LUXEMBURG
PATRICK VERSALL

Songwriter Dick Annegarn über Folksongs und Jacques Brel

Er möchte nicht das Leben eines Superstars führen und besingt ein Land, das monatelang ohne einen Regierungschef auskommen musste.

Doch damit nicht genug: Auf seinem neuen Studioalbum, das Dick Annegarn demnächst einspielt, widmet der niederländische Singer-Songwriter auch Luxemburg einen Titel: „Meine Texte sind meistens autobiografisch, in diesem Falle jedoch nicht“, kommentiert der Musiker den Songtext. In dem neuen Titel befasst sich Annegarn mit dem Schicksal jener Ausländer, die tagtäglich nach Luxemburg pendeln, um ihren Lebensunterhalt in modernen Stahl- und Glasbauten zu verdienen.

Wie es ihm gefällt

Das letzte Konzert seiner aktuellen Tournee spielt der Wahl-Franzose am 8. Juni dann auch in jenem Land, das jeden Tag, wenn auch nur für wenige Stunden, ein paar tausend Franzosen aufnimmt. Selbstverständlich wird er in Ettelbrück Titel seines aktuellen, englischsprachigen Cover-Albums „Folk Talk“ präsentieren, doch festlegen auf ein Programm wollte sich der Niederländer im Interview nicht.

Er mache auf dieser Tournee das, was ihm gefalle, erklärt er mit einem Lachen. Alleine mit der Klampfe auf der Bühne interpretiert er Titel aus dem aktuellen, vor zwei Jahren veröffentlichten Album sowie einige Titel, die er gerade erst fertiggestellt hat.

Straßenkämpfer

Dass Dick Annegarn ein komplettes Album auf Englisch eingespielt hat, mag insofern überraschen, da er in seiner langen Karriere die größten Erfolge mit Liedern auf Französisch feierte. Er, der seit über 40 Jahren in Frankreich lebt, fühlt sich zweifelsohne in der französischen Sprache zuhause.

Die englische Sprache stellt jedoch keinen Fremdkörper dar, der sich in sein Repertoire hinein geschlichen hat: „Ich schreibe auch regelmäßig Titel auf Englisch; darüber hinaus haben meine Eltern sich immer des Englischen bedient, um miteinander zu kommunizieren.“

In Liedform klinge das Englische einfach besser als das Französische, stellt Dick Annegarn fest. Für die Auswahl Titel für das „Folk Talk“-Album durchforstete er die Repertoires der Straßenmusiker. Er sei dazu, so Annegarn, durch die Straßen von Paris und Brüssel gezogen. Ob Brüssel oder Paris: Die Basis der Straßenmusikerrepertoires bilden Klassiker wie „House oft the Rising Sun“; „Kompositionen“, so Annegarn, „mit denen wir aufwachsen und der Autor uns oft unbekannt ist“.

Titel, die mündlich von Musiker zu Musiker, von Generation zu Generation übertragen werden. Es gelte mit wenigen Noten viel zu sagen, fasst Annegarn die Rezeptur eines Folksongs zusammen.

In der Abendsonne mit Gondry

Als sechzehnjähriger Folksänger prägte ein Schlüsselerlebnis sein Musikerleben. „Meine Eltern waren jetzt nicht übermäßig musikbegeistert; sie besuchten irgendwann ein Konzert von Jacques Brel, zu dem ich sie begleiten durfte. Dieses Konzert hat mich einfach umgehauen.“

Brel ist bis heute nicht nur der einzige Künstler, den Annegarn covert, er hat dem Belgier auf seinem 2008er Album „Soleil du soir“ ein Denkmal in Form des Titels „Jacques“ gesetzt.

Das Video zum Titeltrack dieses Albums stammt übrigens von einem gewissen
Michel Gondry.

Dick Annegarn tritt im Rahmen seiner
„Libre“-Tournee solo und „unplugged“
am 8. Juni im CAPe Ettelbrück auf.
Das Konzert beginnt um 20.00