ESCH-BELVAL
GAST. SPECK

Universität und City Marketing: Rundtischgespräch im Rahmen der „Bistrots du Jeudi“

Im Jahre 1911 wurden die ersten Hochöfen für eines der leistungsfähigsten Stahlwerke Europas in Belval in Betrieb genommen. Nach nicht einmal hundert Jahren Arbeitsablauf wurde 1997 der letzte noch in Luxemburg betriebene Hochofen „B“ stillgelegt. Mitten aus den Relikten der Industriekultur heraus sind die „Cité des Sciences“, öffentliche Forschungszentren, Start-up-Unternehmen sowie Wohnraum und Einkaufsmöglichkeiten entstanden. Angesichts der rasanten Entwicklung auf den früheren Industriebrachen hofft die Gegend um das ehemalige Bergbaurevier auf positive Einwirkungen zur Steigerung der Lebensqualität der im Süden ansässigen Bevölkerung sowie auf eine wirtschaftliche Dynamisierung der ganzen Region. Um über die lokalen und nationalen Langzeitauswirkungen zu diskutieren, hatte die Wochenzeitung „Le Jeudi“ gemeinsam mit der Universität zu einem Rundtischgespräch im Rahmen der „Bistrots du Jeudi“ am Donnerstag in die „Maison des Sciences Humaines“ eingeladen.

Hochschul-Staatssekretär Marc Hansen lobte in höchstem Maße, dass seinerzeit die Entscheidung zum Bau einer Universität getroffen wurde. Damals habe man Mut bewiesen und Visionen in die Tat umgesetzt. Heutzutage könne man sich klare Vorstellungen machen über das, was hier entstand und noch entstehen wird. Bereits jetzt arbeite man mit anderen Fakultäten zusammen, so der Staatssekretär. „Gerne würden wir auch noch Institute aus der Großregion mit einbinden, um später einmal auf internationalem Parkett eine gute Figur abzugeben“. Daran hieße es intensiv zu arbeiten, eine Machbarkeitsstudie zu erstellen und prüfen, ob sie der Komplexität des Unterfangens standhält.

Konzentrierte Kompetenz

Uni-Rektor Rainer Klump hat bereits nach seiner kurzen Amtszeit den Vorteil einer Konzentration von vielen Uni-Gebäuden auf einem einzigen Standort erkannt. Er strebt gemeinsam mit Staat, Gemeinden und Akteuren des Finanzplatzes eine gute Zusammenarbeit im Hinblick auf einen steten Wachstum an Studenten, Lehrern und Verwaltungsbeamten auf Belval an. Bereits zum jetzigen Zeitpunkt seien Personen aus über 100 Nationalitäten vor Ort in irgendeiner Weise tätig. Eine zweite Welle erwartet der Rektor für Ende 2015, wenn die Mathematiker in die „Maison du Nombre“ einziehen. Sein Wunsch ist es, die Universität Luxemburg im internationalen Ranking in 20 Jahren mindestens auf Platz 25 zu sehen.

Eine Opportunität für die Südregion

Die Escher Bürgermeisterin Vera Spautz meinte, man könne die Wirtschaftslage nicht von einem Tag auf den anderen verbessern. Erst einmal müsse man abwarten, bis eine große Menge an Studenten sich auf Uni Belval einlebt und gleichermaßen die Zahl der Geschäfte, Restaurants und Bistrots zunimmt.

Eine große Chance für die Südregion sieht Spautz durch den Neubau des CHEM-Spitals, der dann nach seiner Fertigstellung in etwa acht Jahren gemeinsam mit der Universität den internationalen Standards vollauf genügen werde. Auch ließ sie wissen, dass die Minettemetropole zurzeit mit 22 Prozent jungen Arbeitslosen, doppelt soviel wie in allen anderen Städten des Landes, einen unrühmlichen Rekord halte. Diesem Zustand müsse der Riegel vorgeschoben werden, damit auch minderbemittelte Personen Nutzen aus dem erwarteten Wirtschaftswunder ziehen können.

Der Sassenheimer „Député-maire“ Georges Engel konnte auch nur Gutes über die Ansiedlung der Universität auf Belval berichten. Viel habe man in die Grünanlagen des Park Belval und auch anderer Orts investiert. Es sei nun auch an der Zeit eine neue Grundschule in der Nähe des gemeindeeigenen CIPA zu errichten, damit man ob der ständigen Bevölkerungszunahme nicht plötzlich vor einem Engpass stehe.

Jedenfalls, so Engel, habe man gut verhandelt und sei nun in der Lage seine Projekte bezüglich der vier Ortschaften der Gemeinde umzusetzen. Laut Jean-Jacques Rommes, Direktor des Dachverbands der Patronatsorganisationen UEL, werde die Universität Luxemburg im Laufe der kommenden Jahre zum Motor für Wirtschaft, Wachstum und Internationalität avancieren. Die hier getätigten Investitionen seien kein vergeudetes Geld, sodass ein „retour d’investissement“ bereits in den kommenden Jahren zu erwarten sei. Universitäten die einst in der Isolation versanken, so Professor Michel Kalika, Präsident von BSI Luxembourg asbl, würden längst der Vergangenheit angehören.

Belval hingegen betrachtet er als den absoluten symbolischen Standort, der junge Leute durch seine Attraktivität zum Weilen motiviert. Der luxemburgische Staat und seine Gemeinden wären gut beraten, dafür sorgen, dass die Studenten nach Abschluss ihrer Studien ins Großherzogtum zurückkehrten, um das auf Belval erworbene Wissen beruflich in die Tat umzusetzen.