Zu sehr wurde in den vergangenen Monaten fast pausenlos die ideologische Karte gespielt. Wir Linken, volksnahen Typen gegen die kalten, neoliberalen Erbsenzähler aus Brüssel und Washington. Wir sozialen Widerstandskämpfer gegen die bösen Eliten, die uns mit ihrem Spardiktat erwürgen wollen. Man lege das alles mal beiseite und zeichne gemeinsam eine verbindliche „Roadmap“, um Griechenland aus der Krise zu führen.

Am Ende des Tages, wenn bis zur letzten Sekunde gerungen wurde, wird es auch dazu kommen. Denn jeder hat Interesse an einer langfristigen Lösung. Während alle über ihr Verhandlungsgeschick jubeln werden und darüber, dass die Eurozone doch zusammen gehalten werden konnte und Europa gestärkt aus der Krise hervorgeht, wird Herr Tsipras in Athen wie der Löwe gefeiert werden, der „Brüssel“ die Stirn bot. Er muss das allerdings dann selbst schnell entschärfen und unmissverständlich machen, dass er nicht mit Feinden, sondern mit Helfern verhandelt hat. Und dann kommt das schwierigste: Die vereinbarten Reformen auch wirklich zuhause umzusetzen.