LUXEMBURG
MARCO MENG

Erst machte sich der Industriedesigner Dean Kauffmann selbstständig, nun übernahm er 3Dprint.lu

Nach seinem Studium machte sich der Produktdesigner Dean Kauffmann selbstständig mit Deansign. Kurz darauf stieg er bei 3DPrint.lu ein, das bei InCub, dem Startup-Inkubator des luxemburgischen Industrieunternehmens Paul Wurth, angesiedelt ist, indem er die Industriesparte von 3DPrint.lu übernahm. Das „Journal“ sprach mit dem Jungunternehmer über seine Erfahrungen.

Was genau machen Sie?

Dean Kauffmann Ich selbst bin Industriedesigner und arbeite mit der additiven Fertigung, kurz 3D-Druck genannt. Muss zum Beispiel ein Prototyp eines mechanischen Teils hergestellt werden, ist das herkömmliche subtraktive Verfahren wie das Fräsen aus Aluminium oft mit höheren Kosten verbunden als das additive Verfahren. Die Vorteile des 3D-Druckes sind kostengünstige und effiziente Prototypen in kürzester Zeit, darüber hinaus können komplexe Formen und Funktionsoptimierung als weitere Vorteile genannt werden. Wir bieten mit 3DPrint.lu die additive Fertigung als Dienstleistung an, welche Firmen und Privatkunden zugleich anspricht.

Wenn also jemand eine Idee für ein Produkt hat, können Sie ihm helfen, das Produkt zu entwerfen und den Prototyp herzustellen?

Kauffmann Ja, wir bekommen oftmals Anfragen, die als Ziel haben, ein marktfähiges Produkt zu lancieren, wo wir das Projekt vom Produktentwurf über das Engineering bis hin zum Produktionsmanagement begleiten. Ich habe mittlerweile an acht Produkten verschiedener Firmen gearbeitet, die inzwischen auf dem Markt sind. Um Beispiele zu nennen; eine Kamera, für die ein Outdoor-Gehäuse entworfen wurde, Möbelstücke, medizinische Roboter oder optronische Geräte sowie industrielle Teile, die Bestandteile größerer Anlagen sind.

Wie kamen Sie auf die Geschäftsidee?

Kauffmann Ich habe an der FHNW in Basel Industriedesign studiert, war dort drei Jahre lang Tutor im „Rapid Prototyping“ und als solcher zuständig für alle 3D-Drucker, die wir intern an der Hochschule hatten. Hier habe ich über den Zeitraum mit FDM-Drucker, Polyjet-Drucker, Filament-Drucker und SLS-Drucker gearbeitet. Henri Colbach hat vor knapp fünf Jahren das Unternehmen 3DPrint.lu gegründet und mich als Industriedesigner für ein Projekt angesprochen. So kam die Idee, dass ich den industriellen Bereich bei 3DPrint.lu übernehmen und ausbaue könnte.

Während er weiterhin im Architektursegment arbeitete, habe ich im April 2017 den industriellen Bereich von 3DPrint.lu übernommen; das nötige Kapital für die Beteiligung hatte ich durch meine Tätigkeit als Industriedesigner mit Deansign erworben. Henri Colbach hatte damals schon Kontakt zum Startup Inkubator von Paul Wurth, kurz InCub genannt. Für mich galt der InCub neben der großen Auswahl an Inkubatoren hier in Luxemburg als die perfekte Wahl, ich bin nah an anderen Startups und kann durch die gute Vernetzung von Paul Wurth den Kontakt zu Industrieunternehmen erweitern.

Wie war der Geschäftsstart?

Kauffmann Sehr gut. Wie schon erwähnt konnte ich bereits auf einige Kontakte zur Industrie zurückgreifen, welche ich mithilfe von Deansign aufgebaut hatte. Für mich war es von höchster Priorität, die Dienstleistungen im Produkt Design mit den Dienstleistungen des 3D-Druckes zu verbinden, so kann ich ein weites Spektrum an Kompetenzen innerhalb der Firma abdecken.

Wer sind Ihre Kunden?

Kauffmann Viele Kunden kommen aus der Großregion, Deutschland, Belgien, Frankreich, die meisten kommen aber tatsächlich aus Luxemburg selbst. Beim Herstellen von Prototypen stehen die Firmen oft unter Zeitdruck, vieles muss schnell gehen, und da ist die örtliche Nähe ein klarer Vorteil.

Welche Pläne haben Sie für die nächste Zukunft?

Kauffmann 2018 habe ich nun die Dienstleistungen von 3DPrint.lu komplett übernommen und konnte kürzlich einen weiteren Partner begrüßen, Michel Schon, einen luxemburgischen Ingenieur, der sich im additiven Fertigungsverfahren spezialisiert hat. Welche Richtung wir nun in Zukunft gehen, ist schwer zu sagen, denn der Markt wird derzeit mit Innovationen überschüttet, sodass man kaum Prognosen abgeben kann. Darum wollen wir flexibel bleiben, um den Marktanforderungen entsprechen zu können.