LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Vor 50 Jahren erschien der Plan von Pierre Werner - der heute als Visionär gefeiert wird

Anlässlich des 50. Jahrestages des Werner-Plans finden seit gestern eine Reihe von Veranstaltungen statt. Immerhin gilt der Bericht als Blaupause für die Wirtschafts- und Währungsunion. Einige der Empfehlungen von Pierre Werner stehen auch heute noch auf der Tagesordnung. Der Luxemburger Staatsmann hatte den Plan 1970 vorgestellt. Er sah vor, bis 1980 in der damaligen Europäischen Gemeinschaft eine Währungsunion einzurichten und eine einheitliche Währung einzuführen, scheiterte aber damals. Der Plan des damaligen Premiers und CSV-Politikers wirkt auch heute noch erstaunlich modern und visionär. Umgesetzt wurde er aber erst später: Erst 1979 nahm man mit dem Europäischen Währungssystem (EWS) einen dritten Anlauf, um zu einer engen wirtschaftlichen und währungspolitischen Zusammenarbeit in der EG zu kommen. Die Europäische Wirtschafts- und Währungsunion (EWWU) wurde schließlich ab 1990 schrittweise eingeführt, der Euro als Gemeinschaftswährung 1999. Werner erlebte das noch mit. Der in Frankreich geborene Luxemburger starb 2002 in Luxemburg.

Die Universität Luxemburg und eine ganze Reihe weiterer Institutionen und Einrichtungen wie die Luxemburger Zentralbank, die Europäische Investitionsbank (EIB) oder der Europäische Stabilitätsmechanismus  (ESM) unterstützen die Festveranstaltungen. Daran nehmen auch hochkarätige Persönlichkeiten teil.

Gestern fand eine vom „Bridge Forum Dialogue“ organisierte eineinhalbstündige Online-Diskussion statt, an der unter anderem Christine Lagarde, Präsidentin der Europäischen Zentralbank, ebenso teilnahm wie der Vizepräsident der EU-Kommission, Valdis Dombrovskis, oder ESM-Geschäftsführer Klaus Regling.

„Ich war ein Teenager, als der Werner-Plan veröffentlicht wurde“, erinnert sich Lagarde. „Ich war erstaunt über die Vision und die Weitsicht. Damals wurde er als ultimativer Technokrat und großer Visionäre beschrieben. Sicher ist: Werner hat die Grundlagen für vieles gelegt, was heute noch funktioniert und eine Rolle spielt. Er war für finanzielle Integration.“ Zwar sei die Europäische Zentralbank in seinem Bericht nicht vorgekommen. Aber viele seiner Ideen blieben noch umzusetzen.

„Wir haben ihn ein bisschen vergessen, denn vieles ist noch nicht vollbracht, viele Märkte funktionieren noch nicht so, wie sie das vielleicht sollten und die Fiskalpolitik ist immer noch zu lose“, findet die EZB-Chefin. Auch die Bankenunion und die Kapitalmarktunion seien noch Baustellen. Sie betonte, dass Werner schon 1970 ausdrücklich den Umweltschutz erwähnt habe. „Da war er Visionär.“

EIB-Präsident Werner Hoyer, der die Veranstaltung leitete, hielt fest, dass der Klimawandel und die Digitalisierung im Wernerplan noch nicht vorkamen. Doch gerade die Klimafrage habe seine Institution massiv verändert, sagte Hoyer. Er stellte auch die Frage, wie die EU auf die Coronakrise reagiert habe und wie sich das auf Ziele wie Klimaziele und anderes niederschlagen würde.

Darauf antwortete Valdis Dombrovskis, Vizepräsident EU-Kommission: „Kurzarbeit war eine Antwort von vielen in der EU auf die Krise, dazu kamen viele Hilfsprogramme.“ Er fuhr fort: „Wir haben es geschafft, die Wirkung der Krise abzufedern. Wir haben gemeinsam geantwortet. Europa wird stärker aus der Krise hervorgehen.“

Hoyer gab ihm recht. „Ja, das ist ein beeindruckendes Paket, dass die EU aufgelegt hat. Ich erinnere mich an ein EU-Gruppentreffen und Christine sagte: Wir brauchen eine europäische Antwort, die umfassend, schnell und flexibel ist. Und das genau war sie.“

ESM-Chef Klaus Regling ging darauf ein, was sein Haus aus drei Krisen und zwei Hilfsfonds gelernt hat. „Vor 50 Jahren, als der Bericht kam, habe ich Wirtschaft studiert und dann promoviert – darin kam auch Werner vor! Das Thema hat mich also nie verlassen. Was wir aus den Krisen gelernt haben? Wir brauchen Krisen, um zu agieren. Als vor zehn Jahren die große Krise da war, entstand der ESM. Es war eine ernsthafte Krise, in der EU-Länder ein Problem gemeinsam gelöst haben. Wir als ESM sind der jüngste Player unter den Strukturen. Wir hatten ganz unterschiedliche Krisen erlebt mit der weltweiten Finanzkrise, der Eurokrise und der Coronakrise. Wir haben fünf Ländern den Weg zurück an die Finanzmärkte ermöglicht. In dieser Krise geht es nicht darum, Politik zu korrigieren. Denn die Coronakrise ist ein äußerer Faktor. Er verlangt eine starke Antwort, weil es die größte bekannte Wirtschaftskrise je ist. Und bei Krisen muss man schnell sein, gut koordiniert und Finanzhilfen auf dem richtigen Weg zur Verfügung stellen.“

wernerreport50.uni.lu