LUXEMBURG
BILL WIRTZ

Warum sich Autohersteller für die Doktorarbeit von Félix Urbain interessieren

In der Diskussion um Alternative Energien und ihre Nutzung geht es sehr oft um Transportmöglichkeiten. Immer mehr wird das klassische Benzin- und Dieselauto durch neue Techniken ersetzt, sei es Hybrid- oder Elektroauto. Eine der Alternativen sind Autos, die mit Wasserstoff betrieben werden, und die durch einen luxemburgischen Wissenschaftler attraktiver werden könnten.

Félix Urbain hat einen Mastertitel in Materialwissenschaften und in Betriebswirtschaftslehre von der Universität Aachen, sowie einen Doktortitel in Materialwissenschaften von dergleichen Uni. Der 31-jährige Luxemburger schrieb seine Doktorarbeit über die Produktion von Wasserstoff, und wurde wegen dieser Recherche und seiner weiterführenden Arbeit im Institut für Photovoltaik im Forschungszentrum Jülich mehrmals ausgezeichnet. Sein Name tauchte aber auch schon mehrfach in der luxemburgischen Presse auf, nachdem er den Jülicher Exzellenzpreis 2017, die Borcher Plakette der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule in Aachen und den Forschungspreis im Bereich Wasserstoff des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen erhalten hatte.

Effizienz weiter gesteigert

Doch was genau hat Félix Urbain entwickelt? Die einfachste Erklärung wäre, dass es sich um ein photoelektrochemisches Gerät auf Basis einer Multi-Stack-Silizium-Solarzelle handelt, die nach dem Prinzip der künstlichen Photosynthese direkt aus Sonnenlicht Wasserstoff erzeugt und sich vergleichsweise kostengünstig herstellen lässt.

Wasserstoff regenerativ zu erzeugen war bislang teurer und weniger effizient als Wasserstoff beispielsweise aus Erdgas zu gewinnen, doch mit einer Rekordumwandlungseffizienz von fast zehn Prozent hat Félix die Effizienz entsprechender siliziumbasierter Module deutlich gesteigert. Laudator Dr. Friedhelm Finger vom Forschungszentrum Jülich beschreibt den Erfolg des luxemburgischen Wissenschaftlers als einen „internationalen Rekord“. Wer sich die wissenschaftlichen Papiere der Arbeit durchliest, kommt schnell an seine intellektuellen Grenzen. Im Gespräch mit Félix merkt man aber schnell, dass er die Erklärungen zum Gebrauch von Wasserstoff so verdaulich wie möglich gestaltet. „Ich mag es, die Resultate meiner Arbeit zu erklären, ob es nun Kollegen in meinem Recherchefeld sind, oder Menschen, die vom Thema noch nichts verstehen.“

Die Pädagogik scheint der Wissenschaftler, der inzwischen als Forscher in Barcelona lebt und arbeitet, in der Tat parat zu haben. In der Industrie würde Wasserstoffenergie sehr viele interessieren: „Es ist schon erstaunlich: Vor wenigen Jahren hätte Wasserstoff niemanden interessiert, doch heute sind unsere kleinsten Erfolge schnell im Blick von großen Unternehmen. Man merkt, dass beim Energieverbrauch Großes im Wandel ist.“

Wenn es um Wasserstoffautos geht, erkennt Félix an, dass es in den meisten Ländern weitestgehend noch an der Infrastruktur fehlt um die Autos aufzutanken. Es würde momentan noch an Zivilcourage fehlen, damit Wasserstoff im Transportwesen den Durchbruch schaffen würde. Félix Urbain macht aber eines klar: „Wenn wir alle Faktoren mit einberechnen, darunter zum Beispiel, dass Batterien von Elektroautos auch aufwändig produziert und entsorgt werden müssen, dann kann ich mit Überzeugung sagen, dass Wasserstoff die umweltschonendste Alternative ist.“

Autohersteller an Erfindungen interessiert

Inzwischen forscht Félix an der Umwandlung von Kohlenstoffdioxid. Hierbei geht es darum, CO2 zu recyceln und es in Methanol verwandeln, das als Treibstoff genutzt werden kann. In der Tat sind viele Autohersteller an solchen Erfindungen interessiert, und obwohl es erste Erfolge gibt, wäre der Preis der besagten Treibstoffe noch nicht konkurrenzfähig. Félix sagt hierzu: „Es ist ein richtiger Wettbewerb. Wer erfolgreich und effizient Kohlenstoffdioxid recyceln kann, wird den Markt dominieren.“

Der Erfolg, den Félix Urbain hatte, war schon manchmal überwältigend: „Ich war immer nur ein Student, doch jetzt halte ich Vorträge und werde fürs Forschen bezahlt. Von der Doktorarbeit zu jemanden, der sein eigenes Gesicht groß in der Zeitung sieht, das haut einen doch ein wenig um. Das Interesse ist sehr groß, und ich werde weiter forschen!“

Zwei Jahre wird der junge Luxemburger zunächst einmal in Barcelona bleiben. Wie es dann weiterginge, wüsste er noch nicht: „Ich werde das tun, was mir gefällt. Diese Flexibilität ist schon toll.“ Auf die Frage hin, welches Auto er selbst fahren würde, sagt Félix lachend: „Hier in Barcelona fahre ich mit dem Fahrrad.“