GREVENMACHER
PATRICK WELTER

Es ist immer noch ein Kraftakt, Winzerin zu sein - Laurence Duhr hat sich getraut

Frauen im Weinbau. Unter diesem Stichwort tut sich ein vielfältiges und vermutlich nicht immer stimmiges Bild auf. Da gibt es die aufopferungswillige Winzergattin, die es bei jedem Wetter mit ihrem Mann in den Wingert zieht und die in der Lese zwischen Erbsensuppenkochen und der Traubenschere pendelt. Touristisch-folkloristisch sind es die Weinköniginnen, die ihr jeweiliges Anbaugebiet repräsentieren sollen - mal in langer Festrobe, mal im pseudo-rustikalen Dirndl. Wobei oft untergeht, dass moderne Weinköniginnen fachlich einiges drauf haben und nicht nur dekorativ mit dem Weinkelch herum stehen. In den Weinlabors und Weininstituten gibt es mehr und mehr akademisch ausgebildete Oenologinnen, die sich wissenschaftlich mit Wein befassen. Weinmarketing ist eine andere weibliche Domäne. Trotzdem: Betriebsleiterinnen, Winzerinnen im engeren Sinne, Frauen die beim Weinbau das letzte Wort haben, sind immer noch eine Ausnahme.

Lucilivines - die Weinfrauen

Um den Frauen im luxemburgischen Weinbau, egal in welcher Sparte, mehr Gewicht zu verleihen, gibt es seit 2012 den Verein „Lucilivines - Femmes et vins“, der auf Fortbildung, Workshops und Bildungsreisen setzt. Jede Frau, die im Weinbereich arbeitet oder den Weinbau unterstützt, kann Mitglied werden. Zum Verein gehören rund 120 Frauen. Davon sind ungefähr ein Viertel Profis…

„Was sind denn Profis?“ lautet die Frage meiner Gesprächspartnerinnen. Das ist zum einen Laurence Duhr, vom Weingut Aby Duhr - eigentlich „Château Pauqué“- , zum anderen Tess Burton, Vorsitzende der Landwirtschaftskommission der „Chamber“ und gegenwärtig Präsidentin der „Lucilivines“, die das Gespräch zwischen dem „Journal“ und Laurence Duhr vermittelt hat. Burton nennt eine Reihe von luxemburgischen Weingütern in denen junge Winzerinnen eine wichtige Rolle spielen, allen voran die Vorreiterin Anouk Bastian. Aber immer noch liegt die Quote von Jungwinzern zu Jungwinzerinnen bei 5 : 1.

Steter Kampf

„Früher waren Frauen die absolute Ausnahme, es ändert sich. Aber es ist immer noch sehr schwierig für Frauen im Weinbau“, stellt Duhr fest. „Neustadt war ein Kampf.“ Damit meinte sie das männliche Dominanzverhalten, das sie auf dem „Weincampus“ in Neustadt an der Weinstraße (Südpfalz) überwinden musste. Mit Erfolg - heute ist Duhr „Bachelor of Science“ für Oenologie und Weinbau.

Einige Trends sind erkennbar. So spielen Nachwuchswinzerinnen eher in Privatweingütern eine Rolle als in genossenschaftlichen Betrieben. Schlicht, weil die Töchter den elterlichen Betrieb übernehmen. In Deutschland dagegen, meint Duhr, gibt es eine Reihe von Quereinsteigerinnen in den Genossenschaften und in Frankreich arbeiten
schon viele junge Winzerinnen als Betriebsleiterinnen.

Genervt ist Duhr davon, dass sie trotz ihres akademischen Abschlusses in Luxemburg bestimmte Arbeiten nicht ausführen darf, weil ihr der nationale „Schein“, also die Berechtigung dafür fehlt, selbst als Betriebsleiterin eines acht Hektar großen Weinguts.

Später Einstieg

Die 35-Jährige, die nach eigener Aussage früher nie etwas mit Weinbau zu tun haben wollte, trotz aller familiären Vorbelastung, wurde zunächst Diplom-Psychologin und Clown-Pädagogin. Erst danach entschloss sie sich, sich doch mit dem Thema Weinbau zu beschäftigen hinein zu schnuppern. Dabei ging sie gleich aufs Ganze und absolvierte ein Praktikum bei Deutschlands Steillagen-König, dem Weingut Heymann-Löwenstein in Winnigen an der Untermosel. Einerseits Arbeit unter körperlich harten Bedingungen, andererseits hat sich Reinhard Löwenstein konkrete Frauenförderung im Weinbau auf seine Fahne geschrieben. Offensichtlich mit nachhaltigem Erfolg.

Die fachliche Kompetenz zählt

Bei der konkreten Arbeit hat sich auch schon etwas für die Winzerinnen geändert. Früher mussten Frauen, die in dieser Männerdomäne reüssieren wollten, härter sein als Männer. Heute gehen sie eigene Wege - die nicht unbedingt einfacher sind.

Duhr, die mit Dreadlocks und Nasen-Piercing so gar nicht dem Bild einer braven Winzerin entspricht, stellt für ihre Arbeit als Chefin im Wingert knapp fest: „Es ist anstrengender, man muss viele fachliche Diskussionen führen!“ Vor allem mit der Fraktion derjenigen, deren Motto lautet: „Das haben wir schon immer so gemacht - das haben wir noch nie so gemacht.“ Frauen, die im Weinlabor oder im Weinmarketing arbeiteten, hätten einfach weniger Probleme - mit überkommenen Berufsbildern - als die Winzerinnen in Weinberg und Keller, sagt sie.

Natürlich hänge es auch vom jeweiligen männlichem Gegenüber ab. Blöde Sprüche kämen weniger, die Geringschätzung werde eher nonverbal kommuniziert. „Ich muss immer wieder beweisen, dass ich’s weiß!“, so das Fazit von Laurence Duhr.