LUXEMBURG
MARCO MENG

Luxemburgs Versicherungsbranche profitiert von privater Altersvorsorge im Ausland

Der luxemburgische Versicherungssektor kann sich über wachsende Einnahmen freuen. Wie die „Association des Compagnies d’Assurances et de Réassurances“ (ACA) gestern bekannt gab, zeigt die Bilanz für das Jahr 2014 Prämieneinnahmen über alle Sektoren hinweg von 26,47 Milliarden Euro, das sind rund 19 Prozent mehr als im Vorjahr. Nach Steuern blieb den luxemburgischen Versicherern damit ein Gewinn von 367 Millionen Euro, knapp sechs Prozent mehr als 2013. Der Verband weist darauf hin, dass er für die erwirtschafteten Gewinne 2014 an den Staat 129 Millionen Steuern zahlte und zusätzlich 44,29 Millionen durch die Versicherungssteuer.

Vor allem das Geschäft mit den Lebensversicherungen läuft gut, worauf ACA-Geschäftsführer Marc Hengen hinweist: Während sich bei den Lebensversicherungen die Provisionen insgesamt um 15 Prozent auf 136 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahr erhöhten - im internationalen Geschäft um 22 Milliarden (18 Prozent) und national um 2,04 Milliarden (62 Prozent) -, bleiben Sachversicherungen ein schwierigeres Metier - international ging es hier sieben Prozent gegenüber 2013 (1,96 Milliarden) aufwärts und national zwei Prozent (0,84 Milliarden).

Regierung soll Privatvorsorge fördern

Der deutliche Anstieg bei den Lebensversicherungen luxemburgischer Kunden von immerhin 62 Prozent gegenüber dem Vorjahr liegt vor allem in Anlagen in Investitionsvehikel luxemburgischen Rechts begründet. Für dieses Jahr könne man einen solchen Anstieg nicht erwarten, so Hengen.

Dass die Versicherungen auch in Luxemburg in Zukunft eine größere Rolle bei der Altersabsicherung spielen werden, davon ist die Branche überzeugt und verlangt, dass das nicht mehr zeitgemäße Pensionsgesetz von 1999 angepasst werden müsse. Auch Betriebsrenten und die Möglichkeit für alle Arbeitnehmer, damit eine weitere Säule der Alterssicherung aufzubauen, müsse ausgebaut werden. Nach Einschätzung der ACA ist zur Förderung der privaten Altersvorsorge zudem eine Verbesserung des steuerlichen Rahmens notwendig.

Datenaustausch zu begrüßen

Der automatische Steuer-Informationsaustausch ab 2017 wird nach Einschätzung des Versicherungsverbands dem Geschäft nicht schaden, eher im Gegenteil, so ACA-Verbandspräsident Marc Lauer: Die ACA habe von Anfang an die Forderung nach mehr Transparenz unterstützt. Ergänzend zur freiwilligen Charta, die sich die Branche vor Jahren gegeben habe, werde man darum nun eine „Charte de Qualité“ 2.0 einführen, die alle Versicherungsunternehmen, die Mitglied der ACA werden wollen, implementieren müssen. Wie das ACA-Verwaltungsratsmitglied Claude Marx es ausdrückt: „Das Finanzzentrum profitiert von objektiven Vorteilen“, dazu gehöre Integrität genauso wie dass man weder Steuerhinterziehung noch Steuervermeidung unterstütze. Die Versicherer seien aus diesem Grund dabei, eine Reihe von Mechanismen in ihr Geschäft einzubauen, die sicherstellen, dass auch in den Ländern, in denen sie tätig sind, die gesetzlichen Vorschriften beachtet werden.

Komplizierte Regulierungen

Was die Reglementierungen allgemein betrifft, so sieht Lauer Handlungsbedarf beim Gesetzgeber. Sei Luxemburg stets bestrebt, erstes Land zu sein, das EU-Richtlinien in nationales Gesetz umwandelt, so sei man bei Solvency II schon hinter Deutschland oder Frankreich zurück. Lauer bemängelt aber auch die Vielzahl an EU-Reglementierungen, die von Mifid zum Konsumentenschutz bis zu PRIPS, ebenfalls zum Konsumentenschutz, reichen. Man wolle fair und transparent sein, doch so bestehe die Gefahr, sich zu verheddern und die Frage sei, ob durch die auch teuer umzusetzende Vielzahl an Reglementierungen wirklich dem Kunden geholfen sei.

Betrachtet man die einzelnen Märkte, stellt man durchaus eine Veränderung gegenüber früher fest: Der größte Anteil ausländischer Kunden lebt in Frankreich (36 Prozent), in Italien (18 Prozent) und in Belgien (zehn Prozent). Allerdings gehen dort die Prämien zurück, womit ein Problem offenbar wird, mit dem laut Verbands-Vizepräsident Pit Hentgen die luxemburgische Branche zu kämpfen hat: Entgegen der Prinzipien des 1994 verkündeten gemeinsamen Binnenmarkts wird durch nationale Gesetzgebung ausländischen Versicherern es in verschiedenen EU-Staaten der Marktzutritt gegenüber einheimischen Mitbewerbern erschwert. Wie der Verband betont, erwirtschaftet die luxemburgische Versicherungsbranche rund 90 Prozent ihrer Einnahmen durch Kunden im Ausland, was zeige, dass die hiesigen Versicherer international einen guten Ruf genießen. Lauer sieht die Prinzipien des Binnenmarkts aber in Gefahr: Ein Markt, der die Haupteinnahmequelle der luxemburgischen Versicherer ist. Auch im Vereinigten Königreich könne man den Eindruck haben, dass der Gesetzgeber dort verhindern wolle, dass Bürger Geschäfte mit ausländischen Anbietern mache, weil dort zum Beispiel Versicherungsnehmer, wenn sie eine ausländischen Versicherungsanbieter haben, dies bei der Steuerbehörde deklarieren müssen. Hier komme auch die OECD-Diskussion um BEPS zur Verhinderung von Gewinnverschiebungen multinationaler Unternehmen ins Spiel, weswegen man auch mit dem Finanzminister im Gespräch sei, denn „eine Rückversicherung beispielsweise arbeitet immer international“, erklärt Lauer.