LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Mordprozess „Schléiwenhaff“: Verwirrende Zeugenvernehmungen

Christopher O. (36) und Florentina E. (27) wurden im November 2016 ermordet. Die Leiche des Nigerianers O. wurde am 9. November 2016 im Leudelinger Wald in der Nähe des „Schléiwenhaff“ gefunden, die Leiche der Rumänin E. einige Tage später in Bridel auf dem Parking „Fraiheetsbaam“. Für den Mord am Nigerianer sollen Lee K. und Alden S. verantwortlich sein. K. soll darüber hinaus auch die Rumänin erschossen haben.

Ominöse Zeugin

Im Gerichtssaal war am Dienstagmorgen eine aufgeheizte Stimmung. Rund um den Mord am „Fraiheetsbaam“ gab es wilde Spekulationen und eine neue Anschuldigung, wer der Mörder der rumänischen Prostituierten sein könnte. Eine Zeugin hatte vom Mord gehört, ihn aber nicht persönlich mitverfolgt oder etwas davon gesehen. Über Facebook hatte sie in diesem Kontext in einem Kommentar von RTL geschrieben „Dat do si berechtigt Strofen.“ Eine Person hätte ihr mit dem Satz geantwortet „Du wees jo mat weems de dech ugeluet hues.“ Daraufhin wäre sie am 23. Oktober 2019 in Differdingen zur Polizei gegangen.

Die unbekannte Person hätte sie dann überraschend im Gerichtssaal aufgesucht und erklärt: „Ennerschätz mech net. Police kritt ni eppes eraus. De Lee K. huet näischt domat ze dinn.“

Vor Gericht wiederholte sie nun, was sie zuvor im Gerichtssaal gehört und am 23. Oktober 2019 bei der Polizei ausgesagt hatte. Sie erzählte, dass sie von einer Person bedroht wurde, sie hätte Angst . Anonym hätte jemand angerufen und ihr gesagt, sie solle bei ihren Aussagen vor Gericht aufpassen. Im Gerichtssaal hätte sie den Mann dann an seiner Stimme erkannt. Schließlich hätten sie draußen zusammen eine Zigarette geraucht. Alles sei schließlich darauf hinausgelaufen, dass es eine dritte unbekannte Person im Mord der Prostituierten gebe.

Die Vernehmung der Zeugin erschien spannender als jede Kriminalgeschichte. Zur Sprache kam aber nichts Neues. Alles war Staatsanwalt und Gericht bereits bekannt. „Et gëtt keen drëtten Täter“, sagte David Lentz. Das schon an sich ungewöhnliche Vorgehen erschien dem Gericht und der Staatsanwaltschaft abstrus. Der Staatsanwalt ergänzte seine Kritik und meinte, dass das Verhalten der Zeugin schon sehr ungeschickt gewesen sei und dass sie sehr unglaubwürdig erscheinen würde.

Der Verteidiger von K. hielt die Zeugenaussage der Frau für absolut berechtigt. Anwalt Rosario Grasso schätzt wohl die Lage so ein, dass alle im Saal seinen Mandanten für einen Mörder halten - auch die, für die Lee K. schlichtweg der „Kokainsüchtige“ ist. Das, was diese Person gesagt habe, solle untersucht werden, erklärte der Verteidiger und fuhr fort: „Den Zeugen sollte das Gericht hören.“ Das Gericht gab dem Antrag statt. Der Mann soll heute um 15.00 von den Richtern befragt werden.

Foto der Tatwaffe

Auch wurde die Bluttat an dem 36 Jahre alten Nigerianer in einem Video noch einmal rekonstruiert. K. zeigte sich dabei im Rahmen seiner Erinnerung kooperativ, bestand aber immer wieder darauf, dass S. den Nigerianer erschossen habe. Vieles, was K. im Video zeigte, sei nicht kohärent, sagte die Untersuchungsrichterin im Video. Staatsanwalt Lentz meinte sogar, K. hätte kaltblütig die blutige Hose und die Tatwaffe fotografiert - als eine Art Trophäe.


Der Prozess wird heute fortgesetzt