LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

In Luxemburg gibt es Ableger des deutschen Verbandes - Erste Veranstaltung am 23. Februar

Björn Bronger hat zur Zeit viel zu tun. Neben seiner hauptberuflichen Tätigkeit für eine europäische Organisation ist Bronger seit langem ehrenamtlich in Gremien des Wirtschaftsrates tätig. Dieser Verband setzt sich seit 1963 in Deutschland für die Interessen von Unternehmern und für eine soziale Marktwirtschaft im Sinne Ludwig Erhards ein. Der Wirtschaftsrat ist jetzt auch in Luxemburg vertreten, wie Bronger unserer Zeitung gegenüber exklusiv berichtet.

Herr Bronger, warum gibt es jetzt einen Wirtschaftsrat in Luxemburg?

Björn Bronger Wir haben schon verschiedene Mitglieder hier und sind bisher auch schon in Brüssel, London und New York vertreten. Aufgrund der europäischen und wirtschaftlichen Bedeutung Luxemburgs lag es nur nahe, dass der Wirtschaftsrat auch in Luxemburg vertreten ist. Die im September 2016 von der Landesfachkommission „Internationaler Kreis“ des Wirtschaftsrates in Hessen gegründete Arbeitsgruppe Luxemburg soll den Wirtschaftsrat und seine Mitglieder in Luxemburg repräsentieren. Das Mandat zielt dabei insbesondere auf die Mitgliedergewinnung und Mitgliederbindung bisheriger Mitglieder ab, die in Luxemburg leben und oder wohnen. Das soll insbesondere durch Veranstaltungen und, zu einem späteren Zeitpunkt, inhaltliche Arbeit geschehen.

Warum ist Luxemburg für den Wirtschaftsrat interessant?

ZUR ORGANISATION

Der Wirtschaftsrat

Der Wirtschaftsrat Deutschland ist ein bundesweit organisierter unternehmerischer Berufsverband mit derzeit rund 11.000 Mitgliedern, der 1963 gegründet wurde. Er bietet seinen Mitgliedern eine Plattform zur Mitgestaltung der Wirtschafts- und Gesellschaftspolitik im Sinne der Sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhards. Der Wirtschaftsrat vertritt Interessen der unternehmerischen Wirtschaft gegenüber Politik, Verwaltung und Öffentlichkeit und ist politisch unabhängig, steht aber der konservativen CDU nahe. Er finanziert sich ausschließlich durch die Beiträge der Mitglieder. Diese können sowohl als Privatpersonen als auch als Firmen Mitglieder sein. Der Wirtschaftsrat versteht sich als Interessenvertretung der Führungskräfte in der Wirtschaft. Für sie organisiert er in Deutschland pro Jahr rund 2.000 stattfindenden Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen, und insbesondere im direkten Dialog mit Politikern auf Europa-, Bundes- und Länderebene sowie mit anderen gesellschaftlichen Gruppen.

Bronger Luxemburg nimmt zum einen mit seinen zahlreichen Europäischen Institutionen, Organen und sonstigen Einrichtungen wie dem Europäischen Gerichtshof, dem Europäischen Rechnungshof, der Europäischen Investitionsbank, dem Europäischen Stabilitätsmechanismus (ESM), dem Sekretariat des Europäischen Parlaments und Dienststellen der Europäischen Kommission eine herausragende Bedeutung in dem europäischen Integrationsprozess ein. Zum anderen ist der Luxemburger Finanzplatz einer der bedeutendsten weltweit. Neben Repräsentanzen von Banken aus aller Welt finden sich vor allem mehr als 4.000 Investmentfonds mit einem Anlagevolumen von 3,6 Billionen Euro in Luxemburg, womit Luxemburg nach den USA der zweitgrößte Fondsstandort weltweit ist. Die Arbeitsgruppe des Wirtschaftsrates in Luxemburg ist sich seiner europäischen und wirtschaftlichen Lage bewusst und hat sich diese daher zum Schwerpunkt ihrer Agenda gemacht

Was will die Arbeitsgruppe des Wirtschaftsrates hier machen?

Bronger Zunächst findet ein erstes Treffen am 23. Februar statt. Dann wird sich die nationale Gruppe konstituieren. Neben nationalen Veranstaltungen sind derzeit einige Delegationsreisen geplant. Die erste Delegationsreise soll vom 5. bis 7. Oktober 2017, Donnerstagabend bis Samstag, nach Frankfurt stattfinden. Darüber hinaus wird eine Delegation des Wirtschaftsrates aus Frankfurt die neu gegründete Arbeitsgruppe in Luxemburg besuchen. Während letztere schwerpunktmäßig von den Europäischen Einrichtungen empfangen werden sollen, ist für Teilnehmer der Delegation der Arbeitsgruppe Luxemburg ein Treffen mit hochrangigen Vertretern aus der Wirtschaft und Politik in Frankfurt geplant. Charakteristisch für Luxemburg setzen sich die Mitglieder der Delegationsreise aus dem öffentlichen, den europäischen sowie dem privaten Sektor zusammen.

Sehen Sie sich als Konkurrenz zur Deutsch-Luxemburgischen Wirtschaftsinitiative?

Bronger Nein, auf keinen Fall. Ich sehe da vielmehr zahlreiche Synergieeffekte und eine mögliche Zusammenarbeit. Wir würden uns freuen, wenn sich hier die Möglichkeit von gemeinsamen Veranstaltungen ergeben würde. Ein Vorteil des Wirtschaftsrates ist es ja, dass hinter uns ein eigenes Büro mit Mitarbeitern steht. Das erleichtert vieles bei der Organisation.

Mit welchem Erfolg rechnen Sie hier vor Ort?

Bronger Nun, wir haben ja schon Mitglieder hier. Auch in Brüssel ist der Wirtschaftsrat vor 20 Jahren in kleinem Kreis gegründet worden und hat nunmehr über hundert Mitglieder und eine eigene Geschäftsstelle. Aufgrund der europäischen und wirtschaftlichen Bedeutung Luxemburgs bin ich auch zuversichtlich - der Rest wird sich zeigen.

Die Arbeitsgruppe des Wirtschaftsrates Luxemburg trifft sich am 23. Februar 2017 um 19.00 erstmals zu einem kleinen Get-together in Luxemburg-Stadt. Für Getränke und Speisen wird ein Unkostenbeitrag von 30 Euro in Rechnung gestellt. Weitere Informationen und eine Einladung gibt es unter lv-hessen[at]wirtschaftsrat.de, www.wirtschaftsrat.de