LUXEMBURG
PASCAL STEINWACHS

OGBL/LCGB-Kleinkrieg geht in die nächste Runde

Wer geglaubt hatte, die beiden großen Gewerkschaften im Privatsektor würden wenigstens im neuen Jahr zur Vernunft kommen und ihren Kampfgeist endlich wieder der gemeinsamen Krisenbewältigung widmen, der sollte gestern enttäuscht werden. So stand der Neujahrsempfang beim LCGB gestern ganz im Zeichen des nun schon seit Monaten anhaltenden Kleinkriegs mit dem OGBL.

Feinbild LCGB

Dieser hatte es auf seiner Pressekonferenz vom vergangenen 18. Dezember gewagt, den LCGB zur Vernunft aufzurufen, da dieser nicht nur bei der Rentenreforn aus der Gewerkschaftsfront ausgeschert sei, sondern auch im Dossier ArcelorMittal, sodass OGBL-Präsident Jean-Claude Reding seinem christlichen Counterpart Patrick Dury vorwarf, doch wohl ein wenig früh zum Sozialwahlkampf zu blasen (Ende 2013 finden Sozialwahlen statt). Auch hatte Reding an das Kräfteverhältnis der beiden Gewerkschaften erinnert, was das Fass aus Sicht des LCGB-Präsidenten endgültig zum Überlaufen gebracht haben dürfte.

So zeigte sich Dury gestern überzeugt, dass der OGBL-Präsident mit seinem „mimosenhaften Auftritt“ nur ein neues „Feindbild“ habe erschaffen wollen, und das sei der LCGB. Damit wolle der OGBL nur von seinen „eigenen Schwächen“ ablenken und seine Truppen für die Sozialwahlen mobilisieren.

„Mit dem LCGB wird es keine Einheitsgewerkschaft geben“

Hier soll eine Situation geschaffen werden, so Dury weiter, wo es nur noch eine einzige Gewerkschaft geben soll, aber mit dem LCGB komme es nie und nimmer zu einer Einheitsgewerkschaft. Auch habe der LCGB, der im übrigen keine kleine Gewerkschaft sei, sondern 39.970 Mitglieder habe, keinen, und besonders nicht den OGBL (der über 60.000 Mitglieder haben soll), um Erlaubnis zu fragen, wie er seine Arbeit zu machen habe. Der LCGB bleibe jedenfalls seiner Linie treu, und das heiße, dass bei ihm der Mensch im Mittelpunkt stehe.

Auf das Niveau des OGBL wolle sich seine Gewerkschaft dann auch in Zukunft nicht mehr herablassen; das sei heute eine einmalige Gelegenheit gewesen. Den ersten Schritt zur Wiederannäherung an den OGBL will Patrick Dury jedoch auch nicht machen, wobei er die LCGB-Delegierten aber gestern dazu aufrief, sich einer Zusammenarbeit mit dem OGBL nicht zu verschließen.

Tripartite: „Eine falscheEntscheidung“

Dass die Tripartite seinerzeit gescheitert sei, sei indes auf den OGBL zurückzuführen, der hier mit seiner Politik des leeren Tischs eine falsche Entscheidung getroffen habe, was der LCGB ihm damals auch ganz klar gesagt habe. Trotzdem habe sich der LCGB hier solidarisch gezeigt.

Bleibt abzuwarten, ob nach der gestrigen Pressekonferenz des LCGB nun auch wieder der OGBL reagieren wird oder ob der Klügere doch irgend wann nachgibt. Die Vertreter des Patronats dürften sich jedenfalls ins Fäustchen lachen...