LUXEMBURG
MARCO MENG

Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ging 2014 um fast 17 Prozent zurück

Luxemburg hat das Tal durchschritten, so jedenfalls legen die Insolvenzdaten nahe, die gestern von Creditreform vorgelegt wurde. Die Zahl der Unternehmenspleiten ist demnach im abgelaufenen Jahr 2014 deutlich um 17 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurückgegangen. Letztes Jahr mussten 845 Luxemburger Betriebe Insolvenz anmelden, nachdem 2012 die Zahl der Konkurse die Marke von über 1.000 überschritten hatte. Mit insgesamt 1.033 Konkursverfahren hatten die beiden zuständigen Gerichtsbezirke Luxemburg und Diekirch damals einen negativen Rekord verbucht, allerdings stand auch damals das Mehr am Konkursverfahren einem Mehr von Firmenneugründungen gegenüber. Stellt man die Zahl der Insolvenzen insgesamt in Relation mit der Zahl der Firmengründungen, so hat sich letztere über die vergangenen Jahre hinweg stetig erhöht, seit 2007 mit 28.000 auf inzwischen deutlich mehr als 31.000 Unternehmen, die das Land zählt.

„Die Konkurse im Jahr 2014 sind stark rückläufig“, bestätigt Herbert Eberhard, Geschäftsführer von Creditreform Luxemburg. Die Konkursquote bei Jungunternehmen bis zu fünf Jahren sei allerdings leicht gestiegen. Waren es im Jahr 2013 noch 302 Unternehmen, so waren es 2014 310 Unternehmen. Demgegenüber ist die Anzahl der Pleiten von Unternehmen, die älter als fünf Jahre sind, erstmals seit langem gesunken.

Besonders in der Baubranche gingen weniger Firmen insolvent als zuvor; hier war der größte Rückgang an Insolvenzen zu verzeichnen. Im Bauwesen war vor allem das Baunebengewerbe betroffen, zum Beispiel die 1992 gegründete Firma Thermolux S.àr.l. mit 60 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa neun Millionen Euro. „Konkret bedeuten 70 Konkurse im Bausektor gegenüber 99 Pleiten 2013 eine Verringerung von fast 30 Prozent“, unterstreicht Eberhard.

Die Konkurse von Handelsunternehmen gingen ebenfalls zurück, wenn auch weniger deutlich als in der Baubranche. Größere Ausfälle im Handel waren unter anderem. der Büromöbel-Handel New Office S.àr.l., mit 22 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 3,1 Millionen Euro sowie insbesondere der bekannte Fall der Ateliers Electriques de Walferdange SA Elektromaschinen mit 60 Mitarbeitern und einem Umsatz von etwa acht Millionen Euro. Im Handel waren 2014 damit insgesamt 289 Firmenpleiten zu vermelden, gegenüber 350 in 2013, wobei erneut die wenigsten von einem Konkurs betroffenen Unternehmen dem produzierenden Gewerbe zuzuordnen sind. Die Luxemburger Industrie erwies sich demzufolge als krisenrobust, beträgt ihr Anteil an den Insolvenzen im Land doch lediglich 1,89 Prozent am Gesamtkonkursgeschehen, auch wenn es im letzten Jahr drei Pleiten mehr waren als im Vorjahr.

Das nächste Jahr wird zeigen, ob es sich um eine neue Entwicklung oder einen „Ausrutscher“ handelt, stellt Creditreform dazu fest. Wirft man einen Blick auf das Konkursgeschehen nach den zuständigen Gerichtsbezirken, so ist in Luxemburg mit 691 Konkursen (Vorjahr 905) eine merkliche Veränderung gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen. Am Gerichtsbezirk Diekirch sind dagegen die Verfahren um knapp 40 Prozent gestiegen (154 in 2014 gegenüber 111 im Vorjahr).

Dabei handelt es sich laut Creditreform im Wesentlichen um kleinere Firmen aus den Bereichen Dienstleistung und Handel.

Trendwende?

Nachdem der Rückgang der Konkurse 2013 um 1,65 Prozent nur moderat war, hat es 2014 mit fast 17 Prozent einen kräftigen Sprung nach unten gegeben. Da viele Unsicherheiten sich 2014 auftaten, seien es der Russland-Ukraine-Konflikt oder ein drohendes Euro-Aus Griechenlands, prognostiziert denn auch die Kreditversicherungsgruppe Euler-Hermes zwar für 2015 einen weiteren leichten Rückgang bei Unternehmenspleiten um drei Prozent weltweit, auf einige Schlüsselländer wie China oder Deutschland bezogen aber wieder eine Zunahme. Für zahlreiche westeuropäische Länder wie Spanien, Italien, Portugal, Griechenland, Dänemark oder Großbritannien weniger Insolvenzen erwartet als noch 2014. Portugal und Spanien hatten beispielsweise deutliche Rückgänge der Unternehmenspleiten zu verzeichnen, von 23 beziehungsweise 27 Prozent, ein Trend, der sich abgeschwächt fortsetzen soll. Als Folge der geopolitischen Krisenherde und schwächelnder Konjunktur sowohl in China als auch in vielen europäischen Ländern rechnet Hermes-Euler für das laufende Jahr aber mit einer Zunahme der Unternehmensinsolvenzen in China von fünf Prozent, in Russland von zehn und in Deutschland, Luxemburgs Handelspartner Nummer eins, von zwei Prozent. Als Folge davon werde auch für Luxemburg wieder mit einer Zunahme gerechnet, und zwar von fünf Prozent. Creditreform gibt sich da mit einer Prognose zurückhaltender. Ob sich das Konkursgeschehen in Luxemburg weiter auf einem Niveau unter 1.000 Verfahren im Jahr halten kann, merkt Creditreform an, hänge stark von der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung ab, nicht nur in Luxemburg sondern auch in den Nachbarländern.