FRANKFURT AM MAIN
ISABEL SPIGARELLI

Warum sich ein Studium in Frankfurt am Main lohnt

In Frankfurt am Main wohnen nur Banker. Die Stadt ist grau, hässlich und stinkt. Letzteres mag stimmen, doch ist das nicht ungewöhnlich für eine Großstadt. In der Innenstadt tummeln sich auch durchaus Banker. Die 46.613 Studenten, die an der Johann Wolfgang Goethe Universität Frankfurt am Main studieren, bilden jedoch auch einen bedeutenden Teil der Stadtbevölkerung. Schnell wird klar: Die größte Stadt Hessens hat viele Facetten. Dafür verantwortlich sind ihre 70.1350 Bewohner, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Besonders für luxemburgische Studenten erweist sich die Goethe Universität als perfekte Alternative zu den typischen deutschen Studentenstädten wie Köln, Heidelberg oder Trier.

Erweiterung des Horizontes

„Frankfurt ist eine kompakte Großstadt“, erzählt Yves Reichling, „Man kann immer neues erleben, egal ob in der Clubszene oder im kulturellen Bereich.“ Der luxemburgische Ethnologie-Student lebt seit rund vier Jahren in Frankfurt am Main und ist nach wie vor zufrieden mit seiner Entscheidung. Wie viele Studienanfänger scheute er es sich gleich nach dem Abitur weit von der Heimat zu entfernen. Ein Studium an der Universität in Luxemburg war jedoch nie eine Option: „Ich wollte meinen Horizont erweitern und das Großstadtleben kennenlernen. Wichtig war mir auch, dass ich neue Leute treffe und nicht nur mit Luxemburgern zu tun habe.“ Laut Yves ist dies in den zuvor genannten Studentenstädten kaum möglich. „Die Luxemburger bilden dort oft einen geschlossenen Kreis und grenzen sich von anderen Studierenden ab. Das ist in meinen Augen nicht der Sinn des Studiums“, merkt er an. Dabei muss man nicht bis ans andere Ende der Welt ziehen, um das Großherzogtum ein Stück weit hinter sich zu lassen. Frankfurt am Main ist mit dem Auto in drei Stunden zu erreichen. Wer den öffentlichen Transport bevorzugt, kann täglich auf eine direkte Fernbusverbindung zurückgreifen. Die luxemburgische Studentenvereinigung „Lëtzebuerger Studenten am Rhein Main Gebidd“ bietet zudem auf ihrer Facebook-Seite eine Mitfahrzentrale an. Dennoch studieren nur wenige luxemburgische Studenten an der Goethe Universität.

Zwischen Großstadt-Flair und Dorfidylle

Das Leben in Frankfurt ist schnell, das Freizeitangebot enorm. Man begegnet auf dem Weg vom Bahnhof zur eigenen Wohnung mit Sicherheit mehr Menschen, als während einem Wochenende in Luxemburg. Doch gibt es auch ruhige, gemütliche Viertel und viele Grünanlagen, die zum Entspannen einladen. Die Distanzen zwischen den beiden Polen lassen sich leicht überwinden. „Die Wege sind kurz, das gefällt mir. Die ganzen Sehenswürdigkeiten sind praktisch zu Fuß erreichbar“, berichtet Yves weiter. Der Stadtkern ist überschaubar, doch sehenswert. Architektonisch hat Frankfurt einiges aufzuweisen. Hauptmerkmal ist unbestreitbar die Skyline, die vor allem nachts zum Hingucker wird. Das Museumsufer trumpft mit pompösen Gebäuden auf, wie etwa dem weltbekannten „Städel Museum“. Daneben gibt es zahlreiche Fachwerkhäuser und historische Bauten, wie etwa den Frankfurter Dom, den „Römer“, die Hauptwache und natürlich den Campus Westend. Dieser zählt zu den schönsten Campus Deutschlands. Grau und hässlich ist Frankfurt nicht.

Fehlendes Studentenviertel als Pluspunkt

Obwohl es viele Studierende an der Goethe Universität gibt, existiert so etwas wie ein Studentenviertel nicht. Zwar werden in den meisten Bars, Geschäften und Discotheken reduzierte Preise für Studenten angeboten, doch gibt es keinen bestimmten Ort an dem sich diese alle zusammenfinden. „Um auf Kommilitonen zu treffen muss man schon in die Uni“, lacht Nikoleta Skrapara, „Im Westend, rund um den Campus, wohnen vorwiegend wohlhabende Ärzte und Anwälte. Da ist nichts mit Studentenleben. Das fehlt mir!“ Anders als die Komparatistik-Studentin, hält Yves dies für einen weiteren Pluspunkt der Stadt: „Mir gefällt es, dass ich auch mit anderen gesellschaftlichen Gruppen in Berührung komme und nicht ständig auf Studenten treffe.“ Beide sind sich einig, dass das fehlende Studentenviertel lediglich zu Beginn des Studiums ein reales Problem darstellt. Es gibt studentische Initiativen und Treffen, doch sind diese meist nicht fachübergreifend oder nicht sichtbar. Yves und Nikoleta sind jedoch der Meinung, dass man durch Eigeninitiative auch hier leicht Kontakte knüpfen kann.