COLETTE MART

Die für heute vorgesehene Orientierungsdebatte um das Nationalitätengesetz in der Abgeordnetenkammer, sowie eine Umfrage darüber, ob die Bürger dem Ausländerwahlrecht positiv gegenüber stehen, rühren an die grundsätzliche Frage, inwiefern wir Nicht-Luxemburgern den gleichberechtigten Zugang zu unserer Gesellschaft gewähren. Wie sich heraus stellt werden drei von vier Betrieben mittlerweile von Nicht-Luxemburgern gegründet, und sieben von zehn Beschäftigten sind ebenfalls Nicht-Luxemburger. Parallel zu dieser sozial akzeptierten Internationalisierung und Regionalisierung unserer Wirtschaft, sowie der Präsenz europäischer Institutionen, wurde eine Debatte um unsere kulturelle Identität angekurbelt. Und das ist auch gut so. Die Multikulturalität ist eine politische Herausforderung. Der gleichberechtigte Zugang zum Arbeitsmarkt wird durch die Anforderungen der Mehrsprachigkeit relativiert. Besonders im Bereich der Schulpolitik stellt sich die grundsätzliche Frage der Chancengleichheit aller Kinder. In der öffentlichen Debatte wird die mangelnde Chancengerechtigkeit in unseren Schulen oft an der Multikulturalität festgemacht.

In Wirklichkeit bedingt jedoch eher der soziale Status der Eltern die Chancen eines Kindes. Nicht-luxemburgische Kinder aus weniger privilegierten sozialen Schichten haben es demgemäß schwerer in unseren Schulen, aus sozialen und sprachlichen Gründen, und dies trotz zahlreicher Bemühungen seitens der Politik. Demgemäß also hätten wir uns in Sachen Integration von Nicht-Luxemburgern nichts vorzuwerfen? Oder aber, einmal anders gefragt: was könnte uns denn die Ausdehnung des Wahlrechts für Ausländer auf die Parlamentswahlen noch bringen? Zuerst einmal wäre zu unterstreichen, dass 70% der Einwohner dies befürworten, allerdings nur 59% der Luxemburger. Die Ausdehnung des Wahlrechts auf die Parlamentswahlen würde nationale Politiker, und jene die es werden wollen, dazu ermutigen, sich näher mit den Problemen von Nicht-Luxemburgern zu befassen.

Sie fühlen sich nämlich längst nicht immer gut. Noch immer bleibt die Multikulturalität ein Nebeneinander, dies sowohl in nachbarschaftlichen, freundschaftlichen als auch kulturellen Beziehungen. In Betrieben und Verwaltungen sind Nicht-Luxemburger zwar präsent, spüren jedoch weiterhin die bestehenden Netzwerke zwischen Luxemburgern und fühlen sich manchmal diskriminiert. Andererseits beklagen sich manche Luxemburger darüber, dass sie vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind, während Nicht-Luxemburger gute Stellen besetzen. Die Integration ist also eine sensible Debatte, die uns permanent beschäftigt.

Luxemburger, wie auch Nicht-Luxemburger, können sich diskriminiert und ausgegrenzt fühlen in einem Umfeld, das ihnen vielleicht fremd, oder überfremdet erscheint. Vielleicht hat ja hier auch der kalte Wind, der in der Gesellschaft weht, seinen Beitrag dazu geleistet. In einem solchen Kontext sind weitere Schritte zur nationalen Kohäsion, wie zum Beispiel der erleichterte Zugang zur Nationalität, oder die Ausweitung des Wahlrechts, durchaus positive Ansätze.