NEW YORK
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Wie sich die Haltung des designierten US-Präsidenten im Vergleich zum Wahlkampf verändert hat

Klimawandel, Folter, E-Mail-Affäre - müsste man die politische Wandlung nachzeichnen, die Donald Trump seit seinem Wahlsieg vollzogen hat, käme man wohl bei vielen Themen auf eine Kehrtwende von 180 Grad. In einem langen Interview hat sich der künftige US-Präsident den Fragen der „New York Times“ gestellt - und mit sehr zahmen Antworten überrascht. Trump schien stark darum bemüht zu sein, umstrittene Aussagen aus dem Wahlkampf abzumildern. Die Journalisten der Zeitung bescheinigten dem 70-jährigen einen erkennbaren Eifer, seinem Publikum zu gefallen.

KLIMAWANDEL

Damals: „Das Konzept der globalen Erwärmung wurde von und für die Chinesen geschaffen, um US-Produktion nicht wettbewerbsfähig zu machen.“ (Trump in einem Tweet im Jahr 2012). „Globale Erwärmung ist ein teurer Schwindel!“ (Trump in einem Tweet vom Januar 2014).

Heute: „Ich denke, dass es irgendeine Verbindung gibt. (...) Es kommt darauf an, wie viel.“ (Trump über den Zusammenhang zwischen menschlicher Aktivität und Klimawandel). „Ich schaue es mir sehr genau an. Ich habe dem eine offene Haltung gegenüber.“ (Trump dazu, ob er sich aus Verträgen zum Klimawandel zurückziehen werde).

STRAFVERFOLGUNG VON CLINTON

Damals: „Wenn ich gewinne, werde ich meinen Justizminister anweisen, einen Sonderstaatsanwalt Ihrer Situation nachgehen zu lassen, weil es noch nie so viele Lügen, so viel Täuschung gegeben hat“ (Trump zu Clinton in einer TV-Debatte am 9. Oktober 2016)

Heute: „Es ist einfach nichts, das mir sehr wichtig ist. (...) Ich denke, es wäre sehr, sehr spalterisch für das Land.“ (Trump zu einer strafrechtlichen Verfolgung der Clintons).

BEN CARSON

Damals: Trump vergleicht den pensionierten Neurochirurgen Carson unter Berufung auf Anekdoten über gewalttätiges Verhalten in dessen Memoiren mit dem einer Person, die Kinder sexuell missbraucht. „Es steht in dem Buch, dass er ein pathologisches Temperament hat. (...) Das ist ein großes Problem, weil man das nicht heilt (...) als ein Beispiel: Kinderschändung. Man heilt diese Leute nicht.“ (Trump am 12. November 2015 in einem Interview des Senders CNN).

Heute: „Ich ziehe ernsthaft Dr. Ben Carson als Leiter des HUD (US-Ministerium für Wohnbau und städtische Entwicklung) in Betracht. Ich habe ihn gut kennen gelernt - er ist eine sehr talentierte Person, die Menschen liebt!“ (Trump in einem Tweet vom 22. November 2016)

US-PRÄSIDENT BARACK OBAMA

Damals: „Er wird als einer der schlechtesten Präsidenten in der Geschichte unseres Landes untergehen.“ (Trump in einem Interview des Senders NBC vom 27. Juli 2016).

Heute: „Ich mochte ihn wirklich sehr.“ (Trump, als er sich an ein Treffen mit Obama im Weißen Haus im November 2016 erinnerte).

DIE „NEW YORK TIMES“

Damals: „Kein Blatt ist korrupter als die scheiternde New York Times. Die gute Nachricht ist, sie scheitert, sie wird nicht allzu viel länger existieren. Aber sie sind wirklich, wirklich schlechte Leute.“ Trump bei einer Kundgebung am 14. Oktober 2016).

Heute: „Ich habe großen Respekt für die New York Times. Ich habe gewaltigen Respekt.“ Trump fügt aber hinzu: „Ich denke, ich bin sehr hart behandelt worden.“

HANDEL

Bei diesem Thema bleibt Trump auf seiner Linie: Er hat sehr stark Stimmung geschürt gegen internationale Handelsverträge. Das brachte ihm großen Rückhalt im industriell geprägten Nordosten der USA ein, dem einst florierenden und inzwischen vom wirtschaftlichen Abschwung gebeutelten „Rostgürtel“.

In einer Videobotschaft kündigte er nun an, sofort aus dem transpazifischen Handelsabkommen TPP aussteigen zu wollen - und zwar im Rahmen einer präsidentiellen Anordnung. Das TPP-Abkommen ist von zwölf Staaten einschließlich den USA unterzeichnet worden, aber noch nicht in Kraft. Der Abschluss war ein Herzstück der Agenda von Obama, der damit die wirtschaftlichen Verbindungen der USA zu Asien stärken wollte.

STELLUNGNAHME ZUR „ALT RIGHT“-BEWEGUNG

Trump distanziert sich von rechten Bewegungen und setzt auf Einheit

Der designierte US-Präsident Donald Trump bestreitet, rechte Gruppierungen in den USA zu unterstützen. „Ich gebe ihnen keinen Auftrieb, und ich will mit ihnen nichts zu tun haben“, sagte Trump im Interview der „New York Times“. Sein Land sei zutiefst gespalten. Er wolle es einen.

Trump verteidigte in dem Interview auch seinen künftigen Strategiechef im Weißen Haus, Stephen Bannon, gegen den Vorwurf, dieser sei ein Rassist. „Wenn er Rassist oder ein Rechter oder was auch immer in dieser Richtung wäre, würde ich überhaupt nicht darüber nachdenken, ihn zu beschäftigen.“ Bannon steht wegen nationalistischer Verlautbarungen der Seite Breitbart News, deren Chef er war, in der Kritik. Für Trump ist Breitbart aber „im Grunde nur eine Zeitung“, sagte er. „Sie behandelt rechte Themen, aber sie behandelt auch linke Themen.“ Nach einer Konferenz von Neonazis am Wochenende in Washington gefragt, sagte Trump, er verdamme das und wolle nichts damit zu tun haben. Bei dem Treffen hatten Anwesende den Hitlergruß gezeigt und „Heil Trump“ gerufen, wie Videoaufzeichnungen belegen.

Der Name „Alt Right“ in den USA ist eine Abkürzung der Website AlternativeRight.com und bedeutet in etwa „alternative Rechte“. Die ultrarechte Bewegung zählt einige tausend Anhänger. Sie ist offen rassistisch und bedient sich rechtsradikaler Ideologien. Die „Alt Right“ spricht von einer auch intellektuellen „Überlegenheit einer weißen Rasse“, die sie gleichwohl von Nicht-Weißen bedroht sieht. Sie spricht sogar von einem Genozid an Weißen und hat einen rein weißen „Ethnostaat“ zum Ziel. Die „Alt Right“ sehen die USA von sogenannten Kulturfremden unterwandert. Sie beklagt ein Schrumpfen christlicher Weltanschauungen. Das Weltbild ist auch antisemitisch.