PASCAL STEINWACHS

Dickhäuter - besonders diejenigen mit 26 Parlamentssitzen und einem Dauerabonnement auf den Premierposten - sind manchmal ganz schön dünnhäutig, auch wenn sie nach außen hin so tun, als könne sie nichts und niemand erschüttern. Dass der politische Gegner auf den Neujahrsempfängen der Parteien nicht mit Glacéhandschuhen angepackt wird, ist nun wirklich nichts Außergewöhnliches, scheint bei der CSV aber definitiv im falschen Hals angekommen zu sein. Anderthalb Jahre vor den Kammerwahlen regte sich diese nämlich jetzt in einer Pressemitteilung gar fürchterlich auf, dass sich die Grünen auf ihrem Neujahrsempfang dafür ausgesprochen haben, die CSV aus der Regierungsverantwortung zu drängen. Damit würden „déi Gréng“ die Katze aus dem Sack lassen, gehe es diesen doch nicht um die Zukunft des Landes, sondern nur darum, „die CSV mit allen Mitteln in die Opposition zu schicken“, spielt die CSV die Mimose, so als seien solche Sprüche für eine Oppositionspartei nicht das normalste der Welt.

Der kleine Koalitionspartner sieht das übrigens ähnlich, machte LSAP-Chef Alex Bodry doch am Mittwoch auf dem Neujahrsempfang seiner Partei deutlich, dass die Sozialisten für „eine Politik der ruhigen Hand“ stehen würden , anstatt sich in „nervösen Pressemitteilungen“ mit Koalitionsfragen zu befassen. Wie wir die CSV kennen, dürfte die Retourkutsche nicht auf sich warten lassen, zumal Premier Juncker, der am Montag seine letzte Sitzung als Eurogruppenchef leiten wird, ab nächster Woche wieder Zeit für so was profanes wie Nationalpolitik hat.

Im März dürften sich die Gemüter dann noch einmal um einige Grad mehr erhitzen, finden dann doch gleich drei Parteikongresse statt, angefangen mit der LSAP am 3. März in Düdelingen, der CSV am 9. März in Junglinster und der adr am 17. März in Manternach.

Besonders letzterer Kongress verspricht interessant zu werden, will sich die Reformpartei hier doch komplett neu aufstellen. Nachfolger des vor vier Wochen zurückgetretenen Neunmonatspräsidenten Fernand Kartheiser soll nun der aktuelle Generalsekretär Jean Schoos werden, der seinerseits von der derzeitigen parlamentarischen Mitarbeiterin Liliana Miranda als neue Generalsekretärin ersetzt werden soll.

Dass die adr jetzt auf zwei gänzlich Unbekannte zurückgreifen muss, um überhaupt eine neue Parteispitze zu bekommen, zeigt wie verzweifelt die Partei sein muss, und wie dünn die Personaldecke tatsächlich ist, auch wenn Interimspräsident Robert Mehlen und Gruppenanführer Gast Gibéryen gute Miene zum bösen Spiel machen. Tatsache ist, dass der zukünftige Präsident, der als Tierarzt arbeitet, erst kurz vor den letzten Legislativwahlen Mitglied der adr wurde, nachdem er vorher lange Jahre CSV-Militant war. Die zukünftige Generalsekretärin, die immer noch die portugiesische Nationalität inne hat, war ihrerseits vor ihrem Wechsel zur adr Journalistin beim „Quotidien“, wo sie seinerzeit während der Euthanasiedebatte wegen ihrer diesbezüglichen Artikel bei diversen Parteimitglied für Unmut sorgte, aber daran kann sich keiner mehr erinnern. Bleibt abzuwarten, wo die adr jetzt hin steuert...