LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Ministerin Dieschbourg verbindet Waldschadensbericht mit Aussichtauf „Klima-Bonus Programm fir de Bësch“

Die Zeiten sind hart für den luxemburgischen Wald, sogar sehr hart. Seit 1984 gibt es in Luxemburg einen jährlichen Waldschadensbericht, und noch nie waren die heimischen Wälder so geschädigt wie in den letzten beiden Jahren. Nachdem zunächst die Buchen besonders gelitten haben, sind es nun auch die Nadelbäume deren Gesundheitszustand sich rapide verschlechtert - sie sind Opfer des Borkenkäfers geworden.

Der Waldschadensbericht beruht auf der jährlichen Überprüfung von landesweit 51 Parzellen mit insgesamt 1.176 Bäumen. Der Untersuchungszeitraum lag auch 2019 in drei Wochen im Hochsommer. Die luxemburgischen Wälder bestehen zu 70 Prozent aus Laubbäumen, davon die Hälfte Buchen, und zu 30 Prozent aus Nadelbäumen.

Der Zustand der Bäume wird in fünf Kategorien erfasst: Kategorie 0 steht für gesunde Bäume, Kategorie 1 für leicht gestresst und die Kategorien 2,3 und 4 beschreiben stark beschädigte bis tote Bäume. 50 Prozent aller überprüften Bäume fallen in die letzten drei Kategorien, sind also ernsthaft krank oder schon tot.

Wenn man sich die Waldschadensberichte der letzten Jahre anschaut, hatte sich die Quote der kranken Bäume einigermaßen um 30 Prozent stabilisiert, doch der ultratrockene Sommer 2018 hat massiv durchgeschlagen und die Schadensquote nach oben schnellen lassen. Besonders die Buchen, der für Luxemburg typischen Baumart, sind geschädigt - zu 64,9 Prozent. 7,1 Prozent der Buchen sind sogar schon tot oder unrettbar erkrankt. Bei den Nadelbäumen sah es lange so aus, als ob sie von den veränderten klimatischen Bedingungen nicht berührt wurden. Das änderte sich mit dem Sommer 2018, die Zahl der geschädigten Fichten und Tannen verdoppelte sich schlagartig auf 35,5 Prozent. Der Anteil der toten Nadelbäume stieg auf 10,7 Prozent, was fast eine Verdreifachung bedeutet (+279 Prozent) - der Borkenkäfer feierte in den heimischen Wäldern wahre Fressorgien. Zur aktuellen Krise bei den Nadelhölzern wurde vom Umweltministerium schon im Frühjahr eine Task-Force „Borkenkäfer“ eingerichtet.

Was tun?

Umweltministerin Carole Dieschbourg hatte die Vorstellung des Waldschadensberichtes gestern dazu genutzt, um ihre Planungen für die Zukunft vorzustellen: Das „Klima-Bonus-Programm fir de Bësch“ ist zwar noch nicht bis ins Letzte ausgereift, zeigt aber den Weg, der beschritten werden soll.

Mit dem Klima-Bonus-Programm geht es der Umweltministerin darum, vor allem die privaten Waldbesitzer bei einer „nachhaltigen“ und umweltorientierten Waldbewirtschaftung zu unterstützen und ihnen Hilfestellung bei (öko-) systemischen Veränderungen in ihren Wäldern zu geben.

Die drei zentralen Maßnahmen sind Verstärkung von Beratung und Fortbildung, Anpassung der finanziellen Hilfen und ein System, das die Waldbesitzer bei der Auswahl neuer Baumarten berät.

Forschungen zur Resilienz und Diversität

Neben den zum Teil schon geschaffenen rechtlichen Rahmenbedingungen, werden begleitend Forschungsprojekte zur Resilienz bestimmter Baumarten gemeinsam mit Rheinland-Pfalz oder der Wallonie durchgeführt. Auch muss die Frage geklärt werden, welcher Baum passt zu welchem Boden. Es genügt nämlich nicht 1.000 Kilometer weiter südlich wachsende Bäume in unsere Wälder zu verpflanzen, da die Winter immer noch zu kalt sind.

Zusätzlich müssen aufgrund der immer öfter auftretenden Trockenheit Schutzmaßnahmen gegen Waldbrände ausgearbeitet werden und als weitere Maßnahme soll der Wilddruck - viele Bäume leiden unter Verbiss - reduziert werden. Letzteres dürfte nicht ganz einfach werden, da die vorgegebenen Abschussquoten schon heute nicht erfüllt werden. Förster und Jäger liegen bei dem Thema seit langem über Kreuz.

Schluss mit den Monokulturen

Bei der Beratung geht es vor allem darum, die Monokulturen - fast immer Fichten - zu beseitigen und durch andere Sorten bei der Wiederaufforstung, mit einem Mindestanteil von 30 Prozent Laubbäumen, zu ersetzen. Die Fichten-„Plantagen“ befinden sich zu 80 Prozent in Privatbesitz.

Um einen botanische Diversität zu erreichen, setzt die Regierung seit 2017 auf stetig steigende Beihilfen für Neuanpflanzungen. Beihilfen, die bis 100 Prozent reichen, um die Ökosystem der geschädigten Wälder wieder herzustellen.

Das System der Beihilfen für die neue Strukturierung der Wälder wird 2020 komplett überarbeitet und dann der Öffentlichkeit vorgestellt werden.