LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Neue Ausstellung im „Casino Luxembourg“ setzt auf minimalistische Kunst

Sich vorzustellen, wie eine Ausstellung am Ende einmal aussehen wird, wenn sie während der Besichtigung erst zur Hälfte aufgebaut ist, kann selbst geübte Journalisten vor eine gewisse Herausforderung stellen. Besonders dann, wenn man noch nicht einmal auf den ersten Blick erkennt, ob es sich denn nun um ein Exponat handelt oder vielleicht doch nur um eine Leiter, die für den Aufbau benötigt wird, ob zwei aufeinandergestapelte Bürotische einmal Teil einer Installation sein sollen oder ob sie einfach noch nicht weggeräumt wurden. Die Kuratorin der neuen Gemeinschaftsausstellung „Buveurs de Quintessences“, Caroline Andrieux, gab sich gestern Morgen „ im „Casino Luxembourg - Forum d’Art Contemporain“ jedenfalls redlich Mühe, vor der Presse zu erklären und zu beschreiben, was die Besucher ab Samstag erwartet. Es hieß demnach, die Fantasie spielen lassen. Auch Performances sollen indes Teil der Expo sein.

Gegengewicht zur Gesellschaft des Spektakels

Ohnehin, beziehungsweise soweit wir das beurteilen können, ist „Buveurs de Quintessences“ eine Ausstellung, die man auf sich wirken lassen muss, bei der es auch um eigene Empfindungen geht, ihr Hauptthema ist nämlich die Leere. Laut Kuratorin ist sie „als Gegengewicht zur Gesellschaft des Spektakels und zu dem ganzen Sensationalismus, den man aktuell in der bildenden Kunst sieht“, zu verstehen. „Es geht uns darum zu zeigen, dass Kunst auch etwas sehr Minimalistisches, Reduziertes oder Konzeptuelles sein kann. Die Künstler haben sich mit der Frage auseinandergesetzt, wie ein Werk auf etwas Minimales begrenzt werden kann, ohne dass ihm dadurch die Aussagekraft fehlen oder es ihm an Ästhetik mangeln würde“, erklärte Caroline Andrieux, die sich während der Recherchen für ihre Doktorarbeit intensiv mit dem Thema Leere in der Kunst beschäftigt hat.

Bei dieser Idee der Leere handelt es sich indes um eine künstlerische Bewegung, deren Vorläufer Marcel Duchamp und Kasimir Malewitsch waren und die sich in den 1960er-Jahren zu einem neuen künstlerischen Paradigma entwickelte. Damals wandten sich zahlreiche Künstler gegen die übersteigerte Expressivität, indem sie versuchten, ihre Werke möglichst vom Inhalt zu befreien und ihre eigene Subjektivität beiseite zu lassen. „Mir liegt daran, zu verdeutlichen, dass die Leere einen kritischen Standpunkt haben und außerdem eine besondere und direkte Erfahrung für den Betrachter sein kann“, führte die Kuratorin weiter aus. Die Besucher am Werk teilnehmen zu lassen, sei eines der Hauptanliegen.

Der Raum spiele eine wichtige Rolle. Im großen Ausstellungssaal im oberen Stockwerk wurde deshalb auch auf Zwischenwände verzichtet, sodass die unterschiedlichen künstlerischen Projekte quasi ineinander übergehen und am Ende als stimmiges, temporäres Gesamtkunstwerk zu erleben sind. „Die ästhetische Erfahrung der Leere steht ganz klar im Vordergrund“, so Andrieux. Der Ausstellungstitel „Buveurs de quintessences“ stammt derweil aus dem Gedicht „Verlust der Aureole“ von Charles Baudelaire. Darin erzählt der Autor von den Erfahrungen eines Dichters, dem versehentlich sein künstlerisches Attribut abhanden kommt, der aber schließlich mit dem Verlust ganz gut zurechtkommt.

Alltagsgegenstände in Verbindung mit Kunst

Die Idee, Kunst mit Alltagsgegenständen zu verbinden, zieht sich indes durch die ganze Schau. Sehr minimalistische Werke sind entstanden, beziehungsweise wurden gestern noch aufgebaut. Die zwei aufeinandergestapelten Bürotische sind tatsächlich Teil einer Installation, genau wie ein Holzofen, in dem Feuer lodert. Das Besondere an diesem Werk mit dem Titel „Fire in the Museum“: Das Feuer brennt während der ganzen Ausstellungsdauer, demnach steckt eine ganze Menschenkette dahinter, die dafür Sorge trägt. Ein mit schwarzer Tinte gefärbter Eisblock, in dem eine Glühbirne steckt, durch deren Wärme er zum Schmelzen gebracht wird, befindet sich natürlich noch nicht auf seinem Platz. Ab Samstag wird sich das Eis dann langsam in eine Pfütze verwandeln, wodurch dann wiederum ein neues Werk entsteht.

Insgesamt vereint die Ausstellung zwölf kanadische und europäische Künstler, deren Praxis ein Interesse für die Dialektik der Leere in der heutigen Zeit offenbart.

Alle Infos unter www.casino-luxembourg.lu