LUXEMBURG
LJ

Weites Panorama des Werks von Etel Adnan im Mudam

Mit einer neuen Retrospektive zum malerischen Werk von Etel Adnan setzt das Mudam sein Frühlings-/Sommerprogramm fort. „Etel Adnan et les modernes“ heißt die Ausstellung, die vor kurzem eröffnet wurde und noch bis September läuft. Die 1925 in Beirut geborenen Dichterin, Schriftstellerin und Malerin arbeitet seit den 1960er Jahren an einem Werk, in dem sie deutliche Querverbindungen zwischen Bild und Text, zwischen orientalischer und westlicher Kultur sowie zwischen der modernen und der zeitgenössischen Kunst zieht. In ihren Werken behandelt sie Themen wie Landschaft, Abstraktion, Farbe, Text, Gedächtnis und Geschichte.

Die Schau im Mudam erstreckt sich über zwei Säle in der oberen Etage und zeichnet ein weites Panorama ihres Werkes, das Gemälde, Werke auf Papier und Tapisserien vereint, die wiederum in einen Dialog mit Arbeiten anderer moderner und zeitgenössischer Künstler treten.

„Wie besessen“ von Paul Klee

Die in Zusammenarbeit mit dem Zentrum Paul Klee in Bern entstandene Ausstellung bietet einen Überblick über Etel Adnans bildnerisches Werk von den frühen 1960er Jahren bis heute. Im Zentrum stehen die Beziehungen, die sie mit dem Werk und dem Denken einiger der Künstler der Moderne unterhält, allen voran mit demjenigen von Paul Klee. „Ich glaube Klee ist der erste Maler gewesen, in den ich mich verliebt habe. Ich war von ihm wie besessen. Mit ‚besessen‘ meine ich, dass mich seine Gemälde in einen ekstatischen Zustand versetzt haben. Sie verfolgten mich. In Kairouan (in Tunesien) schrieb er: ‚die Farben und ich sind eins‘. Da verstand ich, dass er von einer Offenbarung sprach“, erzählte die Künstlerin 2012 in einem Interview.

Und so ist es dieser Dialog mit der Moderne, der sich im ersten Saal in einer Reihe von Werken entfaltet, die gemeinsam mit Adnan ausgewählt wurden. Die Auswahl umfasst eine Reihe bedeutender Werke von Paul Klee, zu denen Gemälde von Wassily Kandinsky, Nicolas de Staël und Georges Mathieu kommen. Daneben sind zwei Teppiche des Architekten Ramses Wissa Wassef zu sehen. In jedem einzelnen dieser Dialoge werden zentrale Begriffe des Werks von Adnan deutlich, wie das Schreiben, die Geste oder das Weben - wobei man letzteres geradezu als eine Metapher für das Leben selbst sehen kann. Der Film „Ismyrne“ (2016) des libanesischen Duos Joana Hadjithomas und Khalil Joreige liefert überdies in einem berührenden Porträt der Künstlerin Einblicke in den historischen Kontext.

„Innere Landschaften“ im zweiten Saal

Im zweiten Saal werden mehrere Ensembles jüngerer abstrakter Arbeiten von Etel Adnan gezeigt. Die Künstlerin nennt diese Gemälde „innere Landschaften“, die von Erinnerungen an wirkliche Landschaften geprägt sind. Ihr Gespür für die Landschaft zeigt sich auch in den Werken, die sie dem Mount Tamalpais widmet, einen Berg in Kalifornien, sowie in den Ansichten von New York, die sie in ihrem Film „Motion“ (2012) zeigt. Diese Ensembles wiederum stehen in einem Dialog mit den Arbeiten zweier zeitgenössischer Künstler, zu denen Etel Adnan enge Beziehungen unterhält: zur französischen Dichterin und Malerin Eugénie Paultre (geb. 1979 in Paris) und zur libanesischen Bildhauerin Simone Fattal (geb. 1942 in Damaskus).

Weitere Informationen unter www.mudam.lu