Lynn Harles ist lebenslustige Abenteurerin und ambitionierte Jungdesignerin zugleich. Die 25-jährige Luxemburgerin lebt, studiert und arbeitet seit rund sechs Jahren in Deutschland. Dieses Jahr wurde eins ihrer Projekte für den renommierten „German Design Award“ nominiert. Das „Journal“ sprach mit der Studentin über aktuelle Projekte und zukünftige Pläne.
Du warst für den „German Design Award 2015“ nominiert. Wofür?
Lynn Harles Im Rahmen meiner Bachelorarbeit an der FH Trier habe ich ein neues Konzept für einen Backpacker-Rucksack entwickelt. Da ich selbst gerne und viel reise, kenne ich das Chaos im Rucksack, das im Laufe einer Reise entsteht. Diese Unordnung soll bei meinem Konzept „Woodpacker“ vermieden werden. Außerdem habe ich mir überlegt, wie man einen Rucksack ökologischer - mit nachhaltigen Materialien - gestalten kann, da die Zielgruppe sehr naturbezogen ist.
Deine Tätigkeitsfelder sind aber breit gefächert. Was machst Du alles?
Harles Ich bin ein Mensch, der die Abwechslung sucht. In der Hauptsache habe ich mich auf Corporate Design und Branding spezialisiert, das heißt auf die Kreation von Marken, von der Gestaltung des Logos bis hin zum Marketing. Des Weiteren mache ich Produktdesign und Datenvisualisierung, unter anderem in Zusammenarbeit mit Naturforschern.
Was genau ist „Studio Lünn“?
Harles „Studio Lünn“ ist ein Kreativstudio, mit dem ich alle meine Interessenfelder abdecken kann. Der Name rührt daher, dass meine deutschen Freunde Probleme mit der Aussprache meines Vornamens hatten. Der Spitzname „Lünn“ hat sich irgendwann durchgesetzt und ich hoffe, mich unter diesem Namen später mit meiner eigenen Kreativagentur selbständig zu machen.
Wie sieht Dein Alltag aus?
Harles Jeder Tag ist anders. Und das ist auch genau das, was ich mag. Mein Tag beginnt vergleichsweise spät, was aber eher typisch für die Kreativbranche ist. Allerdings ist man auch selten vor 22.00 zuhause. (lacht)
Woran arbeitest Du momentan?
Harles Im Moment arbeite ich im Zuge meiner Masterarbeit an dem Projekt „Heroes of Nowhere“. Das Ziel ist es, Naturwissenschaft mit Kommunikationsdesign in Einklang zu bringen. Wissenschaftliche Publikationen sind in der Regel trocken und undurchsichtig, was viele Leute abschreckt. Gerade heutzutage jedoch, wo wir es unter anderem vermehrt mit Klimawandel und Naturkatastrophen zu tun haben, ist ein Verständnis der Natur immer wichtiger. Darum ist es mein Anliegen, Beiträge von Wissenschaftlern derart visuell zu gestalten, dass sie auch für die Allgemeinheit problemlos zu verstehen sind.
Ein Beispiel?
Harles Ich habe die luxemburgischen Meeresbiologen von „Odyssea“ in Florida begleitet. Dort gibt es das Problem, dass vermehrt Seekühe (Manatees) mit Booten kollidieren und sterben. Ich bin dabei, ein anschauliches Kartensystem zu entwickeln, welches das Verhalten der Tiere aufzeigt und für jeden Bootsbesitzer verständlich ist. Ausgehend von dieser Studie, will ich mit weiteren Forschern zusammenarbeiten.
Wie stellst Du Dir Dein Leben nach dem Studium vor?
Harles Ich finde es gut, mehrere Pläne fürs Leben zu haben. Fest steht jedoch, dass ich möglichst selbständig bleiben will. Ich würde gerne zum einen im Corporate Design tätig sein, und zum anderen weiterhin meinen eigenen Projekten nachgehen und den Dialog zwischen Naturforschung und Design vorantreiben. Natürlich möchte ich mich finanziell über Wasser halten können, doch ich brauche weder ein teures Auto noch ein riesiges Haus. Ich will Spaß an meiner Arbeit haben und am Ende sagen können, dass ich für eine gute Sache eingetreten bin.
Mehr zu Lynn Harles und ihren Projekten: www.studio-lünn.de




