LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Kampf gegen Covid-19: Die Brennereien des Landes sind bereit

Eine der größten Brennereien Luxemburgs, Difrulux, hat es vorgemacht und sozusagen aus der Not eine Tugend gemacht. Nach einem Rückgang der Bestellungen und somit Einbruch der Verkaufszahlen, wie Geschäftsführer Gérard Leuchter uns gegenüber erklärt, habe man die Produktion auf Desinfektionsmittel umgestellt. „Da wir noch Tausend Liter Alkohol im Lager hatten, kam uns die Idee, diesen zu Desinfektionsmitteln zu verarbeiten. Wir haben beim Zoll nachgefragt, der uns zwei Tage später die nötige Genehmigung ausstellte, sodass wir loslegen konnten“, sagt Leuchter. Das war am 16. März. Seither wurden 7.000 Liter Desinfektionsalkohol produziert. Eine besondere Umstellung, was den Produktionsablauf angeht, hätte dies nicht erfordert.

Engpässe nicht ausgeschlossen

Da auch bei Difrulux in Breidweiler nicht mehr alle Mitarbeiter verfügbar sind, ist von allen anderen voller Einsatz gefordert, was intensive Tage bedeutet. Beliefert werden Apotheken, Altersheime und Gemeinden, ebenso wie Busunternehmen, die Polizei, die CFL, die Post und auch Privatbetriebe. „Die Nachfrage ist groß“, unterstreicht Leuchter. Noch könne man das nötige Rohmaterial aus dem Ausland beziehen, hier könnten aber in naher Zukunft Engpässe entstehen. „Aus Deutschland bekommen wir im Moment nichts. Da wurde uns gesagt, man dürfe nichts mehr exportieren“, berichtet er.

Brennereien in der gleichen Größenordnung gibt es in Luxemburg indes nur noch wenige, dafür aber eine gewisse Anzahl an kleinen Destillerien. Passt man sich dort ebenfalls der momentanen Situation an? „Wir sind dabei, alles Nötige in die Wege zu leiten und haben deshalb im Namen aller Brennereien im Miselerland eine Initiative gestartet, dies auch in Koordination mit dem Brennerverband“, sagt uns Christian Zenner von der „Distillerie Zenner“ in Schwebsingen.

Warten auf den Startschuss

Zuerst habe man die Krisenzelle kontaktiert, um in Erfahrung zu bringen, ob ein diesbezüglicher Bedarf besteht. „Wir sind bereit, reinen Alkohol für den sanitären Bereich zu produzieren. Wir warten nur auf das O.K., schließlich gilt es vorher noch einiges zu klären. Da wir an der Mosel leben, ist es naheliegend, dass wir an Wein als Rohstoff gedacht haben. Diesbezüglich haben wir bereits mit dem Landwirtschaftsministerium und dem ,Institut viti-vinicole´ gesprochen. An ihnen ist es, eine Übersicht aufzustellen, was an Weinen verfügbar wäre und den Einkauf zu regeln. Die Winzer haben ihre Unterstützung zugesagt. Auch mit dem Zoll, der ja für die Genehmigungen und die Kontrollen der Brennereien zuständig ist, haben wir Kontakt aufgenommen. Diese Schritte wurden bereits unternommen, und der Krisenzelle haben wir berichtet, was an Potenzial da wäre“, erzählt Zenner. 30.000 Liter reiner Alkohol könnte so von den kleinen Brennereien aus Wein produziert werden. „Natürlich nicht von heute auf morgen. Aber sobald alles geklärt ist, was an sich wirklich nur noch Detailfragen sind, können wir loslegen und unseren Beitrag in dieser Krise leisten“, fügt Zenner hinzu.