COLETTE MART

Hier und jetzt, wo in unseren Gemeinden die Schulorganisationen gestimmt werden, lohnt sich ein Blick auf eine wesentliche Veränderung im Leben der Kinder in den letzten 50 Jahren.

In einer Gesellschaft, in der viele Kinder morgens mit dem Auto vor der Schule abgesetzt werden, oder aber mit dem Bus in Zentralschulen gefahren werden, ging in deren Leben der Schulweg verloren, der früher zur informellen Bildung beitrug.

Durch den Schulweg lernten die Kinder, sich in ihrem eigenen Stadtviertel zurecht zu finden, mit Schulkameraden ins Gespräch zu kommen und Freundschaften zu knüpfen, mit den Jahreszeiten zu leben und bei jedem Wetter zu Fuß zu gehen, und von zuhause, respektive von der Schule abzuschalten.

Das Auto, das über Jahrzehnte in den Familien als der Fortschritt schlechthin angesehen wurde, respektive das zweite Auto, das nicht einmal mehr ein Prestige-Objekt, sondern ein Muss zu sein scheint in jenen Haushalten, in denen beide Partner arbeiten, hat den Schulweg aus der Biographie vieler Kinder verschwinden lassen.

Dadurch verlieren Kinder in ihrem Alltag den gesunden Reflex, zu Fuß zu gehen. Probleme wie Bewegungsmangel, Übergewicht, oder auch die Vereinsamung mancher Kinder sind unter anderem die Konsequenz eines modernen Lebensstils, der jetzt auf uns alle zurückschlägt und sich negativ auf unsere Gesundheit und unsere sozialen Kontakte auswirkt.

Auch wenn sich das Umfeld der Kinder verändert hat, der Verkehr und die Gefahren auf der Straße zugenommen haben, sowie Zentralschulen immer mehr die kleinen Schulen in den Stadtvierteln und Orten ersetzen, und also demgemäß auch der Bustransport der Schulkinder organisiert werden muss, bleibt die Mehrzahl aller Schulen in unserem Land noch zu Fuß oder mit dem Fahrrad für die Kinder erreichbar.

Der Schulweg kann zu einem vielschichtigen Lernprozess und einer wichtigen Lebenserfahrung werden. Kinder und Jugendliche können ihre Gedanken und ihre Erfahrungen um die Schule, sowie Schulaufgaben durchdiskutieren, schwierige emotionale Situationen durch freundschaftliche Gespräche verarbeiten, was dann zu einer allgemeinen Beruhigung im Alltag führen kann. Wenn diese Zeitspannen der Beruhigung durch Bustransporte ersetzt werden, respektive der „Kiss & Go“ vor den Schulen sich zwischen Eltern und Kindern einbürgert, müssen wir uns Gedanken darüber machen, welchen Platz wir denn der Beruhigung der Kinder auf diesen modernen Schulwegen einräumen.

Auf jeden Fall sollte der Schulweg eine Gelegenheit sein, auch im Auto mit den Kindern noch stressfrei ins Gespräch zu kommen, und der Bustransport der Kinder sollte ebenfalls in einer Atmosphäre der Ruhe und Entspanntheit vor sich gehen. Jetzt, wo die nächsten Gemeindewahlen anstehen und die Programme in den Parteien zwecks Verbesserung des lokalen Lebens geschrieben werden, sollte ein Augenmerk auf den Schulweg der Kinder gerichtet werden, der nicht nur eine emotionale Bedeutung hat, sondern ebenfalls eine kommunalpolitische Herausforderung ist.