LUXEMBURGCHRISTIAN SPIELMANN

Steven Spielberg zeichnet ein glorifizierendes Bild Abraham Lincolns

Im Juli vergangenen Jahres jagte der spätere sechzehnte Präsident der Vereinigten Staaten, Abraham Lincoln (1809 - 1965) noch Vampire in Timur Bekmambetovs „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“. In Steven Spielbergs neuestem Filmepos „Lincoln“ will Abe (Daniel Day-Lewis) unbedingt den blutigen Sezessionskrieg beenden.

Eine fundamentale Bedingung hierfür sieht er in der Abschaffung der Sklaverei. Dazu muss der Senat den dreizehnten Verfassungszusatz gutheißen. Doch seine Partei, die Republikaner, besitzt nicht die absolute Mehrheit. Darum gehen der Präsident und sein Außenminister William Seward (David Strathairn) auf Stimmenfang in der Opposition. Spielberg zeichnet ein glorifizierendes Bild von Lincoln, und es scheint, als hätte er alles Negative aus dessen Leben gestrichen. Der als „honest Abe“ bezeichnete Präsident war aber nicht immer lieb und nett. Darum geht es „ET’s“ Vater jedoch nicht. Während den 150 Minuten des Films steht ein anderes Thema im Mittelpunkt: die Abschaffung der Sklaverei. Mit dem Pro und Contra zu dieser Thematik wird sich leider nur knapp beschäftigt, u. a. befürchten die Befürworter der Sklaverei, dass die Farbigen zu dominant werden und den Weißen die Arbeit wegnehmen könnten. Die Erschaffung des Menschen durch Gott wird auch erwähnt, wobei sich die Weißen wieder als Herrenrasse aufspielen.

Der Oscargewinn zum Greifen nah

Lincoln wird von einem absolut fantastischen Daniel Day-Lewis dargestellt. Ruhig, bedacht und oft schelmenhaft spielt Day-Lewis die Hauptfigur lebensnaher denn je! An seiner Seite mimt Sally Field seine Gattin Mary, die eigentlich unter der Vorherrschaft ihres Mannes leidet, wie auch unter dem Tode ihres Sohnes Willie. Beide werden als treues Ehepaar gezeichnet. Der jüngste Sohn Tad (Gulliver McGrath) ist Papas Liebling, während der ältere, Robert (Joseph Gordon-Levitt), seine eigenen Wege gehen will, die der Vater aber nicht billigt. Es entsteht hier das Porträt eines Mannes, der einen starken politischen Willen hat und ebenso als Vater und Gatte Durchsetzungsvermögen beweist. Neben Day-Lewis spielt Tommy Lee Jones den mürrischen Thaddeus Stevens mit ebenso viel Überzeugung wie Ironie. Spielberg hält seine Geschichtsstunde mit sehr vielen Dialogen ab, was viel Aufmerksamkeit vom Zuschauer verlangt, um alle Details zu verstehen.

Das filmische Element ist leider auf ein Minimum reduziert, was sicher zu einigen Längen führt. Dennoch ist „Lincoln“ sehenswert und sicher ein Anwärter auf den einen oder anderen Oscar für schauspielerische Leistungen.