LUXEMBURG
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Blaualgen, Nitrate und Co.: Mehr Schutz vonnöten - Neue Schutzzone ist Abhilfe schaffen

Wenn das Wetter wärmer wird, kann man fast schon die Uhr danach stellen. Die Badeseen werden gesperrt, weil wieder einmal Blaualgen aufgetreten sind. Gestern hatte Umweltministerin Carole Dieschbourg in ihr Ministerium eingeladen, um über das Phänomen zusammen mit Staatssekretär Claude Turmes und Christian Penny vom „Luxembourg Institute of Science and Technology (LIST)“ aufzuklären und auch Maßnahmen in Bezug auf die Cyanobakterien, wie die Blaualgen wissenschaftlich genannt werden, vorzustellen.

In den Monaten Juli und August kommen sehr oft Blaualgen in großen Massen vor. Sie rufen dann das Umweltministerium und das Wasserwirtschaftsamt auf den Plan, die zuständig für die Sperrung von Badeseen sind. Wie auch in diesem Jahr wieder - es sei ein Weckruf, wie Dieschbourg betonte. „Es geht darum, unser wichtigstes Trinkwasserreservoir zu schützen“, sagte die Ministerin. Und so „das Trinkwasser für die Zukunft zu schützen und zu garantieren, dass wir optimal mit dem Thema umgehen.“

Doch der Stausee muss auch bezüglich Stromgewinnung und Tourismus herhalten. „Aber vor allem sind 70 Prozent der Bevölkerung hier bezüglich der Wasserversorgung angeschlossen, 50 Prozent der Trinkwassermenge werden hier gewonnen.“ Penny beschrieb die Situation vor Ort am See. Sehr früh habe man nun auch noch eine Präsenz der Algen in den Weihern von Weiswampach festgestellt, wie Penny erklärte. Seither sei auch die Überwachung verstärkt worden, noch gestern Morgen seien die Weiher von Remerschen überprüft worden, „hier besteht noch keine Gefahr“, sagte Penny.

Durch die Lage des Sees und die Beschaffenheit des Geländes sei es bei entsprechender Wetterlage möglich, sehr schnell einen solchen „Anstieg der Blaualgen zu bekommen.“ Von einer Einleitung in den See könne man nicht ausgehen, für die Trinkwasserentnahme würden aber keine Bedenken bestehen, unterstrich Penny. Analysen auf den unterschiedlichsten Ebenen der Trinkwassergewinnung haben gezeigt, dass keine Toxine im Wasser vorhanden sind.

Wichtigste Präventionsmaßnahme: das Schutzgebiet

Wenn die Bakterien massenhaft wie im Stausee in der obersten Wasserschicht auftreten, produzieren sie eine Vielzahl von Chemikalien, Antibiotika, Hormonen und Toxinen, die auch Fische und Plankton schädigen können. Einige dieser Toxine gehören zu den stärksten natürlichen Giften und können auch für Menschen gesundheitsgefährdend sein, wie gestern die Verantwortliche ausführten. „Die Konzentration der Giftstoffe kann bei Menschen zu Hautreizungen, beim Verschlucken auch zu Übelkeit und Erbrechen führen. Tiere wie Rinder, Hunde oder Enten, die das Wasser getrunken haben, können sogar sterben“, sagte Penny.

Was somit angestrebt werden müsse, sei ein besserer Schutz um den Stausee herum, „im Einzugsgebiet des Sees.“ Stichwort: Wasserschutzzonen. Es komme daher auf Ursachenforschung und -bekämpfung an. „Es sind schon viele Maßnahmen getroffen worden“, sagte Dieschbourg mit Blick auf die Kläranlagen und die Anlage von SEBES. Auch die Zusammenarbeit mit Belgien habe hier entsprechend Früchte getragen. Das schnelle Handeln der Regierung und eine entsprechende Informationspolitik habe darüber hinaus dazu beigetragen, dass es zu keine (Personen-)Schäden gekommen ist, denn der Schutz der Bürger sei natürlich ein Hauptziel.

Die wichtigste Präventionsmaßnahme sei aber die Trinkwasserschutzzone rund um den See, die am 22. Juni verabschiedet wurde „und die aber nicht von heute auf morgen entsteht. Hier muss nun geschaut werden, dass bestimmte Produkte und ihre Abfallprodukte vermindert und gar ganz verboten werden.“ Die Aufbereitung durch SEBES sei zwar hervorragend, aber je mehr aufbereitet werden muss, umso teurer werde der Preis für Trinkwasser. Hier sprach Dieschbourg die Pestizide und Nitrate an. „Denn die Bürger müssen darauf zählen können, dass wenn sie den Wasserhahn aufdrehen auch sauberes Wasser bekommen.“ In den letzten drei Jahren seien hier bereits 1,2 Millionen Euro in Kooperation mit der Landwirtschaft in den Schutz investiert worden. So sind aber bei einer solchen Ausweisung viele Studien und Untersuchungen notwendig, bevor die Regierung eine solche Zone ausweisen kann - und die Vorlage sei nun bei den Gemeinden, wobei auch die Bürger ihre Sicht der Dinge mitteilen können.

Ohne Pestizide, das muss das Ziel sein

„Und doch ist noch viel zu tun“, sind doch immer noch viele Toxine und Pestizide zu finden. Doch das Verständnis auch bei der Landwirtschaft sei gewachsen, so Dieschbourg, mit dem Hinweis, dass auch „Privatleute, nicht nur die Landwirtschaft, über die Förderfibel Zuschüsse beantragen können, um einen Beitrag zum Wasserschutz zu liefern.“

Es sei doch verständlich, dass man in einem Schutzgebiet Pestizide nicht zulassen kann, es handele sich um ein „übergeordnetes Gut“, sagte Turmes, „und da müssen die Politiker an einem Strang ziehen.“ Beeinträchtigungen würden entsprechend entschädigt, man mache dies aber für das Trinkwasser von heute und auch das Trinkwasser von morgen, „aktuell eben für 400.000 Leute“, sagte Turmes.

Auf Kritik von betroffenen Bauern führte die Regierung aus, dass man das Gesetz geändert habe, damit noch mehr Entschädigungstöpfe geöffnet wurden, die entsprechenden Gelder zur Verfügung stehen. Denn wer „Dienste für die Allgemeinheit leistet, der soll auch von der Allgemeinheit im Bedarfsfall entschädigt werden“, sagte Dieschbourg, auch wenn man entsprechende Ängste verstehen würde. Auch in Weiswampach müsse man nun schauen, wieso das Blaualgen-Aufkommen jetzt so schnell kam - „und auch hier sicher mit der Landwirtschaft sprechen“, schloss Turmes.

Der grüne Nord-Abgeordnete Gérard Anzia warnte gestern in einer Stellungnahme davor, mit diesem Thema „Wahlkampfpolemik und Parteipolitik“ zu betreiben. Denn es gebe nun einmal keine Alternative zum Trinkwasserschutz.

Weitere Infos unter www.waasser.lu