LONDON
CHRISTIAN SPIELMANN

Das Musical „Dreamgirls“ erstmals in London

Henry Krieger komponierte das Musical „Dreamgirls“, während Tom Eyen das Buch und die Texte schrieb. Die Show eröffnete am 20. Dezember 1981 am Broadway und war mit 1521 Vorstellungen ein Hit. Das Musical wurde ein Jahr später mit sechs Tony Awards ausgezeichnet. Bill Condon verfilmte es 2006 mit Jennifer Hudson, die mit einem Oscar ausgezeichnet wurde, Jamie Foxx, Eddie Murphy und Beyoncé Knowles. Seit November 2016 ist die Show erstmals in London im Savoy Theatre zu sehen. Der mit dem Tony Award als bester Regisseur für „The Book of Mormon“ ausgezeichnete Casey Nicholaw inszenierte und choreografierte die Londoner Fassung.

Gnadenloses Showbusiness

1962 macht die Girlgroup „Dreamettes“ aus Chicago bei einem Amateurwettbewerb auf sich aufmerksam. Den drei Sängerinnen Effie (Karen Mav), Deena (Liisi LaFontaine) und Lorrell (Ibinabo Jack) bietet der Autoverkäufer Curtis Taylor Jr. (Joe Aaron Reid) seine Hilfe an und wird ihr Manager. Er engagiert ebenfalls C.C. (Tyrone Huntley), Effies Bruder, der ihre Songs komponiert. Als Backgroundsängerinnen bei Popstar James „Thunder“ Early (Adam J. Bernard) beginnt ihre Karriere, bis sie mit „Steppin‘ to the Bad Side“ einen ersten Hit landen. Taylor nennt die Gruppe nun in „Dreams“ um und macht Deena zur Leadsängerin. Effie ist enttäuscht und verlässt die Gruppe, um eine eigene Karriere zu starten. Sie wird durch Michelle (Lily Frazer) ersetzt. Auf getrennten Wegen vergehen die Jahre. 1972 kommt es zu einem neuen Streit mit Taylor um den von C.C. komponierten Song „One Night Only“, der in Effies Fassung ein Hit wird. Dies ist die Gelegenheit für Effie und Deena sich zu versöhnen.

Ohrwurm-trächtig

Musikalisch bietet das Musical etliche Ohrwürmer, unter anderem die Songs „Move“, „Dreamgirls“, „I am Changing“ und der aus dem Film stammende „Listen“, der in die Londoner Fassung eingefügt wurde. In London steht normalerweise Amber Riley, die aus der TV-Serie „Glee“ bekannt wurde, als Effie auf der Bühne. In der besuchten Vorstellung wurde Effie von Zweitbesetzung Karen Mav gespielt, die mit Leidenschaft und toller Stimme sicher ein ausgezeichneter Ersatz war. Bemerkenswert auch Liisi LaFontaine als Deena.

Immer wieder wurde die Geschichte von Effie und ihren Freundinnen mit der Biografie von Diana Ross und den Supremes verglichen, obwohl Krieger und Eyen stets beteuerten, sich nicht an dieser inspiriert zu haben. Die oft unlauteren Machenschaften im Showbusiness werden deutlich angeprangert. Deswegen gibt es viele Dialogszenen, welche volle Aufmerksamkeit benötigen, da ansonsten alle Finessen der Machtkämpfe zwischen Taylor und Effie verloren gehen.

Der Wechsel zwischen Dialogszenen und Gesangseinlagen geht reibungslos über die Bühne, dank einer ausgefeilten Technik, bei der vor allem bewegliche Kulissenteile zum Einsatz kommen, hinter denen das Ensemble problemlos einen Szenenwechsel vornehmen kann. „Dreamgirls“ lebt von den grandiosen Stimmen des ganzen Ensembles und den herrlichen Songs und ist somit den Besuch im Savoy Theatre am Strand wert.


Weitere Informationen unter www.dreamgirlswestend.com - Ticketreservierung vorab empfohlen