LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

In Kenshi bestimmt der Spieler seine Geschichte selbst

Nichts zum Essen, nur Lumpen am Körper und hinter jeder Hügelkuppe lauern wahlweise Banditen, Sklavenhändler oder gar Kannibalen: Willkommen in der besonders feindseligen Welt von Kenshi. Über sechs Jahre hinweg von Chris Hunt im Alleingang entwickelt, ist das Einzelspieler-Sandbox-Spiel mit Survival-, Rollenspiel- und Aufbauelementen seit 2013 im „Greenlight“-Programm der Vertriebsplattform Steam - und soll in diesem Jahr die Beta-Phase verlassen. Das Besondere an Kenshi? Das Spiel schreibt dem Spieler nichts vor. Wir können uns als Händler versuchen, als Kopfgeldjäger Banditen jagen oder auf einen handwerklichen Beruf hinarbeiten. Oder einfach nur herumstreunen und von Stadt zu Stadt reisen - und mit gelegentlichen Einbrüchen über die Runden kommen. Doch dabei lassen wir uns besser nicht erwischen, sonst landet unsere Spielfigur im Gefängnis - oder noch schlimmer. Die goldene Regel in Kenshi lautet: Wer überlebt, hat Glück gehabt.

Rivalisierende Fraktionen haben sich die Spielwelt aufgeteilt

In gewisser Hinsicht erinnert die Spielwelt an einen Querschnitt zwischen den ersten „Fallout“-Spielen und der Übersichtskarte von „Mount&Blade“: Einerseits trostlose Landschaften, gewaltige Wüsten und düstere Sümpfe, in denen hungrige Banditen unachtsame Reisende überfallen und von Händlerkarawanen durchquert werden. Auf der anderen Seite um Gebietseinfluss rivalisierende Fraktionen, in deren Gunst wir unter Umständen aufsteigen können, je nachdem, wie wir uns anlegen.

Jedenfalls hilft es immer, wenn sich andere uns anschließen. Mitstreiter können wir in Bars anheuern, bieten ihre Loyalität unter Umständen auch aus Eigeninitiative an. Aus einem überschaubaren Kupferabbau (den Kupfer können wir anschließend in der nahgelegenen Stadt verhökern) kann so eine kleine Siedlung entstehen. Zum ersten - frei in der Spielwelt platzierbaren - Schuppen kommt schon bald ein Wohnhaus hinzu. Die erste Mauer schützt vor lästigen Angriffen. Per Forschung verbessern wir den Ertrag von Kupfer-, Eisen- und Steinminen. Kleidung und Ausrüstungen kann der Spieler selbst anfertigen oder in Städten oder bei Händlern erwerben.

In Sachen Stimmung kann Kenshi definitiv punkten. Dafür sorgen der dynamische Tag- und Nachtwechsel und die rudimentären Wettereffekte. Auch die kurzen, aber prägnanten Dialoge tragen dazu bei. Etwa dann, wenn sich zwei Kämpfer der Shek-Fraktion im Vorbeigehen über uns „Flachhäute“ (Menschen) lustig machen. Schönheitswettbewerbe gewinnt das Spiel allerdings nicht unbedingt. Auch das Interface und die Wegfindung können noch verbessert werden. Ob das dem inzwischen kleinen unabhängigen Entwicklerteam noch gelingen kann? In diesem Jahr will „Lo-Fi Games“ Kenshi veröffentlichen. Eine kleine, aber schon recht aktive Modding-Community gibt es jedenfalls schon.

Kenshi ist derzeit als „Early Access“ für rund 15 Euro für PC erhältlich.