PATRICK WELTER

Die Debatte, ob die Tötung von General Qasem Soleimani völkerrechtswidrig war, ist der Streit um des Kaisers Bart. In Zeiten der asymmetrischen Kriegsführung oder, wie im Fall Soleimani, unerklärter Kriege, passen weder das Völkerrecht noch die Haager Landkriegsordnung. Da färbt sich die juristische Grauzone schon mal tiefrot. Der Iran führt seit Jahren einen unerklärten Eroberungsfeldzug bis zum Mittelmeer und vor die Golanhöhen - mit Soleimani an der Spitze. Der Mann war ein Meister darin, mit unterlegenen Kräften und angeworbenen Milizen größtmögliche Erfolge zu erzielen. Kollateralschäden - sprich tote Zivilisten - waren dabei egal.

Wenn wir bei der These des unerklärten Krieges bleiben, war Soleimani ein legitimes militärisches Ziel. Der Mann war wirklich kein Chorknabe. Ob seine Tötung klug war, steht aber auf einem ganz anderen Blatt.

Vom 26. Präsidenten der USA, Teddy Roosevelt, stammt der Satz: „Sprich leise, aber trage einen dicken Knüppel!“ Der amtierende POTUS hat nur die Sache mit dem Knüppel behalten. In einem unerklärten Krieg einen gegnerischen General vom Leben zum Tod zu befördern ist eine Sache, aber es erstens mit der größtmöglichen Kanone zu tun und sich dann noch vor aller Welt damit zu brüsten, ist schlicht blöd. Wo der Degen angebracht gewesen wäre, hat Trump zum Vorschlaghammer gegriffen. Israel greift regelmäßig iranische Basen in Syrien an - redet aber nicht darüber. Netanjahu mag ein korrupter Unsympath sein, ein Idiot ist er nicht.

Der aktuelle und vermutlich auch zukünftige US-Präsident tut alles dafür, das Klischee vom hässlichen Amerikaner in dicken fetten Strichen nachzuzeichnen. Von keiner Sachkenntnis beleckt, ist Trump unfähig, der aggressiven Regionalmacht Iran mit Intelligenz gegenüberzutreten. Er kann nur das Maul aufreißen und sonst nichts.

Mit der lautest möglichen Explosion und seinem dummen Getöse hat der POTUS auf einen Schlag einen Märtyrer geschaffen, dem Mullah-Regime eine innenpolitische Atempause verschafft, seine europäischen Partner verschreckt, die Iraker vor den Kopf gestoßen und bei Wladimir Putin für ein fröhliches Grinsen gesorgt. Nicht zu vergessen Putins Mündel Assad, der weiter seinen Krieg gegen das eigene Volk führen darf.

Trump will eine 40 Jahre brennende Wunde mit dem Vorschlaghammer ausmerzen. Amerikanische Diplomaten in iranischer Geiselhaft haben sich tiefer ins Gedächtnis eingegraben als der Vietnam-Krieg. Es hätte aber sehr großer Geister bedurft, um „God’s own country“ und den Gottesstaat Iran miteinander auszusöhnen. Nicht zu vergessen, dass der Kampf gegen den großen und den kleinen Satan - USA und Israel - der Kitt ist, der den Iran zusammenhält, nach dem Tod Soleimanis mehr denn je. Mit dem Atomabkommen hatte Obama immerhin einen Minimalkonsens erreicht...

Und nun? Ali Chamenei muss zurückschlagen, um sein Gesicht zu wahren. Wie und wo? Mit einer Attacke in Europa würde er dessen Staaten wieder an die Seite Trumps treiben, also nicht. Frontal gegen Israel? Dessen Antwort würde hart und brutal sein, geht also auch nicht. Bleiben die Straße von Hormus, die Golfstaaten und die US-Truppen vor der Haustür.

Ich wette auf den asymmetrischen Seekrieg.