DIFFERDINGEN
CORDELIA CHATON

Die Designerin Lea Schroeder hat ihren Weg über die Luxusindustrie nach Luxemburg zurückgefunden

Lea Schroeder hat das gemacht, wovon viele junge Frauen träumen: Sie ist Künstlerin, Designerin und Unternehmerin. In ihrem Studio im 1535° Creative Hub in Differdingen stellt sie ihre Werke aus: fantasievolle Vogel-Skulpturen, getöpferte Vasen und Amphoren, die an Longwy erinnern, allerlei Grafiken oder Seidentücher in zarten Farben.

„Ich habe schon als Kind viel gebastelt und herumexperimentiert, seit ich vier Jahre alt bin“, lächelt die Luxemburgerin. Doch in der Schule fehlte mir das kreative Werkeln, da ich ein Abitur in Wissenschaften absolvierte und auch viel Zeit im Musik Konservatorium verbrachte. „Ich glaube, dass ich genau deshalb Design-Studien gewählt habe, um meiner Leidenschaft zu folgen.“

Der Weg dorthin führte nach Paris, zur Designschule Créapôle, die Lea Schroeder während einer Studentenmesse entdeckte. „Dort wurde ich im Art Design ausgebildet, ein Bereich, der auf den Luxusmarkt vorbereitet“, wie sie unterstreicht. Nach einem Master in Paris ging Lea Schroeder noch nach Mailand, um sich im Accessoire-Design zu spezialisieren. Nach Praktika in Agenturen die für Louis Vuitton und Hermès arbeiten, designte sie schließlich fünf Jahre lang für das Luxus-Taschenlabel Lancel. „Man braucht einen langen Atem, um in diesem Bereich Fuß zu fassen“, gibt Lea Schroeder zu. Ihr Glück: Sie begann gemeinsam mit einer neuen Art-Direktorin, die ihr unter anderem den Auftrag für Seidentücher gab. Über 50 Muster entwarf Lea Schroeder für eine Kollektion. „Ich flog monatlich nach Italien um im Werk die Farben zu kontrollieren – und am Wochenende töpferte ich zur Entspannung“, sagt sie.

Ausstellung als Erfolg

Doch irgendwann stellte sie sich die Frage, wie es weiter geht, wie weit sie ihre eigene Kreativität bei einer großen Marke ausleben kann. Zu diesem Zeitpunkt lancierte das Luxemburger Kulturministerium die Ausstellung „Intro“ im „Konschthaus beim Engel“. Lea Schroeder stellte rund 40 Exponate aus – mit großem Erfolg. „Die Reaktionen waren sehr positiv“, erinnert sie sich. „Da habe ich gespürt, dass das der Weg war, den ich gehen wollte.“ Doch einfach war der Umschwung nicht. Schließlich hatte die Künstlerin nach zehn Jahren in Paris ihr ganzes Leben dort aufgebaut und war, wie sie sagt, „ein Großstadtmensch geworden.“ Auf der anderen Seite fühlte sie sich wie in einer Maschinerie. Und so wagte sie vor drei Jahren den Sprung in die Selbstständigkeit.

„Ich habe für den 1535° Creative Hub kandidiert, weil es hier eine Vielfalt an Unternehmen unterschiedlicher Metiers und Reifegrade gibt. Es war wie ein Traum hier ein eigenes Atelier zu haben und eine ausschlaggebende Hilfe bei der Entscheidung, Paris für Luxemburg zu verlassen. Ich musste viele Herausforderungen bewältigen und dann kam auch noch COVID 19“, berichtet sie. „Aber als Selbstständiger muss man ständig neue Lösungen finden und den Mut haben, machmal seine Energie anders einzusetzen.“

Die ersten zwei Jahre waren intensiv. Lea Schroeder arbeitete rund um die Uhr, auch an den Wochenenden und setzte darauf, erstmal viel zu fertigen: Objekte aus Keramik und Leder, aber auch Tücher und Grafiken. Erste Erfolge stellten sich schnell ein. Für die Biennale des Kunsthandwerks 2018 unter dem Thema „Gesten und Wunder“ präsentierte Lea Schroeder ein Trio aus Keramik-Vögeln, bestehend aus sieben unabhängigen Tonskulpturen, und gewann dafür den Publikumspreis. Die verwendeten Techniken erinnern an Schmuck: mit geschliffenen Steinen gefasst, auf Draht aufgereihte Perlen oder raffinierte Granulierungen. Vor der Realisierung der handgeformten Skulpturen hat sich die Gestalterin drei Märchen ausgedacht, in denen der Vogel jedes Mal der Hauptprotagonist ist und seine eigene Moral mitbringt.

Mehr als Keramik

Aber Lea Schroeder macht weit mehr als Keramik. Gerade hat sie die Illustrationen für das Buch „Kanner, o Kanner, o quel bonheur“ des Vereins „Momenter Intensiv Liewen“ (MIL) beendet, der sich besonders für ein Kulturangebot für Demenzkranke einsetzt. In bunten Farben bringt die Künstlerin darin luxemburgische Lieder zum Leuchten. Das Liederbuch ist ab Oktober bei der Buchhandlung Ernster erhältlich.

Darüber hinaus ist Lea Schroeder für Esch 2022 ausgewählt worden; das Angebot der Kulturhauptstadt im übernächsten Frühjahr. „Gemeinsam mit der Architektin Anouck Pesch haben wir eine von elf Herbergen entlang eines Wanderweges entworfen, die man mieten kann. Manche davon werden auch nach dem Kulturjahr noch bleiben“, verrät sie.

Dazwischen ist Lea Schroeder in ihrem Atelier aktiv. „Mehr und mehr Leute bestellen bei mir persönliche Artikel“, freut sie sich. Da ist das Ehepaar, dass aus einem Tonabdruck des schwangeren Bauches ein Kunstwerk mit buntem Innenleben schaffen lässt, die Freundin, deren Hund gestorben ist und die eine Skulptur zur Erinnerung erhält oder auch eine spezielle Kunstkugel. „Damit die Kunden sich das Resultat vorstellen können, liefere ich Skizzen und realistische Vor-Projekte die ich auf Photoshop gestalte“, erklärt Lea Schroeder. Daneben hat sie gerade im MOB-ART Studio in Luxemburg bei der Ausstellung „women only“ Werke gezeigt und wird Ende September in der Galerie H2O der Stadt Differdingen ausstellen.

Damit das alles läuft, macht Lea Schroeder Werbung auf den sozialen Netzwerken. „Denn Mund-zu-Mund-Propaganda allein würde nicht reichen. Marketing und Kommunikation werden immer wichtiger.“ Es ist genau diese Dimension des Unternehmens, die sie begeistert: ihre Projekte 360° auszuführen und sich so jeden Tag weiter zu bilden. „Mit der Zeit wird es ein Spiel täglich neue Aufgaben zu bewältigen und sich durch die Leidenschaft am Gestalten und konkrete Aufträge von Kunden immer wieder neu zu entdecken. In diesem Bereich gibt es keine vorgegebene Route, der Weg ist das Ziel.“

Einen Überblick über Produkte gibt es auf ihrer Webseite www.leaschroeder.studio – oder einfach bei einem Besuch mit Termin vor Ort